WACKEN OPEN AIR – Fans statt Bands – 03 – Freitag

Text: Jazz Styx
Veröffentlicht am 30.07.2021

Leider muss das Wacken Open Air 2021 ausfallen, daher kann an dieser Stelle auch kein Festivalbericht erscheinen. Da es jedoch vielen Festivalgängern neben der Musik auch darum geht, Gleichgesinnte kennenzulernen, stellen wir an den Tagen, an denen das W:O:A eigentlich hätte stattfinden sollen, ein paar Metalheads vor. Ganz im Sinne von Wacken-Gründer und -Veranstalter Thomas Jensen, der immer wieder betont, dass die Metal-Fans, noch vor den Bands, die eigentlichen Stars des Festivals sind.

Am Freitag – heute – ist es von früh bis spät immer auf vielen Bühnen gleichzeitig sehr laut. Dazwischen tummeln sich zehntausende Fans. Heute stellen wir euch einige davon vor: Mathias, Karen sowie die Kryptonic Showgirls Missy, Caro, Lotte und Lexi im Gruppen-Interview.


 

Mathias

Wer bist du?

Mathias, 43 Jahre alt, Landkreis Karlsruhe, Gefängnisseelsorger.

Welche Verbindung hast du zu Wacken?

Zweimaliger Besucher von Wacken: 2017 und 2019.

Was vermisst du am meisten am W:O:A?

Ich liebe die Bands auf dem Wacken, die Kraft der Musik und die ganze Atmosphäre dort. Ich habe das Gefühl, dass ich einfach dorthin gehöre und dort irgendwie zuhause bin.

Was darf für dich absolut nicht fehlen beim W:O:A?

Ein Wacken Shirt. Skyline dürfen nicht fehlen, der brennende Bullhead, die anderen Fans.

Welche sind deine liebsten Genres?

Power Metal, Symphonic Metal, Metal ganz allgemein.

Welche Bands würdest du am liebsten mal auf dem W:O:A spielen sehen?

PINK CREAM 69, METALLICA, KISS.

Spielst du selbst ein Instrument oder sogar in einer Metalband?

Ich bin Schlagzeuger. Aber nicht in einer Band.

Erzähle uns deine beste Wacken-Story!

Mein erstes Wacken war 2017. Ich bin zusammen mit meinem besten Kumpel hingefahren und wir haben uns riesig darauf gefreut. Nach der ersten Nacht voller Konzerte wurde er krank und ist am nächsten Morgen heimgefahren und ich blieb alleine dort – und es hat mir überhaupt nichts ausgemacht, weil ich alles in mich aufgesogen habe wie einen Schwamm. Die Bands, das Areal, die Stimmung, die Atmosphäre, das Dorf, einfach alles!

 


 

Karen

Wer bist du?

Mein Name ist Karen, ich bin 59 Jahre und komme aus Meldorf in Dithmarschen. Zur Zeit bin ich arbeitslos.

Welche Verbindung hast du zu Wacken?

Ich bin Besucherin. 2010 habe ich die Freundin meines Sohnes nach Wacken gefahren. Ich kam mir vor wie ein Kind im Spielwarengeschäft und wusste: Ich muss hinter den Zaun! Ich habe mir gleich von meinen Männern eine Karte gewünscht.

Wie oft warst du schon auf dem W:O:A?

2011 war ich das erst Mal in Wacken und dann in Folge bis 2019.

Was vermisst du am meisten am W:O:A?

Die ersten Jahre waren es hauptsächlich nur die Menschen, die mich so sehr beeindruckt haben. An die Musik musste ich mich erst gewöhnen. Es ist dieses Gefühl von totaler Freiheit, das mich auch noch Wochen danach trägt. Ich kann es nicht beschreiben.

Was darf für dich absolut nicht fehlen beim W:O:A?

