Ein Liebesbrief an die Rockshow

Veröffentlicht am 05.08.2020

Ich vermisse dich.

Monate bevor wir uns überhaupt sehen, freue ich mich, plane unser Treffen, arrangiere alles. Welchen Bus, welches Flugzeug, welchen Zug muss ich nehmen? Oder läuft es darauf hinaus, dass ich alles Notwendige in mein kleines Auto werfe und dir Hunderte von Kilometern hinterherfahre? Nachts an einer Raststätte in meinem Auto übernachte. Den Fahrersitz nach hinten geklappt, eine Decke übergeworfen und das Lenkrad so weit wie möglich nach oben geschoben. Es ist Dezember und mitten in der Nacht leuchten zwei Männer mit Taschenlampen in mein Auto. Ich wache davon auf und frage mich, ob es Polizisten sind oder sie mich ausrauben wollen. Beunruhigt schlafe ich weiter und dusche am nächsten Morgen an der Raststätte in einer Dusche, die selbst eine Dusche gebrauchen könnte. Ich tue es und ich tue es gerne, denn du bist es einfach wert. Die Ekstase Sekunden vorher, die sich über Monate aufgebaut hat, ist mit nichts vergleichbar. Muss ich ein paar Tage Urlaub nehmen, mein komplettes Leben auf den Kopf stellen, um alles möglich zu machen? Ich tue es.

Die blauen Flecken, die ich davontrage, spüre ich erst am nächsten Tag und bin beeindruckt, was mein Körper alles wegsteckt. Adrenalin ist wirklich die stärkste Droge, die es gibt und ich brauche meinen Shot. Es wird immer mehr. Bin ich süchtig? Wer weiß das zu diesem Zeitpunkt schon noch? Ich glaube nicht, dass ich ohne dich leben kann. Können vielleicht aber ich will es nicht. All diesekleinen Momente, das verschmitzte Grinsen, das ich noch Tage später vor Augen habe, wenn ich nicht schlafen kann. Ich schaue Videos, erlebe Erinnerungen wieder und wieder und frage mich, wann der nächste magische Moment kommt. Denn das ist alles, wofür ich lebe.

Was tue ich mir nicht alles für dich an? Schlafmangel, Nahrungsmangel, Flüssigkeitsmangel, es macht keinen Unterschied, ich tue es. Bei vierzig Grad fahre ich vier Stunden nach Luxemburg und trinke lediglich ein paar kleine Schlucke Wasser. Und ich liebe es. Mit einem Lächeln würde ich für dich durch die Hölle gehen, alles opfern, was ich kann. Sei es in der brennenden Sonne Spaniens oder bei Minusgraden in der Mitte Münchens, schüttet es in Mönchengladbach oder fährt mir der Wind durch Mark und Bein in Brighton, ich tue es mit einem verliebten Grinsen.

Du weißt, ich würde alles für dich tun und trotzdem machst du es mir so schwer. Mein Leben muss ich umkrempeln, schwierige Entscheidungen treffen, um unsere Liebe zu ermöglichen. Doch ich weiß, du bist es wert. Und eines Tages, wenn ich alt bin, werde ich meinen Enkeln von unserer Liebe erzählen und sie werden die Augen verdrehen und mir sagen, dass ich immer dieselben Geschichten erzähle. Und wer weiß, vielleicht werden sie diese Liebe eines Tages verstehen.

Jetzt gerade versuche ich so nah wie möglich an unsere Erlebnisse zu kommen, ich schaue mir alte Videos an, mache nebenbei ein Workout, nur damit ich genau wie bei unseren Begegnungen danach geschwitzt bin. Und während das Ergebnis vielleicht ähnlich ist und die Videos wunderschön, ist es doch schlicht nicht das Gleiche. Ich vermisse die Magie, die Rituale, die wir uns über die Jahre angewöhnt haben. Das Schminken am Morgen bevor wir uns sehen, die langen Fahrten, das Campen bei jedem Wetter, nur damit ich die Erste bin, die dich sieht. Du wirbelst mich und meine Emotionen durcheinander und ich wünschte, ich hätte einen Herzschlagzähler, wenn wir uns sehen, nur damit ich einen physischen Beweis habe, wie wichtig du mir bist und was du in mir auslöst. Denn in Worte kann ich das Ganze unmöglich fassen, egal wie sehr ich es auch versuche. Du hast so viele in deinen Bann gezogen, manche hast du ruiniert, manchen hast du ein Leben in Luxus ermöglicht, aber uns alle hast du fasziniert und wir huldigen dir. 

Wenn ich all diese Erinnerungen durchlebe, habe ich ein Lächeln auf den Lippen, weil es die glücklichsten Momente meines Lebens sind, gleichzeitig möchte ich weinen, denn ich weiß, dieses Jahr werde ich dich nicht mehr sehen und egal wie sehr wir versuchen, eine akzeptable Alternative zu finden, es ist einfach nicht dasselbe. Verdammt, ich brauche meine Droge, ich liebe dich.

Bitte komm bald wieder, Rockshow. 


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