Happy Birthday „Love It To Death“!

Veröffentlicht am 08.03.2021

Happy 50th Anniversary! Am 9. März 1971 wurde mit "Love It To Death" das dritte Album von ALICE COOPER veröffentlicht.

Fünf Gestalten, die sich ALICE COOPER nennen, glitzernde Slips über blutverschmierten Hosen tragen und hüftlange Haare haben: Unter Hippies auf LSD war das kein Erfolg. Genauso wenig, wie die ersten beiden Studioalben, die auf Zappas „Straight“ Label aufgenommen wurden. Weder „Pretties For You“ mit seinem dadaistisch angehauchten Cover, noch das darauffolgende „Easy Action“ verschafften der Band den Durchbruch. Doch dann ein Lichtstreif am Horizont: Der junge Produzent Bob Ezrin muss sich, nachdem er einen anderen Auftrag versaut hat, als Strafe der jungen Band annehmen. Und diese Zusammenarbeit sollte den Grundstein für den Erfolg legen. Der sechste Beatle war angekommen. Mit seiner Hilfe entstand der erste Radiohit „I’m Eighteen“. Ursprünglich mehr als zehn Minuten lang und so unverständlich, dass Ezrin „Edgy“ verstand, wurde der Song auf radiotaugliche Länge gekürzt und dort schließlich so oft gewünscht, dass er in Dauerschleife lief. 

Und damit wäre nicht nur der musikalische Grundstein gelegt, sondern auch der des Theaters. Schock Rock in Tradition des Vaudeville bedeutete für die Band nicht nur eine Menge Kunstblut, sondern auch eine Zwangsjacke, die zum ersten Mal bei „Ballad Of Dwight Fry“ zum Einsatz kam und bis heute ihren Platz auf der Bühne hat. Aber wer ist eigentlich dieser Dwight Fry? Nun, zuerst einmal heißt der Gute Dwight Frye. Was mit dem fehlenden ‚e‘ passiert ist, kann allerdings niemand sagen. Bekannt als Schauspieler für die Hammer Studios in den 30er-Jahren in Horrorfilmen wie „Dracula“ und „Frankenstein“, spielte er nie die Monster selbst, sondern meist eine Nebenrolle. Als Assistent Fritz des Dr. Frankenstein und als fliegenessender Diener des transsilvanischen Grafen schaffte er es, den eigentlichen Horror zu überbieten. Und genau das war es, worauf ALICE COOPER aus waren: die Sideshow, die gruseliger war als der eigentliche Akt. 
Doch es gibt noch ein Rätsel, in der Geschichte, die dieser Song erzählt. Am Ende des Songs bricht der Verrückte aus der Irrenanstalt aus – visuell dargestellt durch COOPER, der sich aus der Zwangsjacke kämpft. Damit das nicht nur leere Worte waren, wurde der Sänger für die Aufnahmen auf den Boden gelegt und von Metallstühlen umgeben. Das Eingesperrtsein sollte so authentisch wie möglich auf Band gebracht werden. Darauf folgt im Song schließlich eine Explosion. So verrückt diese Band auch war, sie jagten nicht das Studio in die Luft, um den perfekten Sound zu erreichen. Hier wurde in eine alte Trickkiste gegriffen. Lässt man eine Brausetablette in ein Glas Wasser fallen und regelt die Geschwindigkeit des aufgenommenen Geräuschs stark herunter, hört es sich tatsächlich wie eine Explosion an. Auch wenn Ezrin vergleichsweise jung war: die alten Tricks beherrschte er schon damals. 

Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, musste natürlich das Cover etwas Kontroverses bieten. Dem aufmerksamen Beobachter wird auffallen, dass mit ein paar Hintergedanken COOPERS Finger auch als anderes Körperteil gelten könnte. In den 70ern war das natürlich Grund genug für reichlich Aufregung. 

     Originalcover vs. bearbeitetes Cover

 

Also wurde das Cover zensiert. Zuerst mit einem weißen Streifen oben und unten, sodass nur noch die Gesichter der Band zu erkennen waren, später wurde das Bild bearbeitet, um den Daumen mehr als solchen erkenntlich zu machen. Dementsprechend begehrt sind die Schallplatten mit dem Originaldaumen, sowie mit den zensierenden Streifen. Vielleicht lohnt es sich also noch einmal genau zu schauen, welche der Versionen im eigenen Plattenschrank steht. Und wenn man die Platte gerade sowieso in der Hand hat, kann man sie zum fünfzigsten Jubiläum doch mal wieder auf den Teller legen oder? 

 


WERBUNG: Hard
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