Die vielen verschiedenen Menschen aus aller Welt. Diese Offenheit und ohne Vorurteile. Ich habe ein paar Jahren gebraucht, um das zu merken und zu glauben. Die Vielfalt der Musik. Ich finde immer etwas, das mir gefällt. Die vielen verschiedenen Fressbuden und Vergnügungsangebote.

Hast du eine Wacken-Tradition?

Es hat sich ergeben, dass mein Sohn und auch seine Freunde einen Tag vorher zu mir kommen, bei mir schlafen und dann alle zusammen nach Wacken fahren. Beim Edeka stoßen dann noch andere Freunde dazu und wir fahren im Konvoi aufs Gelände. So fängt es schon sagenhaft an. Wir fahren von Montag bis Sonntag. Nachdem alle aufgebaut haben, geht es zur Bändchenausgabe. Besser kann es nicht anfangen.

Welche sind deine liebsten Genres?

Ich habe mich erst langsam an die Musik gewöhnt. Inzwischen höre ich sie gerne. Die Richtungen kann ich nicht unterscheiden. Nur das brachiale und brüllen ist nicht so meins. Gerne auch Mal ohne Gesang, wie die zwei Cellos.

Welche Bands würdest du am liebsten mal auf dem W:O:A spielen sehen?

Auf jeden Fall noch einmal RAMMSTEIN, HOLLYWOOD VAMPIRES mit Jonny Depp, AC/DC, APOCALYPTICA, aber ich bin mit der Frage wirklich überfordert, da ich ja eigentlich noch Anfänger bin.

Erzähle uns deine beste Wacken-Story!

2011, mein erstes Mal, bin ich mit meinem Sohn und einem Freund von ihm an einem Badehaus in einem Zuber baden gewesen. Nackt. Aber so was habe ich noch nie gemacht. In meinem fünften Jahr habe ich mich tätowieren lassen. Ein kleiner Wacken-Schädel und für jedes Jahr ein Stern. Später nochmals ein paar Sterne. Nun fehlt mir nur noch ein Stern zu meinem Glück. Dann habe ich 10 Stück. Sonst bin ich eigentlich wohl eher langweilig. Sorry. Ich trinke wenig, ab und zu flirte ich ein wenig. Meistens bin ich leider allein unterwegs.

 


 

Missy, Caro, Lotte und Lexi

Wer seid ihr?

Missy: Ich bin Missy, bin Ende 30, komme aus dem schönen Ruhrpott und arbeite als Projektassistenz.

Caro: Ich bin Caro, 37, komme aus Castrop-Rauxel und arbeite in einer Apotheke als PTA.

Lotte: Ich bin Lotte, 46, aus dem Pott, ich mach irgendwas mit Versicherungen.

Lexi: Ich bin Lexi, man kann mir unter „lexi_devil_pole“ auf Instagram folgen und ich bin Bauingenieurin.

Welche Verbindung habt ihr zu Wacken?

Missy: Ich bin/war Teil eine Auftrittstruppe. Die letzten Jahre bin ich bei den „Lady Kitty's Hell's Belles“ aufgetreten, nun hat sich ein Teil davon abgespalten, der unter dem Namen „Kryptonic Showgirls“ einige weitere Ex-Belles vereint. Wir sind teilweise bei den Holzfiguren abends aufgetreten oder waren mit unserer Show auf der Wasteland-Stage. Oh, wir machen Pole-Dance, falls ich das noch nicht erwähnt hatte. Man findet uns auch bei Instagram.

Caro: Vor vielen Jahren, so mit süßen 17 war das Wacken mein erstes Festival. Ich war damals so überwältigt, von der Atmosphäre, den Menschen und dem Miteinander, das ich mich jedes Jahr aufs Neue wie Bolle darauf gefreut habe. Ich war ca. drei oder vier Jahre in Folge dort. Dann hat Stephan Raab bei TV total darüber berichtet. Leider war es ab dem Jahr nicht mehr dasselbe und hat für mich seinen Reiz verloren. Viele Menschen, die eigentlich nichts mit Metal oder ähnlichen Genres zu tun hatten, sind plötzlich dazu gestoßen und es war einfach … anders. Nun bin ich in den letzten zwei Jahren, in denen es stattfinden durfte, wieder dabei gewesen. Diesmal aus einer anderen Perspektive. Als Mitwirkende. Das hat wieder Riesen-Spaß gemacht und die Begeisterung für dieses internationale Festival wieder neu entfacht.

