BANG YOUR HEAD FESTIVAL 2017 (Tag 2 & 3)

Veröffentlicht am 27.07.2017

Nach der Warm-Up-Show, bei der DEATH ANGEL abräumten sowie dem ersten Festivaltag, der (natürlich subjektiv) ECLIPSE (grandios!), SAXON (muskelstrotzender Headlinerauftritt) und SATYRICON (Dunkelheimer bei Tageslicht) als Gewinner dastehen ließ, präsentierte sich der 2. Tag line-up-mäßig als äußerst homogen-gleichförmig und bot durchwegs solide bis grandiose (RIOT V) Leistungen, aber kaum Spitzen (bis ANGELUS APATRIDA die Messehalle zerlegten) sowie einen diskussionswürdigen Headliner, während Tag 3 alle Lager mit durchwegs sehr guten Auftritten (HAMMERFALL, MICHAEL SCHENKER, VICIOUS RUMORS, KATAKLYSM und den famosen EVIL INVADERS) versöhnen sollten. Walter stand mir bei PARAGON, BULLET, VAIN, RAVEN, THE UNITY und MICHAEL SCHENKER zur Seite, die Fotos stammen wieder von mir (5), Susa (2) und Edgar Rauch.

FREITAG, 14.07.2017

VINCE NEIL, ROSE TATTOO, KROKUS, MAGNUM, RIOT V, LEE AARON, STEVE GRIMMETT´S GRIM REAPER, BULLET, DEAD LORD (Open Air) / ENTOMBED A.D., ANGELUS APATRIDA, PARAGON, ALMANAC (Halle)

DEAD LORD
Pünktlich zum Auftritt der Classic/Retro-Rocker um 11.30 Uhr begann es zu schütten. Gerade Hakim Krim und seine beherzt aufspielende Truppe hatte ein solches Szenario nicht verdient. Dennoch erwiesen sich die Schweden als absolute Profis, zogen ihr Programm mit großer Spiellaune durch und begeisterten die noch recht überschaubare Anzahl der im Regen ausharrenden Fans mit einer vollen Packung Seventies-Hardrock und Schlaghosen-Flair. Hakim versprühte vor den verkaterten Anwesenden mit seinen mit kaputter Stimme vorgetragenen Ansagen  gute Laune, zudem wartete das Quartett mit der Spezialität „Bass-Solo“ auf. Hört man auch nicht bei jeder Band. Zudem wurden Stücke vom in Kürze erscheinenden Album „In Ignorance We Trust“ gespielt, bevor das lässige „Hammer To The Heart“ einen Schlussstrich unter die trotz der widrigen Umstände energetische und unbeirrte Performance zog.

DEAD LORD sorgten trotz Regens für beste Laune!

BULLET
Nach ausgiebigen Regenschauern bis in die frühen Morgenstunden hat der Wettergott gegen Mittag endlich genug davon und zeigt sich bei BULLET von seiner "Sonnenseite". Dadurch finden sich auch bereits überraschend viele Zuseher vor der Bühne ein, um mit den Schweden eine amtliche Metal-Party zu veranstalten. Die Kompetenz dafür haben BULLET in den letzten Jahren immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, egal ob in kleinen Clubs oder auf riesigen Open-Air-Bühnen. Kein Wunder also, dass bereits beim Opener „Storm Of Blades“ einiges vor der Bühne los ist. Das Quintett scheint zudem ausreichend Koffein zum Frühstück zu sich genommen zu haben, denn die Musiker machen die gesamte Spielzeit über einen mehr als nur motivierten Eindruck und geben Gas ohne Ende.

In „Rolling Home“ versucht die Band dann das erste Mitsing-Spielchen an dem noch jungen Festival-Tag, das auch durchaus mitgemacht wird, jedoch ein wenig verhalten ausfällt. Beim bald darauf folgenden „Turn It Up Loud“ wird dieser "Erstversuch" jedoch hinsichtlich der Intensität der Publikumsreaktionen locker übertroffen. So sehr, dass der Asphalt vor der Bühne förmlich ins Wanken gerät…..oder war da doch was anderes im Spiel? Ein wenig eigenwillig mutet danach die überlange Intro-Einspielung für „Dusk Til Dawn“ an, bei der die Musiker plötzlich allesamt kurz von der Bühne verschwinden. Doch als sich "König" Hell Hofer (der sich einmal mehr auch im Umgang mit Werkzeug auf der Bühne als überaus geschickt erweist und für entsprechenden Funkenregen sorgt!) und seine Mannen wieder auf den Brettern einfinden um - offenbar frisch "gestärkt" - „Stay Wild“ und „Hammer Down“ zu intonieren, fragt kein Mensch mehr nach Grund für das offenbar relativ kurzfristig einberaumte "Päuschen" zuvor.

