Jahresrückblick 2021

Nüchtern betrachtet ist 2021 mieser als 2020, weil die Coronapandemie noch immer nicht vorbei ist und bla bla bla…niemand will so was hören - ich genauso wenig -  nur ist das die traurige Realität. Anstatt sich vom pandemischen Wahnsinn herunterziehen zu lassen, haben ein paar Witzbolde sich in ihre mit Bier versifften Proberaumkellern verkrochen und an Hammer-Alben gewerkelt. Death Thrash, Blackened Thrash, Speed Metal, 80´s Thrash, Crossover: in jeder noch so kleinen Variation gibt es Liedernachschub, bei denen Schleudertraumas vorprogrammiert sind. Die Alben von EXODUS, REDIMONI, MERZOTNA POTVORA, SCULFORGE, INFECTED RATS, PRESTIGE zählen zu meinen persönlichen Highlights 2021 und lege ich jenen Metalheads ans Herz, die eine Aufmunterung bitternötig haben.

Ständig dieselbe Leier: „Das konnten wir nicht ahnen.“, „Die Coronaleugner sind schuld.“ „Nicht genügend Leute lassen sich impfen.“, bla bla bla…da kann man sich nur mehr am Kopf greifen, wie unverschämt Politiker die Schuld von sich zu weisen versuchen, anstatt einzugestehen, dass sie es verbockt haben. Tatsache ist: Corona beschäftigt uns länger, als uns lieb ist und wann es ein Ende hat, weiß keiner. Es ist zum Haare Raufen. Immerhin gibt es für die Metalszene noch Hoffnung. Trotz der beschränkten Möglichkeiten, nationale und internationale Bühnen zu beschallen, heißt es nicht, dass die Instrumente in Proberäumen im stillen Dasein dahinvegetieren. Während der Pandemie haben Metalheads, aus verschiedenen Ecken der Welt, an neuem Material getüftelt und 2021 Hammeralben releast, manche haben sogar eine Show abliefern können. Corona zehrt auch deren Kräften, trotzdem haben sie ihr Ding beinhart durchgezogen.


Nach sechs Jahren Schaffenspause ballern EXODUS´ "Persona Non Grata" hinaus, das - von der aggressiven Spielweise her - die Vorgängeralben in den Schatten stellt und textlich den Nerv der Zeit trifft. Zum Beispiel „The Beatings Will Continue Until Morale Improves“: mit herrlich bösen Worten muntern sie coronamüde Metalheads auf, indem sie die Gewaltexzesse, die momentan bei Demos weltweit zu sehen sind, ins Lächerliche ziehen. Allgemein ist „Persona Non Grata“ ein Riesenerfolg und das zur Freude ihrer Fans - und meiner Wenigkeit.

"The Beatings Will Continue (Until Morale Improves)" - pure Gewalt, mitten in die Fresse


Von den Spaniern REDIMONI habe ich eine interessante Thrash Varaiation namens Epic Thrash Metal kennengelernt. So episch habe ich ihre Musik eigentlich nicht empfunden, aber das fetzige Trommelgedresche des Drummers katapultiert „On The Brink Of Existence“ in die Top 5 meiner Lieblingsthrashalben.

"As The Soul Leaves The Body" - so hört sich epischer Thrash an


SCULFORGEs Album ist eine hervorragende Abwechslung, wenn man nichts Besseres zu tun hat, als sinnlos aufs Handy zu starren. Das Album „Lost In The Warp“ erzählt von intergalaktischen Kriegen im Warhammer 40K Setting - ein Tabletopgame mit einer gigantischen Sci-Fi- Fantasygeschichte. Das Lied „Spacehulk“ hat mich dazu gebracht meine unbemalten Warhammer40k-Figuren aus dem Keller zu holen – viel besser als das stundenlange Youtubegeglotze.

"Spacehulk" - die Doublebass macht ordentlich Druck


Durch den Tipp eines Freundes bin ich auf die österreichische Crossoverband INFECTED RATS aufmerksam geworden. Die Burgenländer tragen Punkerblut in sich und das spürt man, sowohl in bei ihrem Debüt "Suicide World" als auch auf der Bühne. Den Auftritt im Escape Metalcorner (Wien) habe ich mir nicht entgehen lassen und ich sage es mal so: die Mosheinlagen des motivierten Sängers auf der Bühne haben mit einem Krankenhausaufenthalt geendet, das Publikum hat gejubelt- dedication to Thrash Metal at its finest.

Suicide World - die erste Nummer schreit nach Punk


Die Ukrainische Blackened Thrashband MERZOTNA POTVORA hat mir ebenfalls zum Schmunzeln gebracht. Zum einen hat es mich gefreut zu sehen, das Blackened Thrash in Osteuropa Einzug gefunden hat, zum andern haben mich ihre verrückten Riffsalven zum Lachen gebracht. „Hallas Z Pekla“ ist ein amüsantes Haudrauf-Metalalbum, das zu schwierigen Zeiten gute Laune verbreitet.

"Domovyk/Boggard" - das Outro klingt herzig


2021 sind die alten Haudegen PRESTIGE von den Toten auferstanden. Ihr neues Album „Reveal The Ravage“ steht für klassischen 80s Thrash, der sich im modernen Soundgewand verkleidet und Metalheads, egal, ob jung oder alt, in die Knie zwingt. In den letzten Jahren ist es still um sie gewesen und endlich haben sie ein Lebenszeichen von sich gegeben. Eine erfreuliche Nachricht, die bei mir Freudensprünge ausgelöst hat.

"You Weep" - das Groupshouting ist ansteckend


Pandemie hin oder her, Metalbands geben niemals Ruhe, sie strecken der Welt immer den Mittelfinger entgegen. Das hat mich motiviert dasselbe zu tun und habe Stunden zu den Liedern von EXODUS, REDIMONI, PRESTIGE; MERZOTNA POTVORA und INFECTED RATS mitgegrölt, ohne ein Gedanken an die Inkompetenz der Regierenden zu verschwenden. Darum lasst euch nicht davon fertig machen, denn nicht alles geht den Bach runter. Hört euch lieber um, was euere Lieblingsbands im Tonstudio so fabriziert haben, und, wenn man Glück hat, findet man in der Nähe auch Livekonzerte, die einem schöne Abende bescheren. Das hat die Pandemiezeit erträglicher gemacht und rückblickend muss ich sagen: es ist befreiend.


Das war mein Jahr 2021.
In diesem Sinne: Keep it loud and stay brutal!

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Lesercharts: Die meistgelesenen Artikel des Jahres 2021
Seite 3: Jahresrückblick von Angelika Oberhofer
Seite 4: Jahresrückblick von bender
Seite 5: Jahresrückblick von Brigitte Simon
Seite 6: Jahresrückblick von Daniel Hadrovic
Seite 7: Jahresrückblick von Ernst Lustig
Seite 8: Jahresrückblick von Hans Unteregger
Seite 9: Jahresrückblick von Jazz Styx
Seite 10: Jahresrückblick von Julian Dürnberger
Seite 11: Jahresrückblick von Lord Seriousface
Seite 12: Jahresrückblick von Martin Weckwerth
Seite 13: Jahresrückblick von Sandy
Seite 14: Jahresrückblick von Sonata
Seite 15: Jahresrückblick von Tobias
Seite 16: Jahresrückblick von Werner Nowak


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