Flusensieb #30 – 10 kurze Platten-Reviews

Veröffentlicht am 30.03.2020

Ihr vermisst das Review zu einem Album, das vor einer Weile erschienen ist bei Stormbringer? Vielleicht gehört es zu den folgenden zehn Platten, die hier im Schnelldurchlauf eine Chance auf eure Aufmerksamkeit erhalten. Dabei gibt es buntes Balladen-Geschepper-Programm, stirnrunzelndes Ohrenbluten, den ultimativen Kitsch-Overload und finnische Küstenklänge. Auch Werwolf-Häppchen, Kompromisslos-Klassisches und der Tod als letzter Ausweg fehlen nicht. Abschließend kredenzen wir euch noch hartnäckige Avantgarde, ein köstliches Todeselixier und keine abgründigen Baumschmuser. Viel Spaß!

 


 

MXD – Endurance

Wummernder Dark Electro, zuckender Industrial, eingängiger EBM, wuchtiger Metal, getragener Rock. MXD liefern mit ihrem Album Nummer sieben ein sehr buntes Programm ab, das wahrscheinlich für fast jeden Hörer andere Höhen und Tiefen haben wird. Als Platte, die man am Stück genießt, wird „Endurance“ wohl den wenigsten taugen, aber dafür haben viele eine Chance, wenigstens ein oder zwei interessante Songs zu finden. Tanzbares trifft auf Experimentelles, Ruhiges auf Schnelles, Balladen auf Geschepper, Hard Rock auf 4/4-Club-Wumms, Französisches auf Englisches, Stumpfes auf Ausgefuchstes. MXD schaffen ein Album zwischen starker Vielseitigkeit und wildem Chaos. Tipps: „Mojo“, „Ain't Dead Yet“. (jazz)

 


 

BARBARIAN SWORDS – Totemic Anal Turbofucker

Aufgrund des Titels wurden bei BARBARIAN SWORDS Schwertgeklirre und grunzenden schweißbedeckte Barbaren in blutgetränkten Lederschürzchen erwartet. Aber es ist Black/Doom-Metal mit auf den Magen schlagendem Grindcore aus Spanien. Der Schwerpunkt des Albums „Totemic Anal Turbofucker“ liegt auf Zerstörung, Tempo und Nackenwirbelbrüchen. Über Kunst läßt sich ja bekanntlich nicht streiten, aber dieses Album zernagt Gehörgänge und Geduld. „Expect no mercy...“ steht im Steckbrief der Band und das setzen sie auch 100% um. Übergänge der Songs sind kaum wahrnehmbar. 25 min Stirnrunzeln, Ohrbluten und der Wunsch nach Flucht – optimale Bedingungen für jedwedes Geständnis mit dem Album als Foltermittel. (SV)

 


 

STEAVY METAL – Fear The Steel

„Fear The Steel“ – fürchtet euch lieber vor STEAVY METAL aus Hannover! Schon das Cover des Albums wirkt wie eine Parodie von MANOWAR und anderen Power-Metal-Bands. Der Kitsch trieft von der Platte. Party-Metal-Fans werden ihre Freude haben. Man kann sie förmlich vor sich sehen, wie sie betrunken mit ihrem aufblasbaren Einhorn zu „Heavy Metal Unicorn“ abgehen (unbedingt das Video dazu auf YouTube gucken für den ultimativen Kitsch-Overload). Ob Hommage, Parodie oder beides, weiß nur die Band selbst. Vielleicht das Power-Metal-Äquivalent zu dem, was STEEL PANTHER für Hair Metal sind? Musikalisch ist zwar Potential zu erkennen, aber man muss schon tapfer sein, um das Album durchzustehen. (BS)

 


 

SUNDAYSONG – Signals

2019 feierten die Finnen SUNDAYSONG eine Dekade Bestehen und veröffentlichten zu diesem Anlass ihr neues Album „Signals“. Die Behauptung, an der finnischen Küste zu leben, würde sich auch auf den Sound ihrer Musik auswirken, könnte durchaus stimmen. Das Album beinhaltet wunderschöne, teils melancholische Klangwelten, die immer wieder von einnehmenden Riffs durchbrochen werden – eine Atmosphäre, die einem Wellengang gleichkommt. Titel wie „Death Is Clever (So Be Careful)“ lassen erahnen, dass hier kein einfaches Thema behandelt wird. So wird unter anderem in „Mountainheart“ Drummer Jari Heinos Verlust eines Kindes vor einigen Jahren verarbeitet. Mehr als nur Sonntags-Berieselung. (AO)

 


 