Warum BULLET bei diesem Festival immer funktioniert, liegt durch ihre Mucke zwar ohnehin auf der Hand, da kurz vor dem Ende der Show mit dem vom 2006er-Album "Heading For The Top" stammenden „Bang Your Head“ aber auch noch so etwas wie eine inoffizielle Festival-Hymne dargeboten wird, braucht Hell erst gar nicht lange danach fragen, ob die Fans denn bereits dafür wären. Und ob! Mit der daran angeschlossenen Band-Hymne „Bite The Bullet“ endet eine weitere, wunderbar unterhaltsame Metal-Party von und mit BULLET. Diese wird von den ersten "Zugabe"-Rufen des Tages begleitet und hinterlässt ausnahmslos zufriedene Zuschauer. Thumbs Up! [Walter Scheurer]

Die Schweden BULLET wissen, wie man Rock n´ Roll macht: "Bang Your Head"!

STEVE GRIMMETTS GRIM REAPER
Die von Steve Grimmett angeführten Engländer lieferten im Anschluß ein mehr als beachtliches Set ab. Auch wenn sich alles auf den Frontmann, der heute seinen ersten Bühnenauftritt nach der Amputation seines rechten Beines absolvierte, focussierte, durfte man einem kernigen, flott und melodiös gezockten Set lauschen, das von einer vitalen Band dargeboten wurde. Steve indes bestritt, mit Headset ausgestattet, einen Teil des Auftritts im Rollstuhl sitzend, ließ es sich dennoch nicht nehmen, den anderen Teil des Sets stehend zu absolvieren. Dabei diente ihm ein Stock als Stütze. Gesanglich ist Grimmett immer noch top, die Klassiker „See You In Hell“, „Fear No Evil“ oder „Rock You To Hell“ rissen die Fans der legendären Truppe ohnehin mit. Garniert wurde der Auftritt mit einer sehr gelungenen Version von DIOs „Don´t Talk To Strangers“. In dieser Verfassung darf sich auf weitere Liveauftritte der potent und vital tönenden Truppe freuen!

Erster Bühnenauftritt des legendären Steve Grimmett nach seiner Beinamputation

LEE AARON
Auf die „Metal Queen“ hatten sich heute viele gefreut. Und die Kanadierin sollte heute auch nicht enttäuschen. Optisch trotz des Alters bestens im Schuß, fegte die bald 55jährige über die große Bühne. Zusätzlicher Blickfang war ihre Silberjacke, derer sie sich in weiterer Folge entledigte. Das Set war zwar eher im AOR/Hardrock-Bereich (etwa „Powerline“ oder „Whatcha Do To My Body“) angesiedelt und lockerte das Metal-Festival auf, wenngleich viele der Meinung waren, dass sie „Fire & Gasoline“ & Co. auf dem Schwesternfestival ROCK OF AGES besser aufgehoben gewesen wäre, als auf der schwermetallischen BYH-Stage. Illusionen zerstörte die quirlige Lee auch, als sie mit Bandvorstellung ihren Drummer nicht nur als ihren Ehemann outete, sondern ihn auch noch als „Vater ihrer beiden wundervollen Kinder“ auswies. Die verdrückten Metallertränen wurden aber mit der finalen Hymne (und dem härtesten Song) „Metal Queen“ trockengewischt, der Boden für die nachfolgende Livegranate war bereitet.

Die "Metal Queen" überzeugte gesanglich und optisch und raubte dennoch Männerträume

RIOT
Die Amerikaner sind ja die ewigen Underdogs des Metal. Gleichsam verkannt wie grandios bekamen die legendären Amerikaner heute ein weiteres Mal die Möglichkeit, ihr Repertoire einem großen Publikum vorzustellen. Wie erwartet fiel der Samen beim traditionell ausgerichteten BYH-Publikum auf fruchtbaren Boden. Die Ingredienzien des heutigen Erfolgs: eine Wagenladung fetzige Metalkracher, eine schwung- und kraftvoll aufspielende Band und mit Todd Michael Hall einen der besten Metalsänger überhaupt in ihren Reihen. RIOT waren heute hungrig und bissig, sympathisch sowieso.

Hall wuchs einmal mehr über sich hinaus, nützte die Bewegungsfreiheit auf der Bühne und interagierte mit dem dankbaren Publikum, auf welches das hohe Energielevel, das onstage entfacht wurde, wie selbstverständlich übersprang. Songtechnisch begeisterten etwa „Road Racin´“, „Warrior“ und natürlich „Swords And Tequila“, während „Take Me Back“ doch etwas kitschiger rüberkam. Die speedige Hymne „Thundersteel“ beschloss eines der dynamischsten und besten Sets des gesamten Festivals, auch wenn der neue Kracher „Metal Warrior“ (vom „Unleash The Fire“-Album) unverständlicherweise fehlte.

