MAJESTICA - Above The Sky (Track by Track)

Text: Sonata
Veröffentlicht am 09.05.2019

REINXEED, MAJESTICA? Ja was denn nun! Als die Mannen um SABATON Gitarrist Tommy Johansson plötzlich mit neuem Namen und neuem Album im Gepäck ihr "Comeback" feierten, war ich durchaus verwundert! Sechs Jahre liegt der letzte Longplayer "New World" zurück, der gelinde gesagt auch das schwächste Album der Kombo verkörperte. Zwischenzeitlich wurde Frontmann Tommy Johansson als Gitarrist für SABATON verpflichtet und so blieb natürlich noch weniger Zeit, der eigenen Band Aufmerksamkeit zu schenken. 2019 sollte sich das ändern, denn Nuclear Blast klopften an und so bekommen wir nach einer knackigen Wartezeit tatsächlich neues Material auf die Ohren! Der Name MAJESTICA soll den Neustart einleiten und gleichzeitig an das Album "Majestic" erinnern. Bevor meine geschätzte Kollegin Lady Cat ein klassisches Review zur neuen Scheibe "Above The Sky" liefert, serviere ich euch vorab ein kurzes Track by Track zum ersten REINXEED/MAJESTICA Werk seit sechs Jahren!
 

01. Above The Sky: Ein interessanter schneller Basslauf leitet die Nummer ein und ehe wir uns versehen, befinden wir uns in melodischen Uptempogefilden, die Tommy mit seinem höchsteigenen "Urschrei" einleitet. Gesanglich hat sich der Kerl wirklich gemacht muss man sagen. Seine Qualitäten zu Beginn der Karriere reichten lange nicht an das ran, was er hier abzurufen vermag! Auch die Produktion ist eine andere Kragenweite als der Großteil der Diskografie. Druckvoll und majestätisch trifft es wohl am ehesten. Stilistisch bleiben sich die Jungs treu. Hymnischer Power Metal mit seichten Keyboardeinlagen, der hier durch einen sehr ohrwurmlastigen Refrain repräsentiert wird. Allein der Track ist aussagekräftiger als das gesamte letzte Album. Ein fetziges Basssolo findet seinen Platz im Mittelpart nebst der grandios umgesetzten Orchestration, die den Sound sogar ein stückweit sehr groß klingen lässt. Ein Start nach Maß!

02. Rising Tide: Die erste Single "Rising Tide" ist mein persönliches Highlight auf der Platte, denn sie schreibt sich Oldschool Power Metal auf die Fahne und klingt trotzdem nicht altbacken. Das Tempo wurde zwar etwas gedrosselt, aber als Gesamtpaket überzeugt mich der Track sogar noch mehr als der Opener. Der Chorus reduziert den Gesang fast auf Tommy allein neben ein paar knackigen Gangshouts. Eigentliches Highlight des Tracks ist aber der grandios umgesetzte Mittelteil! Fette Soli, atmosphärische Orchestrationen und Melodien, die sich für die nächsten Wochen in den Gehörgängen einnisten werden. Keine Sekunde an irgendwelche belanglosen Parts verschwendet, sondern alles durchdacht und perfektioniert.

03. The Rat Pack: Ein etwas moderner angehauchter Track, der ein bisschen an die "Higher" Phase der Band erinnert. Das Tempo bewegt sich irgendwo zwischen "Rising Tide" und dem Opener, was sich auch auf den Refrain übertragen lässt. Man schafft es spielend leicht, den Ohrwurmfaktor über die ersten drei Songs hinweg zu tragen und gleichzeitig wirkt es nicht wie Einheitsbrei. Von der Kragenweite ist "The Rat Pack" sicherlich bisher der Song, der am einfachsten gestrickt ist, aber das erspart dem Album unnötige Längen!

04. Mötley True: Hier servieren uns MAJESTICA einen der wenigen Longtracks ihrer Diskografie und der Titel wollte mir auf Anhieb erstmal nicht so gefallen. Ganz vielleicht eine Anspielung an MÖTLEY CRÜE? ;) Das Intro bewegt sich im Midtempo, was sich auf den Großteil des Songs übertragen lässt. Das Keyboard dominiert, während es in den Strophen allgemein etwas ruhiger zugeht und die prägnanten Pianoparts die Bridge bzw. den Chorus einleiten. Dieser stellt sich simplifiziert dar mit atmosphärischen Shouts, die von Tommys Gesang umrandet werden. Nach dem Ohrwurmfestival der ersten drei Songs fast ein bisschen ernüchternd! Der Mittelteil schafft es trotz der langen Spielzeit leider nicht, prägnante Momente an den Hörer zu bringen und auch das Ende des Songs marschiert eher in Richtung Nirgendwo. Auch wenn das Tempo hier nochmal angezogen wird, so bleibt von diesem Song nicht wirklich viel hängen.