Lotte: Ich war Mitglied der „Hell‘s Belles“, seit der Teilung der Gruppe heißen wir „Kryptonic Showgirls“, wir machen Pole Dance und Akrobatik.

Lexi: Ebenfalls Ex-Belle. Ich wollte einige Dinge anders angehen, was ich jetzt mit den „Kryptonics“ umsetzen kann. Wir sind immer so im Wackinger Village aufgetreten bzw. auf der Wasteland-Stage, waren aber auch als Walking Act unterwegs. (Wer noch Fotos von uns hat, gerne her damit!) Die Energie, die zwischen uns und dem Publikum besteht, ist echt toll! Vielen Dank an alle, die unsere Shows besucht haben! Wir sind die mit dem Pole-Dance, der Luftakrobatik, Chair Dance … eigentlich ein gut aufgestelltes Unterhaltungsprogramm, das wir auf die Wünsche der Veranstalter zuschneiden können.

Wie oft wart ihr schon auf dem W:O:A?

Missy: Ich war die letzten beiden Jahre da, in denen es noch stattfinden durfte.

Lotte: Zweimal, 2018 und 2019.

Lexi: Ich durfte die letzten vier Jahre Teil von Wacken sein.

Was vermisst ihr am meisten am W:O:A?

Missy: Ich vermisse das Campen mit den Mädels. Das gemeinsame Fertigmachen, Schminken, Haare und so … und dass man immer jemanden findet, mit dem man sich eine Band anschaut, weil wir so unterschiedliche Geschmäcker dabeihaben. So entdeckt man aber auch neue Bands, was ziemlich cool ist.

Caro: Das Miteinander. Die Menschen, die super offen sind und immer für einen Spaß zu haben. Ich sag immer: „Man könnte nur mit einer Unterhose und einem Kopfkissen dort ankommen und würde trotzdem ein phantastisches Festival erleben und es würde einem an nichts fehlen!“

Lotte: Die Musik, die Stimmung, die Leute, mit den Mädels morgens beim Kaffee überlegen, welche Bands man sehen will, unterwegs dann alle Pläne über den Haufen werfen …

Lexi: Was mir am meisten fehlt, ist das Zusammenspiel mit dem Publikum von Wacken. Die glänzenden Augen zu sehen, die Gespräche vor und nach den Auftritten. Und auch überhaupt einen Teil zu Wacken beitragen zu können, fehlt mir ungemein. Dieses eine Mal im Jahr, auf Wacken, kann man sein wer man möchte.

Was darf für euch absolut nicht fehlen beim W:O:A?

Missy: Der Wacken-Met in den kleinen Flaschen im VIP-Bereich!

Caro: Bier!

Lotte: Nette Leute treffen und neue Leute kennenlernen.

Lexi: Fester Bestandteil war mit Freunden und Publikum schöne Momente zu erleben, und diese auch auf Fotos für später festzuhalten.

Habt ihr eine Wacken-Tradition?

Missy: Bisher noch nicht. Aber vielleicht ergibt sich das in den nächsten Jahren.

Caro: Nö.
Lotte: So was wie Kassenhäuschen anzünden und in meiner Kotze einschlafen? Nein!

Lexi: Nee, hab ich nicht.

Welche sind eure liebsten Genres?

Missy: Musikalisch bin ich eher dem Metal fern. Ein bisschen geht, aber zu brachial sollte es nicht werden. Dann lieber folkig-mittelalterlich angehaucht, oder gleich richtig mit Elektro dabei.

Caro: Oh, ich mag vieles. Hauptsache es macht Spaß. Ich kann mich an mittelalterlicher Musik genauso erfreuen wie an guten altem Heavy Metal oder Metalcore.