SETLIST: Ride Hard, Live Free/Flight Of The Warrior/Don´t Hold Back/Johnny´s Back/Road Racin´/Bloodstreets/Take Me Back/Swords And Tequila/Warrior/Thundersteel

Zockten eines der energetischsten und besten Sets des Festivals: RIOT V

MAGNUM
Für die Altrocker galt ähnliches wie schon zuvor für LEE AARON. Inmitten des Metalgekraches betrat Bob Catley in weißer Hose die Bühne und verwöhnte die Ohren der zahlreich anwesenden Fans mit einem feinen Set aus Bandstandards aus fast vier Dekaden edlen Rocks der Premium-Marke. Einiges plätscherte dabei etwas belanglos an den metalgestählten Ohren vorbei, auch das lange Gitarrensolo beim epischen „How Far Jerusalem“ förderte nicht die dynamische Komponente des Auftritts der britischen Hardrock-Institution. Andere wiederum nutzten den Auftritt von Catley und Gitarrist Tony Clarkin, um ein wenig runterzukommen und der feinen Musik ein Ohr zu leihen. Alles in Allem eine gediegene Darbietung zur Erholung des Gehörs, das mit „Unwritten Sacrifice“, „Vigilante“ & Co. erfreut wurde.

Sehr gepflegter und guter "Altherren"-Rock: Bob Catley mit MAGNUM

KROKUS
Die Schweizer Urgesteine ließen gleich von Anfang an nichts anbrennen. „Long Stick Goes Boom“, „Hellraiser“ oder „Bedside Radio“ stimmten die Fans von Chris von Rohr & Co. auf die glamourösen Zeiten Anfang der Achtziger ein, als die Zeichen für die Eidgenossen auf Sturm standen. Klarerweise galt es, auch das letzte (Cover-)Album „Big Rocks“ zu promoten (das sich nicht gerade durch eine mutige Songauswahl wie etwa „Born To Be Wild“, „Wild Thing“ etc. auszeichnete), folgerichtig wurde auch NEIL YOUNGs „Rockin“ In The Free World“ zum Besten gegeben. Warum aber mit „American Woman“ und „Quinn The Eskimo“/“Mighty Quinn“ trotz der knapp bemessenen Spielzeit noch weitere Covers intoniert wurden, vermochte den Fans nicht recht einzuleuchten. Hier hätten ruhig eigene Klassiker in diesem Festivalset Platz finden können.

Immerhin wurde das seltenere „Headhunter“ ausgegraben, „Heatstrokes“ sorgte ebenfalls für Versöhnung, während der größte Hit „Screaming In The Night“ recht früh im Set eingebaut wurde. Einmal mehr war Sänger Marc Storace der Mittelpunkt der Show und überzeugte mit einer stimmlich beeindruckenden Performance. KROKUS präsentierten sich als wenig originelle und berechenbare, aber sehr geile Liveband, welche das Rhythmusbein jedes des Hörens Mächtigen aber unweigerlich ins Stampfen und Wippen bringt.

Eidgenössische Wertarbeit & Ausflug in die Frühachtziger: KROKUS

ROSE TATTOO
Anschließend gab es einen der seltenen Auftritte der Aussie-Rocker zu begutachten. Auch wenn viele froh waren, Angry Anderson und seine Mannen auf der Bühne bestaunen zu dürfen, so waren die stampfigen Rock n´ Roll-Smasher a la „Assault & Battery“ oder „Rock n´ Roll Outlaw“ oder teils gepresst gesungen Nummern („Who´s Got The Cash“) doch auch vielen zu antiquiert und zahnlos. Ihren Legendenstatus haben die Rocker ohnehin, der heutige Auftritt fiel (zumindest für mich – mit dieser Meinung sollte ich aber nicht alleine sein) allerdings der eintönigen Programmpolitik des heutigen Tages zum Opfer, da einiges recht harmlos klang und nach KROKUS quasi die 2. AC/DC-„Coverband“ auf der Bühne stand. Wird den vor der Bühne zahlreich die Fäuste reckenden „Nice Boys“ aber egal gewesen sein, da das Set der Down Under-Rocker zünftig abgefeiert wurde.

