SABATON - Das 'The Great War' Gangbang-Review

Der gemeine Metalhead mag Veränderung gar nicht gern. Das sieht man schon, wenn man die diversen Oldschool-orientierten Festivals ansieht, wo sich Jahr für Jahr die Elite des einzig wahren Metals gegenseitig hofiert. Denn wo kommen wir denn da hin, wenn die großen Vorbilder der Jugend auf einmal anders klingen würden, als sie das schon seit Dekaden tun? SABATON machen sich genau das zunutze (wenn auch in modernerem musikalischem Gewand) und veröffentlichen Album um Album mit exakt gleichem Schema, gleicher Thematik und ähnlichem Klang. Und funktionieren dabei so gut, dass es sie längst in die Headliner-Position gehievt hat.

Warum also den Status riskieren, wenn man sich gemütlich zurücklehnen kann, das einmal zur Marke erhobene Image pflegen kann und dabei ordentlich abzuräumen. So stehen wir jetzt also vor dem neunten oder schon zehnten Album „The Great War“. Songs wie der Opener „The Future Of Warfare“, „Fields Of Verdun“ oder „The Red Baron“ stehen exemplarisch für die Stagnation auf zugegebenermaßen hohem Level. Die Songs gehen ohne Umschweife ins Ohr, vor allem da sie häufig an bereits einmal Gehörtes erinnern, selbst wenn sie mit (für SABATON) „neuen“ Elementen spielen, wie der Einbindung von klassischen Hammond-Sounds. Sogar einen leichten Industrial-Einschlag kann man in „The Attack Of The Dead Men“ finden, dafür gleitet das glatte „82nd All The Way“ widerstandslos an den Gehörgängen vorbei. Starke und dabei ungewöhnlich präsente Gitarrenarbeit trägt „Seven Pillars Of Wisdom“, dem gegenüber steht aber ein selbst für SABATON-Verhältnisse platter Song wie „Devil Dogs“, der einzig dank seinem Ohrwurmcharakter funktioniert.

Am wenigsten kann man an der Produktion aussetzen, denn diese ist wahrlich opulent. Für die simplen Songs der Schweden ist sie aber größtenteils verschwendet, sieht man einmal von „The End Of The War To End All Wars“ ab, das auf cineastischer Weise dem Bombast frönt, aber dabei letztendlich mit nur wenig Struktur glänzen kann. Interessant ist dann allerdings der letzte Song des Albums, bei dem es sich um ein vertontes Gedicht handelt, das A Capella von einem Chor vorgetragen wird. Ein Gänsehautmoment unter einem über weite Strecken profillosen Album, das bis auf Imagepflege und die üblichen, wie immer akribisch recherchierten geschichtlichen Details nur wenig Inhalt bietet.

Den Fans wird es wie immer gefallen, das steht außer Zweifel. Mehr als ein durchschnittliches Album ist „The Great War“ allerdings nicht geworden. Für das wofür SABATON stehen, was sie erreichen wollen, wird es aber (wie immer) reichen.

3 / 5 – Marc Folivora

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: ADL
Seite 3: Lord Seriousface
Seite 4: Christian Wilsberg
Seite 5: Sonata
Seite 6: Pascal Staub
Seite 7: Marc Folivora
Seite 8: Anthalerero
Seite 9: Fazit


WERBUNG: Uzziel
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE