Flusensieb #28 – 10 kurze Platten-Reviews

Veröffentlicht am 27.02.2020

Die Aufgabe des Flusensiebs ist es, einen schnellen Blick auf Metal zu werfen, der beim Stormbringer unter dem Radar geblieben ist. Dabei sind diesmal verspielte Heavyness im Klassikkleid, Ralle Krawall und Konsorten, AN-Streicher und eine kleine Nachtmusik. Auch kauzig-rituelle Naturmystik, symphonische Romantik, thrashiger Groove und amerikanischer Elfenalarm fehlen nicht. Abschließend gibt es noch Black Metal mit Attitüde und welchen, für den man sich nicht zu trve sein darf. Viel Spaß!

 


 

MORAN MAGAL – Under Your Bed

MORAN MAGAL aus Israel ist so etwas wie eine Symphonic Rock Liedermacherin. Dabei trifft eine bezaubernd zerbrechliche und zugleich energisch-starke Stimme auf rockige bis metallische Klänge, Klavier und Geige und wird durch ein hervorragendes Songwriting zu etwas Einzigartigem. Jazzige Verspieltheit und eine gewisse Heavyness konkurrieren und verschmelzen als etwas ganz Neues in einem Kleid aus Klassik. In diesem perfekt abgestimmten Durcheinander spielt dann auch noch Folk eine starke Rolle. „Under Your Bed“ ist ein beeindruckendes Kunststück, das bei mir zumindest noch so manche Runde durchlaufen wird. Ohrwürmer habe ich schon von „Win Me Over“ und „Go Dark“. Unglaublich stark! (jazz)

 


 

GORELEM – Gorelem III

Heavy Rock'n'Roll aus Berlin mit Ralle Krawall und Konsorten. GORELEM entstanden bereits 2013 und dennoch erschien ihr erstes Album erst 2016. Die Einflüsse von MOTÖRHEAD sind schon bei „Erection“ nicht zu verleugnen. Und sie ziehen sich auch durch die weitere Songline, was in einem ziemlich gekonnten Cover des Klassikers „Ace of Spades“ (immerhin schon 1980 erschienen) mündet. Als Coverband würde ich GORELEM jedoch nicht titulieren. Guter Hard Rock mit klaren Wurzeln und schweren Bässen von bodenständigen Männern. (SV)

 


 

HANDFUL OF DUST – Cosmopolis

Die Italiener (AN) HANDFUL OF DUST – das AN ist mittlerweile gestrichen – stellen uns mit „Cosmopolis“ ihre dritte LP in knapp 20 Jahren vor. Thrash und Death Metal treffen auf Melodisches und Modernes (leicht Coriges) und vereinen sich ganz grob im Genre Alternative Metal. In ihren besseren Momenten strahlen sie etwas von IN FLAMES, MACHINE HEAD und METALLICA aus, ohne zu kopieren, aber auch ohne die gleiche Wucht zu entfalten. Doch es ist eine starke, gefühlvolle, hörenswerte Platte entstanden, die leicht zugänglich ist, Freude bereitet, aber nicht unbedingt allzu viele Durchläufe im heimischen Plattenspieler provozieren dürfte. Nichtsdestoweniger beide Daumen hoch für HANDFUL OF DUST! (jazz)

 


 

AD NEMORI – Akrateia

Melodic Death Metal mit einigen orchestralen Einspielungen, die die Growls abmildern und eine Leichtigkeit in die Melancholie des Albums bringen. Münchner können halt auch romantisch Trübsinn blasen und doch schwingt ein Hauch von Frühlingserwachen und „Ojeeee“-Freude mit. „Tellurian Doom“ haut schon mal ordentlich los und bei „The Stars My Destination“ kommt auch gutes Storytelling hinzu. Die Vocals von Raphael könnten kaum tiefer aus der Kehle krächzen – im positiven Sinne. Das Debüt von AD NEMORI bringt einiges an Nacken in chiropraktische Behandlung und überzeugt mit träumerischen Gitarrensoli genauso wie mit kraftvollen Riffs. Und sogar eine kleine Nachtmusik haben sie mit „Guidance“ aufgelegt. (SV)

 


 

MOSAIC – Secret Ambrosion Fire

Es passiert mir nicht allzu oft, dass ich nicht genau für mich definieren kann, was ich von einem Album halten soll. MOSAICs „Secret Ambrosian Fire“ ist ein solches, in positiver Hinsicht. Das Vakuum, das sich bei mir nach dem kolossalen „Hoagascht“ mitsamt der anschließenden Auflösung LUNAR AURORAs gebildet hat, kann das Debütalbum der Thüringer zwar nicht gänzlich egalisieren, doch der kauzig-rituelle, naturmythische Black Metal weiß überwiegend zu überzeugen und profitiert dabei – vor allem – von seiner einzigartigen Atmosphäre, die sich deutlich vom Genre-Einheitsbrei abheben kann. (PS)