Rock-Legenden From Down Under - Angry Anderson und seine tätowierten Rosen
 

VINCE NEIL
Kommen wir gleich zum Punkt: jedem, der mit MÖTLEY CRÜE vertraut ist, sollte im Vorfeld klar gewesen sein, wie die gesangliche Performance ihres ehemaligen Frontmanns heute klingen mußte. Dennoch war man angesichts des heutigen Auftritts wieder einmal verblüfft, wie man trotzdem enttäuscht werden kann. Anhand der sehr verhaltenen Reaktionen des Publikums, das auch nicht so zahlreich wie bei SAXON am Vortag oder HAMMERFALL am nächsten Tag aufmarschiert war (bzw. auch während des Gigs abwanderte), konnte abgelesen werden, dass der einstige Achtziger-Glam-Held trotz CRÜE-Hits a) ohne Powerhouse Tommy Lee und Showman Nikki Sixx kein wirklicher Headliner-Act ist und b) die gesangliche Leistung (gelinde gesagt) sehr mäßig ausfiel, da Vince teilweise recht rumquäkte und Textteile verschluckte und c) auch keine wirklichen headlinertypischen Show-Effekte (Feuersäulen, Pyros etc.) zum Einsatz kamen.

Der Auftritt wurde von seiner Band gerettet (sämtlich SLAUGHTER-Musiker), die sowohl optisch/showtechnisch (vor allem der Drummer Zoltan Chaney mimte den Entertainer und zauberte hinter der Schießbude, aber auch die Saitenfraktion sorgte für viel Wirbel auf der Bühne), als auch musikalisch und stimmlich (hier zeichnete sich vor allem im Coverteil der Show der Gitarrist Jeff Blando als hervorragender Sänger aus, die Backingvocals waren ebenfalls wichtig beim Auftritt) für Würde sorgten. Natürlich gab es MÖTLEY-Kracher (u.a. das käsige „Home Sweet Home“) zu hören, doch erst nach dem überlangen Coverteil (bei dem der Sänger über 15 Minuten hinter der Bühne verweilte) kam das Publikum bei „Kickstart My Heart“ sowie „Girls, Girls, Girls“/“Wild Side“ einigermaßen in Fahrt, nur um kurze Zeit später das recht frühe Ende der Show zu realisieren.

Doch die lange Abwesenheit und das vorzeitige Ende waren eigentlich nur das Sahnehäubchen, hatte der gute Vince die Bühne doch schon mit einer Verspätung von rund 15 Minuten betreten, sodaß von einem 90minütigen Headlinerset keine Rede war. Wohlweislich hatte ich mich nach „Dr. Feelgood“, „Piece Of Your Action“ und „Looks That Kill“ schon in die Halle verzogen, um weiter den famosen ANGELUS APATRIDA zu lauschen, als die Show mit „Live Wire“ vor Plan zu Ende ging. Welches Kommunikationsproblem hier auch immer vorgelegen haben mag, die im Anschluß an den Auftritt stattgefundene Ansprache des Veranstalters zum Thema VINCE NEIL fiel recht eindeutig aus. Die am nächsten Tag ausgesprochene Ankündigung, dass man mit dem ehemaligen CRÜE-Fronter weiter zusammenarbeiten wollte, fasste so mancher aber eher ironisch als „Androhung“ denn als Versprechen auf. Hier der Link zur nach dem Festival veröffentlichten Stellungnahme des Veranstalter Horst Franz.

SETLIST: Dr. Feelgood/Piece Of Your Action/Looks That Kill/Home Sweet Home/Shout At The Devil/Whole Lotta Love/Heaven And Hell/Stairway To Heaven/Kickstart My Heart/Girls, Girls, Girls/Wild Side/Live Wire

Umstrittener Headliner: Ex-MÖTLEY CRÜE-Fronter Vince Neil

PARAGON
Tageszeit- und daher stimmungstechnisch großartig, hätte es an sich optimal für PARAGON laufen können, da jedoch zeitgleich KROKUS noch nicht mit ihrer Show fertig sind, kommen erst nach und nach Zuseher in die Halle; um den norddeutschen Metallern beizuwohnen. Die sind hoch motiviert und liefern ein amtliches Programm, das logischerweise einige Auszüge ihres im letzten Jahr aufgelegten Albums „Hell Beyond Hell“ enthält. Aber auch Älteres, wie etwa den Titeltrack des 2001er Scheibchens „Steelbound“, der sich als mitsingtaugliche Hymne erweist und von einer inzwischen überaus imposanten Meute vor der Bühne mit- und abgefeiert wird.

