BULLET FOR MY VALENTINE - Das 'Gravity' Gangbang-Review

Veröffentlicht am 27.06.2018

Warum ausgerechnet du immer Pech in der Liebe hast

Tun wir doch mal so, als würden wir BULLET FOR MY VALENTINE nicht kennen. Was lässt der Bandname dann erwarten? Eine „Kugel für meinen Schatz“. Wer dabei nicht an Herzschmerzmusik für traurige Teenager am Ende ihrer nächsten Viereinhalb-Wochen-Beziehungen denkt, hat sich wahrscheinlich noch nicht aus der halbstarken Romeo-und-Julia-Disney-Romcom-Romantik-Religiösität lösen können. Verstehst du nicht? Dann verstehst du eventuell auch nicht, warum ausgerechnet du immer Pech in der Liebe hast. Herzlichen Glückwunsch! BULLET FOR MY VALENTINE ist genau die richtige Band für dich – zumindest ihrem Namen nach.

Keine Teenager mehr

Nun machen Matthew Tuck und seine Kumpels ja nicht erst seit gestern Musik. Im Laufe der letzten 20 Jahre haben sich BULLET FOR MY VALENTINE einen durchaus bekannten Namen gemacht. 20 Jahre? Ja, die Menschen auf der Bühne sind gar keine Teenager mehr, obwohl nicht wenige ihrer Texte das vermuten lassen. Denn von einem gesunden, rationalen, erwachsenen Umgang mit Zwischenmenschlichkeit erzählen Titel wie „Over It“, „Letting You Go“, „The Very Last Time“ und „Don't Need You“ eher nicht. Vielmehr klingen rund die Hälfte aller Nummern auf „Gravity“ danach, als hätte ihr Texter sein Taschentuch-Abonnement verlängert, um die Schuld am Scheitern seiner hundertsten empathiebefreiten Beziehung trotzig doch wieder nicht bei sich zu suchen – oder wenn doch, dann in theatralischer Übersteigerung, die sicher wieder keine Weiterentwicklung zulässt.

Die Liebe ist tot in dir, alter Jazz!

Jazz ist aber ein ganz schöner Zyniker. Der hat wohl den Glauben an die Liebe verloren. Was für traurige Worte. Wenn dir „Gravity“ nicht gefällt, dann hör doch was anderes! Klingen deine Gedanken in etwa so? Weit gefehlt! Ein Hineinsteigern in Emotionen kann durchaus heilsam sein und in diesem Sinne erteile ich der sechsten Platte von BULLET FOR MY VALENTINE das Prädikat „therapeutisch wertvoll“. Dafür ist das Ding bestens geeignet und in diesem Rahmen habe ich selbst viel Spaß mit der Platte.

Metalcore of tragic death by too much love

Mittelmäßig ist sie trotzdem! Das liegt aber nicht daran, dass BULLET FOR MY VALENTINE ihrer Zielgruppe treu bleiben und ihre Schiene des emotionalen Metalcore of tragic death by too much love weiterfahren. Sondern daran, dass sie relativ langweilig ist. Im direkten Vergleich mit dem Vorgängeralbum „Venom“ (2015) klingt „Gravity“ nicht nach einer Weiterentwicklung, sondern nach einer Reduktion. Das muss nicht per se schlecht sein, schläfert mit seiner geringeren Vielseitigkeit aber genau einen jener Parts ein, die BULLET FOR MY VALENTINE zu den spannenderen Vertretern des Metalcore gemacht haben.

Fazit: Schokoladeneis statt Verständnis

Nein, das Album ist nicht schlecht. Es ist nur nicht so gut wie das letzte. BULLET FOR MY VALENTINE haben keine Scheiße abgeliefert, nur eben kein Meisterwerk. Nichtsdestoweniger ist „Gravity“ hörenswert, wenn man die Band vorher schon mochte. War das nicht der Fall, wird sich das nun wohl auch nicht ändern. Und falls du deine Beziehungsprobleme sowieso lieber mit wüsten Beschimpfungen, Schokoladeneis und einem „Auf nimmer Wiedersehen!“ löst, als mit Empathie, Verständnis und guter Kommunikation, dann sind BULLET FOR MY VALENTINE nach wie vor genau richtig für dich. Der irrationale Emo in mir geht jedenfalls bei aller Hass-verzweifelten Wut-Trauer auf „Gravity“ total mit. Plus: Die Musik ist halt immer noch besser als mindestens 75% allen anderen Metalcores.

3,5 / 5 - Jazz

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Anna Buchbauer
Seite 3: Jazz
Seite 4: Lucas Prieske
Seite 5: Anthalerero
Seite 6: Pascal Staub
Seite 7: Fazit


WERBUNG: Hard
ANZEIGE