 


 

ELEINE – All Shall Burn

Romantik gefällig? Dann mal ELEINE aus Schweden auf den Plattenteller und die Rosen verstreuen. Symphonischer Metal ist ja im Nordlichtbereich sehr verbreitet und mit dem Album „All Shall Burn“ geht’s im Fahrwasser von MYRATH auf Deutschlandtour. Female fronted Metal und eine männliche Begleitstimme, dazu ein wenig Drums und die üblichen Harmonien der Klassik: Schon kommt einem alles bekannt vor? Mitnichten! Wer auf Elfengesang mit Bäng steht, ist hier richtig, und Rikard lässt sich als Gegenpart nicht unterbuttern. „All Shall Burn“ ist nicht nur der Opener, sondern auch ein wunderbares Duett-Beispiel auf Augenhöhe. Aber ein RAMMSTEIN-Cover von „Mein Herz brennt“ hätte fei net sein müssen. (SV)

 


 

ONE HOUR HELL – Voidwalker

Für Fans von LAMB OF GOD, heißt es über ONE HOUR HELL, aber die Schweden sind weit mehr als das. Parallelen kann man im leicht thrashigen Groove sehen, aber auf ihrem dritten Album „Voidwalker“ sind wesentlich umfangreichere Genreeinbeziehungen vorhanden: fetter Death Metal und zwischendurch sehr progressive Musik mit Klargesang. Dadurch ergeben sich manche interessante Passage, aber es bleiben auch die etwas zu monoton hingeballerten Parts. Damit spricht man sicherlich sehr unterschiedliche Zielgruppen an, weshalb ich empfehle, sich das Album einmal bewusst durchzuhören und sich danach vor allem auf die Songs zu konzentrieren, die einem selbst liegen. Da können echte Schätze dabei sein! (jazz)

 


 

BEYOND FORGIVENESS – Live To Tell The Story

Elfenalarm aus good old America. Gothic Symphonic Power Metal mit Taschentuchattitüde und einem un-power-metalligem männlichen Gesangspart – der böse Part des Growlens wirkt übertrieben und wenig überzeugend. Dafür drückt Talia alle Tasten des Herz-Schmelz-Kastens bei „Echoes“, gerät aber in Tonhöhen, wohin ihr nur Migräne und Fledermäuse folgen können. Für Gothic ist es zu hübsch, aber Symphonic stimme ich zu. Die Song-Storyline kann überzeugen, ebenso die Klangqualität des Albums „Live To Tell The Story“. Nur fehlt die eigene Storyline von BEYOND FORGIVENESS – eure Identität ist unter all dem „Schon-mal-gehört“ kaum auszumachen. Ich hoffe, dass das nächste Album kein BEYOND OBLIVION wird. (SV)

 


 

CLOAK – The Burning Dawn

Der Erfolg von TRIBULATIONs Stilwandel hin zu angeschwärztem Gothic Metal/Rock sprach sich schnell herum, sodass es nicht allzu verwunderlich sein dürfte, dass sich an diesem Gemisch auch andere Künstler versuchen würden. Dennoch lässt sich CLOAKs „The Burning Dawn“ nicht als Abziehbild dessen bezeichnen, denn die Amerikaner betonen die (melodischen) Black-Metal-Elemente, die nicht selten schwedische Legenden à la WATAIN und DISSECTION zitieren, spürbar stärker, bleiben dabei aber trotzdem höchst eingängig und vertreten eine Attitüde, die der der modernen SATYRICON nicht unähnlich ist. (PS)

 


 

SIBIIR – Ropes

Black Metal trifft Hardcore auf der zweiten Platte „Ropes“ von SIBIIR. Das ist wütend, das ist walzend, das ist wunderbar brutal. Dabei schafft die heiser-hardcorige Stimme von Jimmy Nymoen einen spannenden Kontrast zum eher ruhigen, grollenden Black Metal, was die Musik der Norweger unverwechselbar macht. Hinzu gesellen sich Experimente mit dem Epischen. Das klingt rund, nicht zu gleichförmig und stets wuchtig, groß, fast belastend, ohne dabei eine gewisse Schönheit zu verlieren. Ein kleiner Snack für den Nachmittag sind SIBIIR nicht, aber wer sich die Zeit nehmen mag, sich auf sie einzulassen, wird wohl kaum enttäuscht. Es sei denn, man ist sich zu trve für die Mischung. (jazz)

 


 

Mehr Flusensieb!


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