Sänger Andreas Babuschkin wird mit Verlauf des Sets immer redseliger und lässt zwischen den Songs mitunter gar sarkastischen Humor erkennen. Etwa, als er die Heimat der Band erwähnt und von der kurz vor dem Festival in Hamburg gelaufenen „eigenartigen G-7-Party“ berichtet. Doch nicht nur er ist bestens in Fahrt, auch die Riffs von Jan Bertram und Günny Kruse kommen präzise und treffsicher und auch die Rhythmus-Abteilung verrichtet eine gute Job.  Das einzige Problem an der Geschichte: Während PARAGON und auch das Publikum so richtig im Fahrt kommen, zieht es nicht nur mich wieder vor die Open-Air-Bühne, da ROSE TATTOO auf dem Programm stehen und die australische Legende nun mal nicht alle Tage zu sehen ist… Sorry, beim nächsten Mal bleibe ich länger! [Walter Scheurer]

ANGELUS APATRIDA
Auf den rundum gestarteten Quickcheck zum Thema „beste neue Thrash-Bands Europas“ konnten die zahlreich Befragten außer den SUICIDAL ANGELS nur ANGELUS APATRIDA nennen. Und wie schon auf Platte und live (etwa hier) killten die Spanier auch in Balingen, nachdem ihnen etwa Victor Smolski und ALMANAC das Publikum auf Betriebstemperatur gebracht hatten. Eine derartige juvenile Spielfreude, Spielwitz und prickelnde Dynamik ist auch im Thrash-Genre nicht selbstverständlich, in den Raum geworfene (aber nicht soundtechnisch zu verstehende!) Vergleiche mit den jungen SEPULTURA scheinen tatsächlich nicht ganz unberechtigt zu sein.

Dies wurde heute gleich eingangs eindrucksvoll mit „Immortal“ und „Violent Dawn“ unter Beweis gestellt…was für powernde Speed-Brecher, was für ein Seteinstieg! Dass es auch gediegener, MEGADETH-lastiger geht, zeigte etwa „Hidden Evolution“. Die Riffgewitter a la „End Man“ oder „Serpents On Parade“ prasselten auf die Zuschauer in der Halle ein, das alte „Vomitive“ machte deutlich, dass die Band schon in ihren Anfangstagen über großes Format verfügte. Längstens mit dem fetzigen Rausschmeißer „You Are Next!“ hatte das spritzige Ibero-Quartett auf voller Länge gewonnen, was für eine tighte und packende Vorstellung!

Brachial-energetische Thrash Metal-Urgewalt: Die abtrünnigen Engel aus Spanien


ENTOMBED A.D.
Zu vorgerückten Stunde durfte wie schon 2013 auf der Hauptbühne Fronter LG Petrov und sein A.D.-Ableger ran. Das zackige „Midas In Reverse“ war nach dem stimmungsvollen Intro ein idealer Einstieg in das Set. Recht schnell wurde dabei klar, dass der Sound nicht perfekt ausbalanciert war, was den Hörgenuß der zahlreich geholzten Schwedentod/Death n´ Roll-Classics („Stranger Aeons“, „Out Of Hand“ etc.) ein wenig schmälerte, vor allem weil der Bass recht übermächtig donnerte.

Der augenscheinlich leidende Gesichtsausdruck von LG zwischen den Songs machte ebenfalls Sorgen (irgendetwas schien den guten Mann zu plagen), dennoch röhrte er bei Nummern wie „Wolverine Blues“ oder „Revel In Flesh“ in gewohnter Manier wie ein brünftiger Hirsch alles in Grund und Boden. Der heutige Gig war jedenfalls keine Glanzleistung der Death-Pioniere, das jährliche Plansoll an Death Metal (2016: UNLEASHED; 2015: ASPHYX; 2014: OBITUARY, GRAVE etc.) wurde allerdings trotzdem erfüllt.

ENTOMBED A.D. - der Hallenheadliner hatte nicht gerade den besten Sound erwischt

 

SAMSTAG, 15.07.2017

HAMMERFALL, THE MICHAEL SCHENKER FEST, DOKKEN, KATAKLYSM, VICIOUS RUMORS, DIAMOND HEAD, RAVEN, VAIN, ASSASSIN (Open Air) / AXXIS, EVIL INVADERS, THE UNITY, DISBELIEF (Halle)

ASSASSIN
Schon recht früh war gepflegtes Kopfnicken angesagt, „richtiges“ Headbangen war für viele nach drei partyträchtigen Festivalabenden eher zu schmerzhaft. Dennoch zeigten sich die als Ersatz für PARADOX aufspielenden Düsseldorfer äußerst angriffslustig und agil. Gepost und gerockt wurde amtlich, auch der Laufsteg ins Publikum wurde vor allem von (ex-SODOM und KREATOR)Gitarrist Blackfire sehr oft beschritten. Auch wenn die Sologitarre für Probleme sorgte, machte vor allem Fronter Ingo mächtig Stimmung. Den Rest der energetischen Show besorgten die Kracher der ersten beiden Alben („The Upcoming Terror“ und „Interstellar Experience“), mit denen Originalmitglied Scholli (das mittlerweile einzige Originalmitglied) und seine Mitstreiter deutsche Thrash-Geschichte geschrieben haben. Unter „Baka“ (eigentlich: „Idiot“ und heute als „Wäh“ intoniert) & Co. mischte sich auch Neueres wie „Back From The Dead“ und der Brüller „Red Alert“. Mit der gleichnamigen Bandhyme „Assassin“ beschloß ein echter Classic den gelungenen Thrash-Frühschoppen.