05. The Way To Redemption: Ohja! Dominantes Keyboard meets Orchestrationen meets Uptempo? Schon der Beginn verzückt durch diese Faktoren und die von Double Bass getragenen Strophen lassen jedes Power Metal Herz höher schlagen! In diesem Song vertraut Tommy größtenteils nur auf seine Stimme, bis auf die wenigen Background Vocals am Ende der Hook, die im Übrigen nicht spektakulär ausfällt, aber gleichzeitig charakteristisch für den alten Sound der Band ist. Das Zusammenspiel aus Gitarre und Keyboard funktioniert im Mittelteil perfekt und weiß zu verzücken! Der doch eher mau gestaltete Longtrack wird hier vergessen gemacht.

06. Night Call Girl: Nicht nur der Titel ist murks, nein... Ich nehme vorweg, dass "Night Call Girl" das absolute Lowlight der Platte ist. Eine Fusion aus kitschigem AOR und Power Metal soll es wohl sein, aber funktioniert das Ganze auch? Nope. Die eher nervigen Synthie Einlagen sollen der prägende Part sein, doch das Gegenteil ist der Fall. Es wirkt uninspiriert, was auch auf den Refrain zutrifft, der eher so beiläufig wahrgenommen wird. Ein simpler Song, der in sich geschlossen keinen einzigen Pluspunkt zu sammeln weiß... Zum Text sage ich mal besser gar nichts. 

07. Future Land: Hier wird die Kitschkeule zwar auch geschwungen, aber dabei handelt es sich um die volle Breitseite der Power Metal Kitschkeule! Allein der humorvoll inszenierte Beginn, der wie eine Marschkapelle wirkt, lässt mich grinsen. Und dass hier ein stückweit Humor im Spiel war, merkt man daran, dass der Track plötzlich andere Züge annimmt und ordentlich an Fahrt gewinnt. Die Strophen bauen sich gesanglich intensiv auf und führen in eine majestätische Bridge, die einen hymnischen Chorus regnen lässt. Mehr davon, Jungs! Eine Hook, die perfekt in zwei Parts aufgeteilt wurde und keine Wünsche übrig lässt. Während der erste Part mit Tommy samt fettem Backgroundgesang auffährt, "beschränkt" sich der zweite Part wieder nur auf Tommys Vocals, die aber wie schon eingangs erwähnt wirklich einiges auf dem Kasten haben. Der Mittelteil offenbart schwindelerregende Soli und diverse Tempowechsel, was den Song aber wirklich aufwertet! Etwas bedauernswert ist, dass uns am Ende nur eine balladesk angehauchte Light Variante des Refrains erwartet. Da war ich durchaus ernüchtert, da eben jener Chorus das absolute Herzstück des Songs ist!

08. The Legend: Ist dieser Song legendär? Legendär ist vielleicht etwas zu weit gegriffen, aber das kurze und knackige Stück gibt sich zumindest keine Blöße und bewegt sich erneut in sehr klassischen Power Metal Gefilden. Die Strophen offenbaren keine speziellen Merkmale, aber der marschierende Chorus ist so simpel wie spaßig! Einfache Mittel, großer Catchiness-Faktor! Spannend finde ich wieder den abrupten Tempowechsel im Mittelteil, der mit tollen Soli gespickt wurde. Die Symbiose aus Gitarre und Keyboard wird ein weiteres Mal perfekt zur Schau gestellt und liefert wundervolle Melodien! 

09. Father Time: Ein Song, den Fans schon lange erwartet haben auf einem Studioalbum und nun hat er endlich seinen Weg gefunden! Eine Demo des Songs kursiert seit Jahren im Internet und viele Fans wollten das Stück als vollwertige Version hören. Tja, gesagt getan! "Father Time" ist ein sehr humorvoller Song, der irgendwo zwischen einem betrunkenen "Rudolph The Red Nosed Reindeer" und QUEEN liegt. Viel Piano, viele Tempowechsel, viel Humor. Dennoch der womöglich größte Ohrwurm der Scheibe. Wer bei dem Chorus nicht die Mähne (oder gern auch Glatze) schwingen lässt, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Ein von vorn bis hinten verspieltes Stück, das sich nicht zu ernst nimmt und genau deshalb so viel Spaß macht!

10. Alliance Forever: Der zweite Fast-Longtrack sozusagen. Der midtempolastige Beginn lässt mich erstmal ernüchtert zurück, aber die sich langsam aufbauende Strophe erzeugt zumindest mit fortnehmender Dauer eine gute Energie und spätestens mit der Bridge bin ich voll da! Der himmlische Chorus ist mal wieder ein Highlight, das seinen Platz auf der Platte findet und hier erhält auch wieder das schnelle Tempo Einzug. Eine Mischung aus STRATOVARIUS und alten SONATA ARCTICA trifft es hier wohl am besten. Der Refrain wird auch gegen Ende hinlänglich zelebriert und bekommt einen sanften Abgang spendiert. Ein gelungenes Ende!

"Above The Sky" lässt also nebst weniger Kritikpunkte auf ein majestätisches Werk hoffen, das Fans der ersten Stunde genauso begeistern wird wie all die Power Metal Liebhaber, die es da draußen noch gibt. Der Name der Truppe mag neu sein, aber stilistisch bleibt man sich treu und streut ein paar nette Überraschungen ein, um sich nicht zu wiederholen. Der Neustart ist hiermit gelungen und ich hoffe, dass wir keine weiteren sechs Jahre auf neues Material warten müssen!


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