Exklusive "Fuck U All" Leseprobe

Text: inhonorus
Veröffentlicht am 08.11.2017

inhonorus

Extrem-Literatur

Extreme Bücher Für Extreme Leser!

 

Der Debütroman des Autors der, mit den Vincent-Preis ausgezeichneten, Storysammlung „Morbid-Krankhaft“.

Top-Ten Amazon-Bestseller (Horror/Kurzgeschichten) – Stand: Oktober 2017

 

Lang genug habt ihr euch über sie lustig gemacht, sie in Formen gepresst, sie gequält und gepeinigt. Das Fass ist übergelaufen und nun bekommt ihr Drecksschweine gnadenlos genau das, was ihr verdient… Brutaler, Kompromissloser, Aggressiver, Menschen- und Gesellschaftsverachtender als zuvor… FUCK U ALL… Extrem-Literatur mit psychologischer Schlagseite.

Irrwitzige Achterbahnfahrt! Verwahrlosung, häusliche Gewalt, Mobbing und Vergewaltigung sowie vieles mehr, all das thematisiert der Roman und spart dabei nicht mit teils ekligen Szenen, die zuweilen Grenzen übertreten“. datore auf Amazon.de (4/5).

Einen ersten Vorgeschmack auf "Fuck U All" erhaltet ihr mit folgender exklusiven Leseprobe:

 

