SABATON - Das 'The Great War' Gangbang-Review

Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert. SABATON haben mich bis jetzt so kalt gelassen wie ein vergessenes Fischstäbchen im Tiefkühlfach. Hymnischer Power Metal hin, ausverkaufteste Hallen her - bei mir konnte die schwedische Panzerdivision nie einmarschieren. Vielleicht gerade deswegen. Die vorherrschende Kriegsthematik und der dezent übertriebene Panzerfetischismus vermiesten mir schon abseits der (durchaus gefälligen - ich gebs ja zu!) Songs die Laune, mich näher mit der Materie zu beschäftigen. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass mir die prollige "Noch ein Bier!"-Attitüde in Kombination mit ausufernden Geschichtsvorträgen sowieso höchst suspekt ist. Was kann da schon großartig heraus kommen?

Wie unschwer zu erkennen ist, nähere ich mich also dem aktuellen Output "The Great War" (schon alleine dieser Titel!) nicht gänzlich vorurteilsfrei. Warum ich mir das antue? Irgendwie macht es mir mehr Spaß mit Menschen zu diskutieren, die nicht meiner Meinung sind, als innerhalb der eigenen Komfort-Gruppen, in denen man sich angesichts der eigenen - subjektiv völlig richtigen, eh klar! - Meinung gegenseitig beklatscht. So ähnlich halte ich es auch mit Musik. Also begebe ich mich auf das unwirtliche Schlachtfeld, auf dem Tod und Ehre so eng beieinander liegen, und versuche herauszufinden: Was ist so großartig an Krieg? Was ist so großartig an SABATON?

Thematisch beschäftigen sich die Schweden diesmal also auf kompletter Albumdistanz mit dem ersten Weltkrieg. Mit welcher Akribie sie sich dieser Thematik näherten, zeigt schon der Funfact, dass die Studioaufnahmen exakt 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs, nämlich am 11.11.2018) begannen. Bei der Umsetzung von "The Great War" bleiben SABATON ihren Trademarks treu und setzen den vor 20 Jahren eingeschlagenen Weg mit beeindruckender Konsequenz fort. Den Hörer erwarten elf Songs, welche sich trotz des strikt vorgegebenen Bandkonzept-Korsetts höchst abwechslungsreich gestalten. Die bewusst einfach gehaltenen Melodien sind in höchstem Maße mitsingkompatibel und dürften demnächst live entsprechend mitgegröhlt werden. Wie gewohnt hält man sich nicht großartig mit einleitendem Gedöns oder langwierigen Intros auf - SABATON kommen schnell und direkt zum Punkt. Das ist zugleich wohl einer der obersten Punkte des bandeigenen Erfolgsrezepts. Während andere noch am perfekten Songeinstieg feilen, haben Pär Sundström, Joakim Brodén, Chris Rörland, Tommy Johansson und Hannes Van Dahl schon alle Geschütze in Stellung gebracht, abgefeuert und trinken bereits ihr Feierabendbier.

Einzelne Songs hervorzuheben macht dementsprechend wenig Sinn, das Niveau ist durchgehend hoch. Lediglich "Fields Of Verdun" hebt sich ein wenig vom restlichen Material ab, da stimmt einfach alles. Der Refrain fräst sich ins Hirn, die Gitarre zitiert Beethoven - damit kann man sogar bei mir punkten. Damit hat es doch tatsächlich ein Song auf meine persönliche Jahresplaylist geschafft. Chapeau!

Als nachdenkliche Schlußpointe endet "The Great War" mit dem vermutlich ungewöhnlichsten aller Songs, der es je auf ein SABATON Album schaffte: Bei "In Flanders Fields" handelt es sich um das vertonte Gedicht von John Alexander McCrae, welcher bei der zweiten Flanderschlacht einen Freund verlor.

Wer übrigens noch mehr zu den Hintergründen der Songs erfahren möchte greift zur History-Edition, wo ähnlich wie bei "The Art Of War" (2008) eine Erzählerin einleitende Worte zu jedem Titel findet. Und wer damit noch nicht genug hat, abonniert den eigens ins Leben gerufenen SABATON History-Channel auf Youtube, wo die Band in Zusammenarbeit mit den Multimedia-Historikern Indy Neidell und Timeghost weitere Geschichte über die Kriege, Schlachten und Helden hinter SABATONS Songs erzählt.

3,5 / 5 - ADL

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: ADL
Seite 3: Lord Seriousface
Seite 4: Christian Wilsberg
Seite 5: Sonata
Seite 6: Pascal Staub
Seite 7: Marc Folivora
Seite 8: Anthalerero
Seite 9: Fazit


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