Thrash Metal-Frühschoppen mit Frank Blackfire und ASSASSIN

VAIN
Der derbe Thrash von ASSASSIN ist in den Lauschlappen noch nicht ganz verhallt, als sich mit Davy VAIN ein Veteran der Sleaze-Rock-Szene die Ehre gibt. Der scheint bestens gelaunt und gibt nebst Begleitmannschaft von Anfang an Vollgas. Zwar lässt er uns wissen, dass es für ihn eigentlich noch viel zu früh für Rock’n’Roll ist, die dargebotenen Songs werden vom immer zahlreicher erscheinenden Publikum zur Mittagszeit aber dennoch gebührend in Empfang genommen. Neben Tracks aus dem via Pledge Music-Kampgane finanzierten, vor wenigen Monaten erst veröffentlichten Dreher "Rolling With The Punches" gibt es selbstredend jede Menge klassisches Material des aus San Francisco stammenden Herren zu hören, dessen Bühnengehabe irgendwie an den jungen SEXTIGER denken lässt. Es macht einfach Spaß VAIN zuzusehen! Aber auch soundtechnisch geht die Show in Ordnung, da der Gesang ebenso klar zu vernehmen ist wie die Gitarren.

Davy verzichtet zwar immer noch auf Schuhwerk und rennt barfuß über die Bretter, dennoch erweist sich neben dem Bandoberhaupt der androgyn wirkende Gitarrist mit seinem leuchtorangenfarbenen Arbeitsgerät als besonderer "Eye-Catcher", während der Rest der Mannschaft zwar solide rockt, aber eher unauffällig bleibt. Nicht so der Chef, der auch mit diversen Anekdoten zwischen den Songs nicht spart. So sinniert er etwa über die holde Weiblichkeit, und ob es denn nun besser wäre eine "Nice Pussy" als Freundin zu wissen, oder doch eine "Crazy Pussy". Das Publikum jedenfalls fühlt sich bestens unterhalten, spendet fleißig Applaus und erfreut sich an Songs wie „Secrets“, „No Respect“ und „1000 Degrees“. Als ganz besonders unterhaltsam erweisen sich das mit eher tollpatschig wirkenden, tänzelnden Bewegungen von Davy dargebotene „Love Drug“ sowie die als Rausschmiss intonierte Granate „Bite The Bullet“. Gelungene, unterhaltsame Show zur Mittagszeit! [Walter Scheurer]

RAVEN
Ganz egal, wann und wo auch immer man RAVEN live zu sehen bekommt, Rock-Entertainment der speziellen Art ist bei diesen drei Herren garantiert. Auch die Größe einer Bühne spielt keinerlei Rolle, weshalb es das Trio nach der erfolgreichen Hallenshow 2013 in diesem Jahr wieder einmal auf der Open-Air-Bühne zu sehen gibt und ihnen von den Fans am frühen Nachmittag ein lautstarker Empfang bereit wird. Anstelle von Joe Hasselvander, der aus gesundheitlichen Gründen (angeblich hatte er vor kurzer Zeit einen Herzinfarkt) nicht zur Verfügung stehen kann, hat man Dave Chedrick, den aktuellen Fellgerber der US Metaller RUTHLESS als Aushilfe engagiert und der macht seine Sache mehr als ordentlich. Ein satter Punch ist jedenfalls notwendig, um den Gallagher-Brüder den Rücken für ihre Bühneshow freizuhalten und diesen besorgt Dave mit Dampf und Druck.

Ansonsten alles bestens, alles wie gehabt. Schon der fulminante Einstieg der seit inzwischen 43 Jahren über die Bühne wuselnden Gallagher-Brothers macht klar, dass die beiden immer noch mit Herz und Seele ans Werk gehen. Mehr noch, wenn von "Spielfreude" die Rede ist, muss der Name RAVEN erwähnt werden, denn mehr Einsatz geht kaum! Dass die Herren zudem mit einem Programm glänzen, das nicht nur Klassiker enthält, sondern sehr wohl auch das letzte Album „Extermination“ berücksichtigt, lässt darüber hinaus erkennen, dass John und Mark keineswegs bestrebt sind, mit ihren „Oldies“ im Programm ein wenig Kohle zu scheffeln, sondern dass RAVEN eine immerzu hart arbeitende Band geblieben sind.