Prolog: Blut Ist Dicker Als Wasser

„Boar, Mother-Fucker lässt sich ja so dreckig bumsen wie n räudiger Köter!“.Sick griff nach seinem Bier, prostete, um noch einen draufzusetzen, in Richtung Schlafzimmer, schüttete sich den letzten schaumigen Schluck die Kehle hinunter und knallte die leere Flasche aufn Tisch.
Die animalischen Geräusche, ähnlich dem hirnlosen gequicke einer wilden Wildschweinpaarung, drangen immer kräftiger aus dem Schlafzimmer. Legten sich dominant über die Wohnung. Das stakkato artige Unterleibklatschen, das von Geilheit angetriebene Jauchzen und Stöhnen wurde zunehmend lauter und dreckiger. Forderten nach mehr.
„Deine Mother-Fucker lässt sich ja gerade so richtig nen wegstecken“.
Er grinste schelmisch.
„Ach, halt dein blödes Maul, du Wichser“, schrie Candy aufgebracht.
Sie konnte es nicht ertragen, dass es sich ihre Mutter jeden gefühlten zweiten Tag von dem fetten Froschaugen-Spasti besorgen ließ. Sie sprang aggressiv von der Couch auf und schüttete den letzten Schluck ihrer Bier-Rose-Mischung kurzerhand in sein Gesicht.
„Du blöder Hurensohn!“.
Mit seinen abgekauten Fingernägeln fuhr sich Sick gemächlich über seinen rotgefärbten Undercut, sah sich für einen kurzen Moment seine feuchte Hand an, leckte grinsend etwas der Bier-Rose-Mischung von seiner Handfläche, dann sprang das grinsende Gesicht in eine fiese Grimasse um und er trat wutentbrannt mit seinen Springerstiefeln vor den mit leeren Bierflaschen und vollen Aschenbechern überfüllten, abgemackten Tisch. Einige Flaschen fielen zu Boden. Blieben aufm schmutzigen, mit Haarfetzen und Brandlöchern übersäten, Stofffetzen liegen. 
„Du dämliche Fotze!“.
Little Nicky kauerte in der Ecke, betrachtete das schräge Schauspiel ohne das Gesicht zu verziehen und zog genüsslich n weiteres Mal an seiner Kippe.
„Weißt du was du mich mal kannst?“, entgegnete Candy, dabei warf sie sich in einer anmutenden Pose, fuhr sich mit ihrer Hand über das hautenge pinke Top, kreiste über ihren strammen Bauch, glitt über ihre, für ihre erst fünfzehn Jahre, recht üppigen Brüste, und streckte ihm den Mittelfinger entgegen. „Willst du noch n Bier?“.
„Na, klar doch!“, antwortete Sick kurzerhand.
„Und du, Sweety?“, doch Little Nicky zeigte nur nickend auf seine halbvolle Flasche. „Bis gleich, ihr Schwuchteln!“, sagte sie grinsend und gab beiden einen imaginären Kuss.
„Koji ste vi ništaci!“ (Serbisch: „Was seid ihr für Bekloppte!“), raunte Little Nicky hervor und grinste kopfschüttelnd.
Sick verstand zwar kein Wort von dem Kauderwelsch, welches der Halbserbe vor sich hin brummelte, doch er wusste, dass es nichts Nettes war. Er nahm einen der abgebrannten Zigarettenstummel aus dem Aschenbecher und schnipste ihn zu Little Nicky.
„Halt dein Maul!“.
„Sag mal, kennste eigentlich Mayhem?“, fragte Little Nicky nach kurzer Stille, doch Sick schaute nur anteilslos aus dem dreckigen Zimmerfenster mit seinen perversen, von Motten angefressen, rosa Vorhängen hinweg nach draußen. Betrachtete das Blätterspiel. Das seelenruhige Tanzen der Zweige im Windhauch. Wenige Augenblicke später vertrieben die monströsen Knüppelklänge von „Freezing Moon“ aus den Laptop-Lautsprechern die jauchzenden, die klatschenden Fickgeräusche aus dem Schlafzimmer.
