Flusensieb Mini #75 – 3 übersehene US-Metal-Platten

Veröffentlicht am 27.11.2019

Howdy, Cowboys and -girls! Diese Woche wird es amerikanisch im Flusensieb Mini. Die übersehenen, aufgefangenen und nun kurz vorgestellten Platten stammen aus den US of f*cking A. Erst einmal wird es extrem: erstaunlich runde Lieblichkeit, Epik, Härte, Keifen und Gebrüll. Nicht ganz so erfüllend geht es im zweiten Akt weiter, in dem sich ein Solist am Melodiekomplexitätslevel Weihnachtslied versucht. Abschließend gibt es schwanengleich federleichten Rock – ein Debüt und trotzdem schon mit dem Prädikat „Extraklasse“ versehen. Viel Spaß!

 


 

SERAPH IN TRAVAIL – Lest They Feast Upon Your Soul

Zur Verhinderung eines Seelendinners schicken die bemühten Engel von SERAPH IN TRAVAIL ihre zweite LP „Lest They Feast Upon Your Soul“ auf die Erde nieder. Nicht frei von himmlischen Klängen, die ihnen symphonische Anleihen schenken, konzentriert sich ihre Musik jedoch primär auf Extreme Metal – im Detail Melodic Death und Black Metal. Erstaunlich rund fügen sich hier melodische Lieblichkeit, symphonische, fast neoklassische Epik, brutale Härte, bitterböses Keifen, mächtiges Gebrüll und zahlreiche Einstreuungen ideenreicher Vielseitigkeit zu einem stabilen, niemals zerfasert wirkenden Ganzen, das zu Recht von der Presse gefeiert wird. Ein SEHR respektvolles, grimmiges Nicken gen Staaten! (jazz)

 


 

CHRISTOPHER VIZCARRA – Reins of Victory

CHRISTOPHER VIZCARRA ist mit Sicherheit ein fähiger Musiker, aber was er jüngst auf „Reins of Victory“ eingespielt hat und wohl unter Power Metal trifft Neoclassical Metal laufen soll, klingt mal nach Rockballade, mal nach Melodien für die metallische Früherziehung und mal nach einem Bewerbungsdemo an eine Band, bei der er gern mitspielen würde. Für eine reine Instrumentalplatte scheinen mir die Kompositionen nicht interessant genug, die ganze Musik einfach zu banal – manchmal sogar schlimmer: Melodiekomplexitätslevel Weihnachtslied. Das klingt hart, denn Vizcarras Gitarrenspiel ist nicht schlecht, aber diese Platte funktioniert meines Erachtens so einfach nicht. Schade! (jazz)

 


 

RISE TWAIN – Rise Twain

Also jetzt bin ich leicht platt – da erwartet man beinharten Rock und wird von schwanengleich federleichtem Rock überrascht. RISE TWAIN sind Fans der ruhigen Töne? Mitnichten, Musik auf das Wesentliche reduziert: klare wundervolle Gesangsstimme, die einen mitnimmt auf eine Reise, unterlegt von energetischer Gitarrenflut und einem Drumset, das begleitet und nicht überwuchtet ist. „Rise Twain“ ist ein gelungenes Debüt, was kein Debüt ist. Brett Kull und J.D. Beck haben schon einiges auf die Beine gestellt und landen mit RISE TWAIN etwas sehr Seltenes – ein emotionales Rockalbum der Extraklasse. Vor allem „Golden“ und „Death of Summer“ lassen Leichtigkeit mit tiefsinnigen Texten verschmelzen. (SV)

 


 

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