Selbstredend wird aber auf Tracks wie „Hell Patrol“, „All For One“, „Faster Than The Speed Of Light“ oder „Rock Until You Drop“ nicht verzichtet, wobei die Mitsingspielchen ebenso blendend funktionieren wie Johns immer noch unnachahmlich schrille Stimme. Nach dem Schlussakkord mit dem obligatorischen Finale „Break The Chain“ scheint ein wenig Zeit übrig zu sein, weshalb noch eine fetzige Version von „Born To Be Wild“ folgt. Feine Sache! Schade bloß, dass Udo Dirkschneider in diesem Jahr nicht hier gastiert. Eine Bühne-Fassung dieser, einst auf der legendäreren 1983er-EP „Break The Chain“ enthaltenen Kooperation wäre wohl ein absolutes Festival-Highlight gewesen.

Aber auch ohne Gäste liefern RAVE einmal mehr eine beeindruckende Show und lassen zudem erkennen, dass sie konditionell immer noch locker mit der „Jugend“ mithalten können. Respekt! Oder, ums mit John Gallagher zu sagen: Rrrrreeeeeeeeeeeeeeessssssppppppppppeeeeeeeeeeeeecccccttttttttttt! [Walter Scheurer]

DIAMOND HEAD
Die Hairmetaller VAIN und RAVEN fielen einer Erholungspause zum Opfer. RAVEN hatte man doch schon öfter gesehen, VAIN hingegen sollten eine überraschend gute Performance abgeliefert haben, schade! Die NWoBHM-Legenden DIAMOND HEAD hatte ich als Liveact weniger auf dem Radar, dennoch überzeugte der Fünfer um Gitarrist Brian Tatler mit einer recht flotten und knackigen Performance, während Sänger Rasmus Andersen für Bewegung sorgte. Mit Klassikern wie „The Prince“, „It´s Electric“ und „Helpless“, allesamt vom wichtigen und einflussreichen 80er Debut „Lightning To The Nations“, zogen die Engländer alle Register, mischten noch Nummern vom 2016er Album (etwa der Opener „Bones“) drunter und gingen mit dem abschließenden Evergreen „Am I Evil?“ als Sieger von der mit einem vergleichsweise mickrigen Backdrop ausstaffierten Open Air-Bühne.

Soundmäßig überraschend flott und knackig: DIAMOND HEAD

VICIOUS RUMORS
Feierten im Anschluß einen Liveerfolg, der sich gewaschen hatte. Am Mikro war Brian Allen zurückgekehrt (bei der Hallenshow 2013 war noch Carl Alberts Sohn dabei), kein Fehler, wenn man das Lauf- und Actionpensum des Fronters begutachtete und den Mut des Guten bewunderte, sich ins Publikum zu wagen. Meister Thorpe geigte ebenfalls groß auf, schoß als zweiten Song bereits den Mitbrüller „Digital Dictator“ raus, den Rest der Bühnenshow erledigten die beiden Energiebündel an den Saiten, die etwa zum speedigen „Hellraiser“ die Haare fliegen ließen. Für fetten Wumms von hinten sorgte Drummer Larry Howe, der sich sichtlich voll ins Zeug legte. Leider fielen aufgrund der knappen Spielzeit einige Klassiker unter den Tisch, das Finale mit der Hymne „Soldiers Of The Night“ und dem Smasher „Digital Dictator“ versöhnte allerdings. Tosender Applaus feierte verdientermaßen eine der beeindruckensten und dynamischsten Vorstellungen des gesamten Festivals!

Geoff Thorpe und seine Mannen überzeugten mit einer High Energy-Metalshow

KATAKLYSM
Das Experiment, die Ahorn-Härtner auf der Hauptbühne auftreten zu lassen, darf trotz meiner Bedenken als gelungen betrachtet werden. Maurizio und sein Rollkommando sind absolute Bühnenviecher und –profis, denen es gelang, weite Teile des traditionell ausgerichteten Publikums für sich zu gewinnen, eine nicht zu unterschätzende Leistung bei der brachialen Herangehensweise des Quartetts! Der Einstieg mit „Breaching The Asylum“ war gelungen, danach flogen die Haare im Takt der modernen, eher grooveorientierten Nummern (etwa „Thy Serpent´s Tongue oder „Push The Venom“), unter die selektiv Alt-Abrißbirnen („Let Them Burn“) gemischt wurden.