„Das ist mal ne Band“, gab Little Nicky ehrfurchtsvoll von sich, „Nicht so ne Standard-Schwuchtelband von verfickten Losern. Okay, der Sänger der Combo hat sich zwar auch das Hirn rausgeballert, wie es ja bei solchen Familien an der Tagesordnung steht, doch viel kultiger ist, dass der Bassist dem Gitarristen das verfluchte Hirn rausgeballert hat. Ja, und was macht man dann, wenn man einen umgebracht hat und das halbe Hirn von dem armen Bastard an der Zimmerwand klebt? Der Typ hat jedenfalls erstmal n paar Fotos gemacht und den halb weggeblasenen Schädel aufm Plattencover gepackt“.
Kommentarlos griff Sick in den überquellenden Aschenbecher, nahm sich eine halb aufgerauchte Kippe zu Hand, knibbelte die ausgetrocknete harte Spitze ab und legte so den letzten Rest frischen Tabak frei.
„Und was sagt dein Alter dazu, dass du die letzten Tage wieder blau gemacht hast?“, fragte er monoton, dabei grinste er so, als würde er die Antwort bereits kennen und zündete sich den Zigarettenstummel an.
„Ach, was soll der alte Pisser schon dazu sagen? Gut findet der Clown das jedenfalls nicht“. Little Nicky nahm hastig einen großen Schluck aus seiner Pulle. „Aber mir ist das scheißegal, was der labert. Interessiert mich einen Scheiß! Noch n paar Wochen, dann habe ich die verfickten zehn Jahre voll und dann können die mich allemal kreuzweise, die verdammten Hurensöhne! Ich werde einen Scheiß für die Schwanzlutscher machen. Ich mache das, was ich will!“.
Sick grinste und drückte seine Zigarettenstummel aus.
„Ganz mein Reden“, antwortete er trocken, „Dass ich damals von meinen Scheiß-Erzeugern abgehauen bin, war das Beste, was mir passieren konnte. Zur Schule gehen? Arbeiten gehen? Für was? Die können mich mal, die verdammten Wichser! Meine Lehrerin war damals auch so drauf. „Das machst du für dein späteres Berufsleben“. Fick dich, du blöde Fotze! Ich wurde in diesen Scheiß gesteckt, das habe ich mir nicht selbst ausgesucht. Rein gezwungen wird man in dieses Scheißsystem. Schön die Scheiße fressen und die Klappe halten. Doch nicht mit mir! Boar, wenn ich die alte Fotze heute nochmal sehen würde. Ich würde ihr mein Scheiß-Messer in die verfickte Fresse drücken. Verrecken soll die alte Hure! Mir zu sagen, was gut für mich ist. Auch die ganzen Spasties vom Jobcenter, die mir die ganze Zeit damit auf die Eier gehen, dass ich jetzt mal so langsam eine Ausbildung anfangen soll. Am liebsten würde ich die alle zum Teufel schicken. Die wissen überhaupt nicht, mit wem die reden. Denken, sie säßen am längeren Hebel, doch wenn ich zu viel kriege, glaub mir, würde ich die ganze Scheißbrigade alle machen. Was habe ich schon zu verlieren! Stell dir mal vor, was für eine Genugtuung das wäre, wenn sie dich anflehen, um ihr Scheiß trübseliges Leben winseln würden und es in ihren hohlen Scheiß-Schädeln klick machen würde und sie wüssten, dass sie gleich dran sind. In die Hose würden sich die Wichser pissen. Allesamt. Glaub mir. Diese ganzen verdammten Opfer dieses Systems, die auch noch glauben, dass sie das Richtige machen. Karriere machen. Autos und Handys horten. Fette fünfzig Zoll Flachbildfernseher. Schick fressen gehen. Nur, um ihr über die Jahre angestautes Leid zu betäuben“.
Little Nicky stimmte kopfnickend zu und goss sich den letzten Schluck hinter die Binde… 

