Flusensieb Mini #31 – 3 übersehene Platten aus der ganzen Welt

Veröffentlicht am 03.01.2019

Das Flusensieb, jener Ort, aus dem man hervorkramt, was man einst in einer Hosentasche vergessen hatte, dient auch im musikalischen Sinne dem Auffangen von Übersehenem. Drei Platten verfangen sich darin und diesmal sind es welche aus aller Welt. Auf dieser Weltreise nehmen wir uns drei Ziele vor. Zuerst geht es nach Norwegen, wo es extrem bis post-extrem wird. Dann besuchen wir Japan, wo es – natürlich – um anarchistische Roboter geht. Zuletzt machen wir in den USA halt, die uns ohne einschlagende Hymnen Pop-Punk verkaufen möchten. Viel Spaß!

 


 

AVAST – Mother Culture

Der reine Klang Norwegens. Ein Bach plätschert kühl die Berge hinab. Der Wald riecht nach Winter. Nirgends eine Menschenseele. Auch wenn AVAST behaupten, sie würden Blackgaze machen und ihnen durchaus eine gute Portion Post-Black-Metal anhaftet, sind sie durchdrungen von ihren tiefschwarzen Wurzeln. Ihre erste Platte in voller Länge heißt „Mother Culture“ und ist weder aufregend noch neuartig, wohl aber präzise und überzeugend. Der Nihilismus der bewusstlosen Natur trifft auf den Schwermut der unbedeutenden menschlichen Existenz und entwickelt eine gewaltige Schönheit. Wirklich keine leichte Kost und eher ungeeignet für die Humpenschwinger unter den Corpsepaintern. In Auge und Ohr behalten! (jazz)

 


 

CROSSFAITH – Ex_Machina

Der fünfte Longplayer „Ex_Machina“ der Japaner CROSSFAITH ist als Konzeptalbum aufgebaut, spielt in der nahen Zukunft und beschäftigt sich hauptsächlich mit einer Klassengesellschaft und anarchistischen Robotern. Hier lassen sich verschiedenste musikalische Elemente vorfinden, jedoch nicht ohne den Versuch, die Genre-Grenzen weiter aufzubrechen. Mit Growls, Breakdowns und flotten Riffs hauen CROSSFAITH in die Metalcore-Kerbe, sorgen aber auch für reichlich Synthesizer. Midtempo-Töne und zurückgefahrene Brachialität à la „Milestone“ finden genauso Platz wie die Quoten-Powerballade „Lost In You“ und ein Cover von LINKIN PARKs „Faint“. Electrocore-Freunde können ein Ohr riskieren. (AO)

 


 

GOOD CHARLOTTE – Generation Rx

GOOD CHARLOTTE haben so einige Teenager mit „I just wanna live“ geprägt. Auf ihrem siebten Album „Generation Rx“ spielen sie nun Punk-Pop mit Rockansätzen. Der Titeltrack ist als Opener nicht wirklich passend. „Self Help“ reißt eindeutig mehr mit. Die beiden Alben „Cardiology“ und „Youth Authority“ waren ruhiger als die Songs, mit denen die Band berühmt geworden ist. Jetzt zeigen die Twins, dass sie das Gaspedal wiedergefunden haben. Der authentischste Song der ganzen Scheibe ist „Cold Song“; „Better Demons“ thematisiert sogar Kindesmissbrauch. Auch deswegen sucht man einschlagende Hymnen vergebens. Trotzdem liefern GOOD CHARLOTTE wieder ihren altbewährten und bekannten Sound ab. (CAH)

 


 

Mehr Flusensieb!


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