Flusensieb Mini #10 – 3 übersehene Debüt-Platten

Text: Jazz
Veröffentlicht am 12.09.2018

Das Flusensieb Mini ist der Ort, an dem hängen bleibt, was übersehen wurde: musikalische Höhepunkte, metallischer Durchschnitt und katastrophaler Krach. In diesem Fall sind es drei Debüt-Platten. Erstling Nummer eins ist dabei anstrengendes, böses, langsames, nordisches Knurren. Erstling Nummer zwei übertrumpft die Konkurrenz mit heiserem Unverständnis und flehender Leere. Erstling Nummer drei macht binnen Minuten verbrannte Erde aus deiner Zahnleiste. Viel Spaß!

 


 

ACÂRASH – In Chaos Becrowned

In norwegischen Wäldern kann es schon mal sein, dass man einem finster dreinblickenden Mann begegnet, der wenig Sinn für das hektische Treiben der Welt hat. Der knurrt dann böse, langsam, mühsam, desinteressiert und ermüdet vor sich hin. Das Produkt ist die Debüt-Platte „In Chaos Becrowned“. Irgendwo zwischen Doom und Black Metal lassen sich ACÂRASH einsortieren – sowohl im Tempo als auch in der Boshaftigkeit. Ausschlaggebend dafür, dass man sie nicht sofort links liegenlässt, ist die musikalisch anstrengende, aber interessant gestaltete Kulisse. Insgesamt ist das Machwerk der Nordmänner aber ziemlich trocken und schwer verdaulich, ohne das Durchhalten des Hörers wirklich zu belohnen. (jazz)

 


 

SHIELDS – Life In Exile

Wer von der ganzen Metalcore-Schiene bereits genug hat, den Wechsel aus Cleans, Shouts und Growling nicht mehr erträgt, keinen einzigen Breakdown mehr erleben mag, der ist selbst Schuld, wenn er SHIELDS verpasst. Leider hat sich Gitarrist George Anfang des Jahres nicht mehr fürs Leben entscheiden können, sodass er die Debüt-Platte seiner Band nicht mehr hören konnte. „Life In Exile“ bedient viele Klischees des Metalcore, aber weiß den Großteil der Kollegen schwungvoll zu übertrumpfen – insbesondere im wahnsinnig-dämonischen Growling, der elektronischen Untermalung und dem sphärischen Gitarrenspiel. Radikale Verzweiflung, lähmende Trauer, heiseres Unverständnis, flehende Leere, starke Band! (jazz)

 


 

HATRED REIGNS – Realm: I – Affliction

Die dritte Debüt-Nummer dieses Erstlings-Specials kommt aus Kanada. Von dort aus walzt sie überwältigend, unbarmherzig und vernichtend über die Welt. „Realm: I – Affliction“ ist nur eine EP von weniger als 13 Minuten Länge, aber die geballte Zornigkeit von HATRED REIGNS ist auch kaum länger zu ertragen, zumal sich die fünf Musiker dafür entscheiden haben, nicht nur Brutal Death Metal, sondern zugleich Technical Death Metal zu spielen. Sie prügeln dir also nicht nur die Zahnleiste leer, sondern tun das auch noch mit chirurgischer Präzision. Aber nicht etwa, um möglichst keine Wunden zu hinterlassen, sondern um sicherzugehen, dass deine Kiefergegend bis in alle Ewigkeit verbrannte Erde bleibt. (jazz)

 


 

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