Das Küchenlicht flackerte wie eine miserable Diskothekenbeleuchtung. Warf das Licht nur schwach auf die wild zusammengewürfelten, trostlosen Möbel, die als Küche dienten. Eine Fliege summte um die diffuse Beleuchtung herum. Zog, halb vom Wahn getrieben, ununterbrochen ihre Kreise.
Candy griff zügig zu der angebrochenen Flasche Rose, die zwischen Türmen verkrusteter Töpfe und Teller auf der verschmierten, teils aufgeplatzten Arbeitsplatte stand und anscheinend zu ihr hinüber spähte. Sie fuhr sich hastig durch ihr schulterlanges, fettiges blondes Haar, füllte das Glas großzügig und stürzte es in einem Zug hinunter.
Das schrille Jauchzen aus dem Schlafzimmer wurde lauter. Drückte erstickend schwer von der Küchendecke auf sie hinab. Schnitt sich schmerzhaft durch Candys Gehör. Umgarnte sie. Brannte sich in ihre Haut und schnürte ihr die Kehle zu. Zwang ihr Bilder auf, die so schmerzhaft und ekelig wie unschön waren. Der kleine, behaarte, von Lusttropfen überzogene erigierte Schwanz von Froschauge, der Richtung Zimmerdecke ragte, als wolle er sagen, hier bin ich, bereit zum Liebhaben. Liebkos mich! Die feuchte Muschi ihrer Mutter, die gierig auf dem erigierten Schwanz Richtung Höhepunkt ritt. Sie mit ihrem zahnlosen Maul, obwohl sie sehr wohl Zähne hatte, angaffte, bevor sie den kleinen Schwanz bis zum Anschlag in ihr Maul stopfte und grüner, stinkender Schleim aus ihrem vollgestopften Maul floss.
Candy stützte sich für einen kurzen Moment auf die Arbeitsplatte ab, dann warf sie wutentbrannt das leere Glas gegen die Küchenfliesen. Klirrend fielen die Scherben auf die angesammelten verkrusteten Töpfe und Teller.
„Fick Dich!“, schrie sie und trat wutentbrannt gegen die Küche.
Stille.
Das schrille Jauchzen aus dem Schlafzimmer war verstummt. Die tonnenschwere Luft in der Küche war auf einmal wie weggeblasen. Einen kurzen Augenblick später kam Mother-Fucker in die Küche gestürzt. Ihre Titten hangen ihr fast bis zum Bauchnabel. Die Brustwarzen noch erigiert und hart. Die blonden, lockigen Haare zerzaust. Jedoch hatte sie die Zeit gefunden wenigstens in einen ihrer weißen Tangas zu hüpfen.
„Verdammtes Miststück!“, keifte sie, „Was ist in deinem Schädel kaputt?“.
„Fick dich, du Hure!“.
Mother-Fucker wollte sich gerade in Bewegung setzen und Candy eine ordentliche Tracht Prügel verabreichen, doch Candy erkannte nach all den Jahren die Anzeichen nur zu gut. Sie griff blitzschnell nach einem verschmierten Küchenmesser und hielt es schützend vor sich.
„Bleib, wo du bist, Fotze! Dieses Mal schlägst du mich nicht!“.
Candys Puls überschlug sich. Innerlich fing sie an zu zittern.
„Du verdammte Hure!“, schrie sie, um sich Luft zu verschaffen.
„Na warte, dir werd ichs zeigen, Flittchen!“, keifte Mother-Fucker und machte einen hastigen Sprung auf Candy zu. Ihr Locken hüpften von der hastigen Bewegung. Zog sie mit der einen Hand fest in den Haaren, während sie ihrer Tochter mit der anderen eine klatschende Ohrfeige verpasste. Candy schubste ihre Mutter leicht zurück, dann stach sie hasserfüllt zu.
Ein grässlicher Schrei zog durch die Wohnung. Mother-Fucker spürte den stechenden Schmerz in Sekundenschnelle nach oben wandern. Sie schwankte leicht zurück. Griff sich instinktiv an den Bauch. An die pochende, blutige Wunde. Sie schaute entsetzt zu ihrer Tochter, doch in diesem Moment rammt ihr Candy das Messer ein weiteres Mal in den Bauch.
Die von Essensresten verkrustete Klinge färbte sich rot. Fuhr ein weiteres Mal durch das schlaffe Hautgewebe, durschnitt Muskelfasern, Venen und Adern, drang zerstörend tief in den mit Säure und Nahrungsbrei gefüllten Magen, drang ein weiteres Mal schneidend durch die Haut und zerstach einen Teil der Leber.
