Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört! Vol. 43

Veröffentlicht am 13.01.2020


GODDESS LIMAX BLACK (Doom/Experimental, Oberösterreich)
 

BOA (Album, 12.12.2019)

  • 1. Oh Haupt Voll Blut Und Wunden - pp
  • 2. vlk
  • 3. Abgott – Abglanz
  • 4. My Name
     

„Stilistisch handelt es sich (wahrscheinlich) um eine Mixtur aus Doom, Drone und Jazz“, schrieben uns GODDESS LIMAX BLACK, als sie uns ihr Album „BOA“ anpriesen. Ganz verkehrt ist das nicht, jedoch schlug es die Freunde leichterer Kost und zuckriger Melodien in der Redaktion gleich einmal in die Flucht. Und das ist auch gut so, denn GODDESS LIMAX BLACK, dieser Ton gewordene Monolith tief und düster dröhnender Klänge, ist wahrlich nichts für die schöngeistigen Seelen, deren Tage vom warmen Sommerregen fluffiger, leicht verdaulicher Radiosongs geprägt sind. „BOA“ ist roh und dreckig, und voll von erhabener, finsterer Schönheit zugleich.

Gleich der eröffnende Brocken „Oh Haupt Voll Blut Und Wunden“ (Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion entlehnt) entführt den Hörer mit zermalmend langsamen Klängen aus dem tiefsten Tonkeller der Saiteninstrumente in gar beklemmende Welten. Die Dichtheit der so nahe über dem Abgrund schwebenden Klänge hat man kaum mental verarbeitet, da manifestiert sich schon das Ton gewordene Leid durch die gequälten, gar grotesk keuchenden Klänge eines Saxofons, die einem einen eisigen Schauer über den Rücken jagen. Auch „vlk“ ist ein finster dröhnender Titel, der dir in Zeitlupe schier das Fleisch von den Knochen schält und dann mit gar leichtfüßigen post-metallischen Elementen um die Ecke kommt, ehe sich das Soundgewand wieder in düstere, fast schwarzmetallisch anmutende Gefilde fallen lässt. Leise, sanft und sachte kratzt „Abgott – Abglanz“ am Trommelfell und entwickelt gerade dadurch eine unheimliche Spannung, ehe der Titel jäh eruptiert und pumpenden Paukenschlägen gleich den Vorhang der Stille zerfetzt, knarrend, sperrig und unbequem zwischen Hammer und Amboss vibriert und sich dann lastend und unbequem leise aus dem Sichtfeld stiehlt und in „My Name“ übergleitet, das sich langsam und zähflüssig aufbaut. Knarrend-quiekendes Saxofon zerfetzt die düstere, doch harmonische Atmosphäre des Songs, legt sich quer, sperrt sich und lehnt sich jaulend gegen die einengenden Strukturen auf, ehe die Wut sich erschöpft hat und der Titel in beklemmend wirkender, lähmender Resignation das Album beendet.

GODDES LIMAX BLACK sind Musik, die schwächere Geister wohl zur Defenstration verleiten könnte. Spannende experimentielle Arrangements auf einem tiefdüsteren Drone/Doom-Bett, das sowohl mit jazzigen Elementen als auch den extremeren Metal-Strömungen entlehnten Anlehnungen spielt. „BOA“ fordert Aufmerksamkeit, aber kann den Hörer auch sehr leicht überfordern und sich tief in den zerrütteten Geist bohren. Wer nicht ausdrücklich den genannten Spielarten zugeneigt ist und Musik auch mit einem gewissen künstlerischen Zugang genießen kann, sollte hier Vorsicht walten lassen. Man bringe die Psychopharmaka!
3,5 / 5 – (Anthalerero)
 

Interessierte können sich bei Facebook und Bandcamp weiterbilden, als Hörbeispiel können wir hier nur einen älteren, nicht auf dem genannten Album enthaltenen Titel anbieten:

 

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: DOOMED TO FAIL (Melodic Death Metal, Steiermark
Seite 3: RAZE YOUR GODS (Groove Metal/Metalcore, Oberösterreich)
Seite 4: JOURNEY TO IO (Hard Rock, Tirol)
Seite 5: GODDESS LIMAX BLACK (Doom/Experimental, Oberösterreich)
Seite 6: RYTE (Heavy/Psychedelic Rock, Wien)


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