KAOTEON – Kaoteon

Wozu ein Intro, wenn bereits „Wolves Of Chaos“ das Tempo anzeigt. Extreme Metal mit Black-Metal-Tendenzen aus dem Libanon, angereichert mit brutalem Saitengemetzel und Trommelfell zermürbenden Drums. Mittlerweile ist die Band in die Niederlande übersiedelt, da Beirut politisch kein angenehmes Pflaster für KAOTEON wurde. Die Growls von „Broken“ lassen an ein Rudel hungriger Werwölfe denken, das nur auf ein leckeres Häppchen wartet. Zum Joggen wäre das sicherlich Effizienz erhöhend. Bei „Memento Mori“ wird in die Vergangenheit Mesopotamiens eingetaucht, Anspielungen auf Babel und das gelobte Land, wo Milch und Honig fließen. Alles untermalt von zerstörerischen Riffs und höllenartigen Drums. (SV)

 


 

TRAITOR – Decade Of Revival

Das Warten auf das nächste Album verkürzen TRAITOR mit der EP „Decade Of Revival“. Eigentlich eine Box, die das zehnjährige Bestehen der Band zelebriert, mit einer EP, die vier neue Songs beinhaltet, und einer Liveaufnahme vom tollen Gig 2018 auf dem Rock Hard Festival und DVD mit dem Auftritt auf Wacken 2018. Die neuen Songs werden dem hohen Anspruch an die Band gerecht, sie hätten auch gut auf „Knee-Deep In The Dead“ gepasst. Das Intro zu „Metroid“ macht den Song zum idealen Opener. Kompromissloser, klassischer Thrash vom Feinsten, super Gitarrenarbeit, solide Rythmussektion gepaart mit Schlagzeuger Andreas' gewohnt kratziger Stimme. Anspieltipp: „Decade Of Revival (Traitor Part IV)“. 5/5 (BS)

 


 

PERIHELION – Agg

Atmosphärisch und eher ruhig gehalten nehmen sich PERIHELION auf „Agg“ dem Thema Tod als letzten Ausweg an. Aus den ruhigen Klangwelten brechen sich nur selten echte Emotion und eine Ahnung von Gitarrenwänden bahn. Wer SÓLSTAFIR in unaufgeregterer Form erleben will, kann hier zugreifen. Vor allem „Erdő“ versprüht diesen besonderen Vibe der Isländer und ist neben dem Titelsong der spannendste Track. Genau hier wären die passenden Ansätze zu finden, die beweisen, dass es den Ungarn durchaus möglich wäre, diese düstere und einnehmende Stimmung nicht nur stellenweise einzufangen. Gut, aber für die vierte Veröffentlichung doch zu wenig, um länger im Gedächtnis zu bleiben. (AO)

 


 

KEIN – Kein

Aus dem Gefühl heraus würde ich KEIN als experimentellen Metal gemischt mit Industrial bezeichnen. Markant sind harte Breaks und abrupte Wechsel im Tempo und Gesang. Das Album "Kein" erinnert an THE AMITY AFFLICTION und THE ETERNAL AFFLICT, nur ohne deren Leichtigkeit, eher gewollt aggressiv und fragmentiert. Die Gesangsstruktur bei „Central Fire“ ist ungewöhnlich und wird hauptsächlich durch die interessante Stimme abgemildert. Italienische Avantgarde mit gekonnten Drums und hartnäckigen Riffs. (SV)

 


 

VAULTWRAITH – Light The Candle In Honour Of Devils

2019 brachten VAULTWRAITH „Light The Candle In Honour Of Devils“ heraus. Das selbsternannte „Devilcraft Metal“-Quartett aus den USA übertrifft sich hier selbst, denn schon das Debüt war hervorragend. Es vermischt Black Metal mit Elementen aus oldschool Metal, Thrash und melodischem Death Metal zu einem köstlichen Elixier. Getrieben, eindringlich, melodisch sind Schlagworte, die einem schon beim ersten Hören durch den Kopf schießen und mit jedem Hören erschließt sich das Album mit seinen ausgeklügelten Kompositionen immer mehr. Anspieltipps … „Castle Of The Accursed“? „The Morta-Possessed“? Eigentlich jeder Song, denn schlechter ist keiner dabei. 4,5/5 (BS)

 


 

CARONTE – Wolves Of Thelema Shamanic

Doom aus Italien wird im Album „Wolves Of Thelema“ von CARONTE zelebriert. Also Walleroben an und raus zum Tanz mit den Wölfen! Die Bandbreite der Stimme von Dorian Bones reicht von getragen bis hin zu leicht growligen Ansätzen, wird aber etwas von den Instrumenten überlagert (evtl. falsch eingespielte Tonspur). Im Ganzen ergibt es ein sehr okkult angehauchtes Album das zum lauschigen Sabbath einlädt und keineswegs auf Baumschmuser schließen lässt. „Black Hole Down“ beeindruckt mit kratzig geilen Riffs und wird mit „Starway To The Cosmic Fre“ so richtig doomig in Richtung Abgrund getrieben. (SV)

 


 

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