Mother-Fucker ging blutüberströmt, wie ein Schwein, dessen Kopf fein säuberlich vom Rumpf getrennt wurde, zuckend zu Boden.
„Du verdammte Hure!“, schrie Candy ein weiteres Mal und stach erneut zu.
Dieses Mal durchdrang die Klinge den Brustkorb, Knochen splitterten, Adern und Muskelgewebe rissen, durchbohrte schmerzhaft die Lunge, die sich in Sekundenschnelle mit Blut füllte und Mother-Fucker den Atem raubte. Sie krächzte auf den Boden in ihrer eigenen Blutlache liegend um ihr erbärmliches, miserables Leben. Krümmte sich vor Schmerzen. Ihr Körper zitterte, wie der eines Armen, auf dem elektrischen Stuhl gefesselten, Bastards, durch dessen Körper Starkstrom schoss und dessen Adern platzen ließ. Blut lief ihr aus ihrem weit aufgerissenem Mund. Sie pisste sich vor Angst in ihren weißen Tanga. Urin verteilte sich auf den Küchenboden. Zuvor vom Körper feinsäuberlich getrennt vermischte sich ihr Urin mit ihrem Blut.
Candy stach, wie in Wahn, ein weiteres Mal in ihren Oberkörper. Und ein weiteres knackendes Mal. Und ein weiteres stumpfes Mal. Sie hob das Messer drohend Richtung Zimmerdecke. Dort verharrte es bedrohlich für den Bruchteil einer Sekunde. Dann rammte sie es schreiend durch Mother-Fuckers geöffneten Mund. Die Klinge durchstach den Mundraum, den Hinterkopf und schmetterte in den Küchenboden.
Schwankend stand Candy auf. Ließ das Messer gefühlskalt aus ihren blutdurchtränkten, zitternden Händen gleiten. Klirrend fiel es auf den Küchenboden.
Einen kurzen Augenblick später stürzte Froschauge in die Küche. Sein nackter Bauch schwabbelte noch leicht von der hastigen Bewegung. Sein kleiner, glitschiger Schwanz noch halb erigiert. Die beharrten Eier noch glitschig von Mother-Fuckers Muschischleim. Er sah den blutverschmierten, grässlich entstellten Körper seiner alten Fickschnitte und erstarrte.
Bevor er auch nur das Geringste realisieren konnte, tauchte Sick hinter ihm auf. Sah das Blutbad und rammte Augenblicklich sein Messer durch Froschauges Doppelkinn. Erbärmlich würgend ging Froschauge zu Boden. Die Erektion wich aus seinen Schwanz.
„Du verdammter Bastard!“, schrie Sick aggressiv, dann stürzte er sich auf ihn und schnitt ihm die Kehle durch.
 Das Blut spritzte nur so aus der aufklaffenden Wunde. Sick richtete sich auf und trat den verreckenden Froschauge mehrmals mit seinen Springerstiefeln gegen seinen fetten, kahlgeschorenen Schädel. Der Schädelknochen platzte und aus ihm Quoll eine Mischung aus Blut und Hirnmasse. Immer weiter trat Sick vor den kahlen Schädel, der wild hin und her schlug.
Sick richtete sich auf, rotzte ihn verächtlich in das zerschmetterte Gesicht. Er ging einen Schritt zurück und schnitt Froschauges Schwanz ab, hob ihn verächtlich in die Luft.
„So n kleiner verdammter Arschficker“, sagte er grinsend und stopfte den abgeschnittenen kleinen Schwanz in Froschauges vor Schmerzen weitaufgerissenes, dreckiges, verrottendes Maul. „Friss deinen Scheiß-Schwanz, du Bastard“, schrie er.
Little Nicky blieb wie versteinert an der Küchentür stehen. Fassungslos drangen die monströsen Bilder durch seine Augen, fraßen sich erdrückend schwer in sein Hirn. Ein mächtiger Knäul aus Angst, Panik und Übelkeit fraß sich ans Tageslicht. Übermannte ihn  mit seiner ganzen Mächtigkeit. Er versuchte, das unausweichliche Würgen zu unterdrücken und wandte sich schier überfordert ab.
„Gospode Bože!“ (Serbisch, soviel wie: „Oh, mein Gott!“), sagte er mit leicht zitternder Stimme.
Die Worte schwebten in der Luft. Standen für wenige Augenblicke wie von unsichtbaren Flügeln getragen im Raum, ehe die Playlist aufm Laptop weitersprang und Suffocations gewaltiges „Jesus Wept“ durch die Wohnung fegte.
Jesus Wept und die Fliege summte, halb vom Wahn getrieben, um die diffuse Küchenbeleuchtung herum…