Lotte: Punk, Hardcore, Stoner Rock.

Lexi: Musiktechnisch bin ich großer Fan von THUNDERMOTHER, aber auch die alten Größen sind bei mir sehr beliebt.

Welche Bands würdet ihr am liebsten mal auf dem W:O:A spielen sehen?

Missy: Hab ich mir noch nie Gedanken drum gemacht. Zumal es richtig blöd wäre, wenn dann meine Band spielt und ich aber selbst zum Auftritt muss. Das ist schon nicht schön, wenn es die Bands sind, die ich gut finde. Wie mies sich das anfühlt, wenn ich mir die Band sogar gewünscht habe, will ich mir gar nicht vorstellen.

Caro: Ich würde EVERGREY dort total gerne mal sehen. Im letzten Jahr ist der Auftritt dort leider wegen Unwetterwarnung abgesagt worden und wir mussten das Zelt verlassen. Sehr schade, aber vielleicht ergibt es sich ja noch ein anderes Mal.

Lotte: Vielleicht sollte die Frage lauten, welche Bands, die auf dem W:O:A spielen, ich auch auf 
anderen Festivals sehen möchte?

Lexi: Ich würde mal bei THUNDERMOTHER in der ersten Reihe stehen. Noch besser natürlich als Showprogramm mit Stange zusammen auf der Bühne.

Spielst du selbst ein Instrument oder sogar in einer Metalband?

Missy: Nein. Ich kann noch nicht mal Noten lesen. Aber gesanglich bin ich gerne lautstark dabei.

Caro: Haha, besser nicht. Leider bin ich da nicht sehr talentiert.

Lotte: Nee, lieber nicht.

Lexi: Klavier.

Erzähle uns deine beste Wacken-Story!

Missy: Ich hab im VIP-Zelt mit dem Teufel von Tanzwut ein Gespräch darüber geführt, mit welcher Band er auftritt, weil ich ihn so gar nicht erkannt habe. Dabei hab ich einige CDs von denen zuhause stehen. Wäre gerne nachträglich im Boden versunken, als mir das später klar wurde.

Caro: Ein paar von uns haben sich – vom Wacken Spirit getragen – im VIP-Bereich spontan den Schädel tätowieren lassen. Ein Gruppen-Happening.

Lotte: Eigentlich hoffe ich, dass ich noch eine Gelegenheit habe …

Lexi: Ich kann mich nicht entscheiden: Einmal gab es da den Typen im Infield. Oberkörperfrei mit Wrestlermaske, der mich unheimlich lange und fest umarmte. Nach mehrmaligen Fragen, ob es ihm gut ginge, antwortete er: „Das war der längste Sex in den letzten vier Tagen.“ Ein anderes Mal war ich auf dem Weg zum Auftritt, da sprintete jemand auf mich zu, warf sich vor mir auf den Boden, umgriff meine Beine und fragte, ob er mich mitnehmen dürfte. Ich verneinte, denn ich musste ja auf die Bühne. Und noch einen Fail weiß ich: Wir wollten nämlich unsere Luftakrobatiknummer vom Gabelstapler her machen, dazu kletterte ich zur Probe ins Tuch, das schon mitsamt der Aufhängung in die Höhe gefahren worden war. Kaum in der ersten Figur riss plötzlich der Hydraulikschlauch des Gabelstaplers und das ganze Öl verteilte sich auf mir und dem Tuch. Aus Sorge, dass ich etwas ins Auge bekommen hätte oder sonstwas, wurde ich stilecht mit dem Kettenfahrzeug zu den Sanis gefahren. Gott sei Dank ist nix passiert; und die Dusche danach tat sehr gut.

 


 

Vielen Dank an Mathias, Karen, Missy, Caro, Lotte und Lexi! Für alle, die noch weitere Metalheads und Wackenfans kennenlernen mögen, gab es am Mittwoch und Donnerstag schon Interviews – auch am Samstag werden welche folgen.


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