 

Zwischenebene - Eins

Dunkelheit umgarnte den nächtlichen Bahnhof. Umgab das heruntergewirtschaftete, von Graffiti überzogene, Bahnhofsgebäude. Die menschenleere Stille lag auf den rostigen Bahnschienen. Riesige Laternen warfen ihr gelbes Licht kreisförmig aufn Asphalt. Die Gebüsche wiegten sich leicht in der milden Briese.

Das Mädchen spürte den noch warmen, körnigen Asphalt der Straße unter ihren nackten Fußsohlen. Ihr weißes Abendkleid schmiegte sich eng an ihren Körper. In der Ferne hörte sie Glas klirren. Das Geräusch durchbrach bedrohlich die Stille. Sie fuhr herum. Sah einen großen, kantigen Schatten hinterm Bahnhofsgebäude verschwinden.
Stille.
Beängstigende Stille umgab sie. Schien sie vor etwas zu warnen. Angst keimte in ihr auf. Dann hörte sie ein leises Grunzen ähnliches Lachen hinter dem Bahnhofsgebäude.
Das Mädchen setzte sich zügig in Bewegung. Schritt verängstigt die menschenleere Straße hinunter. Die Häuser waren pechschwarz. Die schwarzen Fenster schienen sie förmlich anzugaffen. Alles in ihr schrie dass jemand auf sie lauerte. Sie beobachtete. Sie verfolgte.
Sie wurde schneller. Der Asphalt fühlte sich noch grobkörniger unter ihren Füßen an. Ihr weißes Abendkleid flatterte leicht von der hastigen Bewegung. Sie schaute verängstigt hinter sich. Da war er wieder. Der schwarze, kantige Schatten. Er verschwand hinter einer Hecke.
Sie schaute nach vorne. Sah eine Kreuzung. Ein Auto stand mit laufendem Motor an der Ampel. Sicherheit.
Sie rannte. Aus dem Auto drang leise Musik. Die Ampel flackerte abwechselnd gelb und rot, doch das Auto blieb stehen. Schien auf sie zu warten. Sie rannte schneller. Auch der Schatten wurde schneller. Der Schatten wurde größer.
Die Scheiben des Autos waren beschlagen. So als wäre das Innere von einer riesigen undurchdringlichen Nebelwand ausgefüllt. Das Mädchen riss verängstigt die Wagentür auf und erstarrte.
Im Wagen lag ein Einhorn. Es lag auf seinem Bauch. Hatte alle Hufe von sich gestreckt. Schnaufte wild. Hinter dem Einhorn kniete ein Affe, der das Einhorn in den Arsch fickte. Der Affe grinste sie aus seinem gelben Bananengebiss an. Der verängstigte Schrei eines Kindes durchbrach die Nacht…

 

Kapitel 1: Prolog - 30:1

„Guten Morgen, Schatzi-Boy!“. Die nervtötende Stimme riss ihn aus dem Schlaf. „Du musst in die Schule“. Little Nicky zog sich angewidert den staubigen, nach Nikotin stinkenden, Stofffetzen über den Kopf und vergrub sich tiefer ins Bettlacken.

Seine Mutter war anscheinend schon wieder bestens gelaunt. Wahrscheinlich hatte sie ihre allmorgendliche Ration von fünf Tassen billigsten Discounter-Kaffee hinunter gewürgt, eine nach der anderen gequalmt wie so ein beschissener, verrußter Schlot, und war schon mehrmals scheißen gegangen. Ja, der angebrochene Tag schien vielversprechend und offenbarte eine monströse Anzahl ungesehener Möglichkeiten für seine Mutter, wie beispielsweise Bügeln, Kochen und den Staub verteilen wie sie es nannte. Sie hatte also allen Grund zur Freude.
Doch was hielt schon der Tag für Little Nicky anderes bereit als endliche Stunden in diesen beschissenen Schulknast abzusitzen? Mit all den gehirnamputierten Spinnern, ob Lehrkräfte oder Schüler, die Luft teilen, die zwar zu blöd zum Scheißen, aber zumindest dachten, dass sie die Checker schlechthin waren. Sich von dieser Hilfsschülerin von Lehrerin die Geschichte Nazi-Deutschlands vorkauen zu lassen, während die alte Schrulle zum Feierabend ordentlich in ihren Springerstiefeln in den Arsch gefickt wurde. Oder sich vom alten Ober-Chemiker über das Periodensystem belehren zulassen, während Herrn Obermeier beim Perioden-Thema mit seiner Frau, stets die Knie schlotterten. Ja, diese Ansammlung der größten Großgeister, der neuen Kants, Einsteins und Newtons, war schon schwer genug zu ertragen.
Doch da waren auch die Checker in seiner Klasse, denen jedes Mal das übelstinkende Sperma aus dem Hosenstall spritze, wenn sie ihn mobbten und materten. Von den zukünftigen Müttern der neuen Generation erst gar nicht zu sprechen. Mehr als Schwänze lutschen, blöd durch die Gegend gaffen, sich wie so ein Ober-Spasti völlig ungeschickt tonnenweise Schminke in die Fresse zu spachteln, für eine Handvoll Wechselgeld den Arsch hinhalten und sich intensiv über Germanys Next Top-Model zu unterhalten, hatten sie nicht drauf. Ne, ganz im Gegenteil. Sich ein Blage von irgend so einem verstrahlten Großgeist andrehen zu lassen, war da schon der Höhepunkt im Lebenslauf und sorgte zugleich für eine befriedigende Note auf dem Stück Scheißhauspapier, welches sich Zeugnis schimpfte.
Sein Vater spähte ins Zimmer. „Dobro jutro, sine!“ (Serbisch: „Guten Morgen, Sohn!“). Little Nicky streckte zur Begrüßung den kraftlosen Arm aus der Bettdecke. „Srećno!“ (Serbisch: „Gutes Gelingen!), stieß er zügig hervor, dann verschwand er auch schon wieder so schnell wie er erschien war.
Ja, der Tag schien vielversprechend. Vielversprechend, um sich vor eine beschissene U-Bahn zu schmeißen. Vielversprechend, um sich mit billigen Fusel die Lichter auszuschießen. Vielversprechend, um jemanden umzubringen. Aber nicht vielversprechend zum Leben… 

Die Bodenfliesen waren in dunklen Tönen gehalten. Die unsymmetrisch platzierten Farbtupfer erinnerten an eine Sternenkarte, ließen aber auch mit etwas Fantasie lachende und traurige Gesichter erkennen. Emotionale Ausdrücke für ewig in Stein gebannt.
Die Kinder rannten durchs modernisierte Schulgebäude wie eine Schar von kopflosen Hühnern. Little Nicky übermannte die wuchtige Wand von Geräuschen und zugleich verunsicherte sie ihn. Er stand auf der Treppe, die zu den höher gelegenen Klassen führte. Auch von oben hörte er bekannte Stimmen und Geräusche, die schier flügellos zu ihm hinunter drangen.
Gemächlich öffnete er ein weiteres Mal seine Schnürsenkel, nur um sie dann wenige Augenblicke später wieder zuzubinden. Er wollte Zeit schinden. Wartete auf die Lehrkraft, die ihm etwas Sicherheit versprach.
Big Maik war ein großgewachsener halber Ganove, der sich auf ihn eingeschossen hatte. Auf seiner schier endlosen Latte von übelsten Straftaten tummelten sich solch monströse Gesetzesvergehen wie Überraschungs-Ei-Diebstahl im Supermarkt, Diebstahl von Pausenbroten und die Körperverletzung von Ameisen und Bienen. Also ein über alles ernstzunehmender Großkrimineller.  Er überholte ihn auf der Treppe und schlug ihn schmerzhaft in den Nacken.
„Schwuchtel!“, begrüßte er ihn.
Eine Standard-Begrüßung für einen weiteren schönen Tag der Qual.
Big Maik hastete schlaksig die Treppe hinauf wie ein halber König auf dem Weg in den Thronsaal… 

Die dumme Pute von Lehrerin, die von Tuten und Blasen keinen blassen Schimmer hatte, dafür aber gekonnt, wie ein dressierter Affe, drei Gleichungen umstellen konnte, schmierte lustlos eine Gleichung an die Tafel. Und während der ein oder andere Halbaffe versuchte die Gleichung zu lösen, stand doch im Klassenzimmer eine ganz andere Gleichung tonnenschwer in die Luft gepeitscht. 30:1 = X; X = Little Nicky.
Eine Gleichung, die genauso beschissen wie simpel war. Und unglücklicherweise schien sie selbst der schlimmste Mathe-Legastheniker in der Klasse zu kennen.
Die Minuten verstrichen wie Stunden. Und während draußen der frische Wind durch die Bäume fegte, herrschte in der Klasse eine höchst schwere, elektrisierte Luft.
Zuvor noch hatten Big Maik und seine Komplizen ihn zur Begrüßung eine Tube Klebstoff in die Haare gedrückt, seine Haare waren so aneinander gepappt, dass es so aussah, als wolle er sich einen Bündel Dreadlocks züchten, dann hatte sich seine Nachbarin darüber beschwert, dass er stinken würde und hatte vergebens darum gebeten, sich umsetzen zu dürfen, und nun hatte die Ganovenclique einen weiteren großen Coup gestartet. Sie rissen große Stücke Papier aus ihrem Schreibblock, kauten sie grinsend, dann befüllten sie mit der Papier-Spucke-Mischung ihre Plastikröhrchen und pustetet ihm den Dreck in den Nacken, an den Hinterkopf und was sich sonst noch so anbot. Um Little Nickys Stuhl sammelten sich dutzende Papierkügelchen, die den Anschein erweckten, als hätte er eine Konfettiparty geschmissen.
Seine Mitschülerinnen lachten ihm verhöhnend ins Gesicht. Zeigten ihm was für ein erbärmlicher kleiner Hosenscheißer er war… 

Pause!
Zeit um sich eine Tracht Prügel abzuholen. Little Nicky schlich wie jeden Tag allein übern Schulhof, während die anderen ihre armseligen, von Mami zubereiteten, Pausenbrote fraßen. Er war aber nicht allein.
Nein, Big Maik und seine Schwuchtelbrigade hatten auch keinen Hunger auf Pausenbrote. Sie verfolgten ihn. In irgendeiner Ecke dann war es soweit. Big Maik trat ihm mit seinen monströsen Oberschenkeln in den Arsch. Die anderen schnappten ihn und jeder durfte ihm einmal ins Gesicht rotzen. Reih um ging die Sause. Versteht sich. Immerhin wollte jeder mal seinen Spaß. Und jeder durfte einmal. Jeder bekam seinen Spaß!... 

Ein dicker, unverdaulicher Kloß voller Hass und Missgunst rutschte seine Kehle hinunter. Verformte sich auf seinem Weg in den Magen zu einer pechschwarzen Perle. Dunkel war sie. Zierlich und glitzernd. Pechschwarz wie tiefste Nacht. Im Magen angekommen löste sich die Perle auf und strahlte in jede Faser und jeden Winkel seines Körpers.

 

Bisher erschienen Extrem-Literatur:

Morbid - Krankhaft (Storysammlung) (2016)
(Ausgezeichnet mit den Vincent-Preis 2016 in der Kategorie "Beste Storysammlung" (4.Platz)).

Still Morbid - Noch immer Krankhaft (Storysammlung) (2016)
(Ausgezeichnet mit den Vincent-Preis 2016 in der Kategorie "Beste Kurzgeschichte" – L O G O U T (6.Platz)).

 

 

Skandalös! Kontrovers! Tabulos!

"Morbid - Krankhaft".

Fünf Geschichten - Fünf abgrundtief abartige Einblicke in menschlicher Existenz.

Keine Schönmalerei sondern krankhaft und wortgewaltig. Perfide und pervers! Erschreckend und belastend! Kalt und erdrückend! Von Alkohol - und Drogenmissbrauch, Kindesmissbrauch, alltäglicher Aggression über Blasphemie und Wahnsinn hin zum Sinn des Lebens.

„Ein derbes, hartes, direktes Buch mit Themen die Tabus und Grenzen überschreiten. Inhonorus ist hier ein geschriebenes Kunstwerk gelungen“. Raven auf lovelybooks.de (5/5).

„Das Buch ist eine gelungene Mischung von Bukowski auf Speed, Clockwork Orange und deutschen White-Trash-Storys im Stile von Edward Lee“. Saltonsea93 auf Amazon.de (4/5).

inhonorus bei Amazon.de:
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