Die Macht höchstpersönlich wurde in Form von „Taking The World By Storm“ und dem Brutalo-Brecher „Crippled And Broken“ aufgeboten, alles bei besten Soundverhältnissen. „They Told Us To Be Careful“ meinte der gestenreich agierende Maurizio in puncto Songauswahl für´s heutige Festival. Doch das Experiment war gelungen, KATAKLYSM zeigten eine reife Leistung und lieferten eine der rundesten Performances des gesamten Festivals.

Trotzte den Widrigkeiten und bolzte mächtig...das Ahorngeschwader KATAKLYSM

DOKKEN
Der Don machte im Anschluß alles richtig. Alte Gesangsleistungen sind für den auch schon 64jährigen nicht mehr stemmbar, das weiß er, das weiß sein Publikum, insofern wurde das mit Melodic Hardrock-Hits gespickte Set in etwas tieferer Tonlage vorgetragen. Über den Rest halfen ihm die Backings seiner Rhythmussektion hinweg. Natürlich sind seit der seligen Achtziger (die Hochzeit dieser Art von Sound) einige Monde vergangen und Gitarrist John Levin kein George Lynch, dennoch entführten die Amerikaner das Gros der BYH-Besucher in ihre Jugendzeit, als Tracks „Into The Fire“, „Breaking The Chains“ oder das coole „The Hunter“ so manche Party aufheizte, emotionale Songs wie „Dream Warriors“ oder „Alone Again“ für feuchte Träume sorgte und „Kiss Of Death“ angehende Gitarristen befeuerte. „Tooth And Nail“ beschloß das trotz des ein wenig statischen Charakters unterm Strich gelungene Set eines der Acts, denen ich mit der größten Neugier und Angst vor Misserfolg entgegengesehen hatte.

SETLIST: Don“t Close Your Eyes/The Hunter/Kiss Of Death/Into The Fire/Breaking The Chains/Dream Warriors/Alone Again/Maddest Hatter/Too High To Fly/In My Dreams/Tooth And Nail

Der gute Don kann es noch immer...zwar nicht mehr so hochtönig wie früher, aber immer noch durch und durch DOKKEN

THE MICHAEL SCHENKER FEST
Zu einem „FEST“ der besonderen Art lädt am Samstagabend Gitarren-Held Michael SCHENKER, der sich in Balingen zum einzigen Mal in dieser Saison im deutschsprachigen Raum auf einer Festival-Bühne die Ehre gibt. Bei schlicht traumhaften Sound-Verhältnissen in allen Bereichen des Geländes, zeigt der topfit wirkende Michael zunächst seine unumstrittene Fingerfertigkeit an seinem Arbeitsgerät, ehe er zum ersten Mal an diesem Abend auch die Moderation der Show übernimmt und mit Gary Barden den ersten seiner Gäste präsentiert. Der zeigt sich in der feinen Darbietung von „Let Sleeping Dogs Lie“ als stimmlich überaus fit, wirkt jedoch irgendwie "hibbelig". Dennoch, den Grundstein für einen ausnahmslos bejubelten Auftritt kann die Formation - zu der übrigens auch die alten MSG-Recken Chris Glen, Ted McKenna und Steve Mann zählen - damit legen. Es folgen „Attack Of The Mad Axeman“ und „Armed And Ready“, wobei sich Gary deutlich gelöster zeigt und seine offensichtliche, anfängliche Nervosität ablegt. Sein Bühnen-Gebaren fällt zwar später noch einmal eher eigentümlich auf, an seiner Gesangs-Performance dagegen gibt es nichts zu Meckern.

Mit dem nächsten Instrumental „Coast To Coast“ leitet Michael elegant in den nächsten Show-Block über und begrüßt Graham Bonnet auf den Brettern. Der erweist sich einmal mehr als Dressman der besonderen Art und setzt mit seinem rosafarbenen Jackett einen selbst aus weiter Entfernung erkennbaren farblichen Kontrast zu den vorherrschenden dunklen Bekleidungsfarben. Als "auffällig" muss seine Vorstellung generell bezeichnet werden, leider jedoch nicht unbedingt positiv. Leider liegt er nämlich nicht nur in seiner ersten Nummer „Desert Song“ einigermaßen neben der Spur, auch „Dancer“ und „Assault Attack“ hat man von ihm schon eindrucksvoller gesungen gehört, auch wenn sich Graham gegen Ende doch einigermaßen treffsicherer erweist.

Doch das ist der einzige Kritikpunkt an der Show, der auch schon bald kompensiert werden kann. Überaus positiv überrascht nämlich danach Robin McAuley, den Michael nach „Captain Nemo“ zu sich auf die Bühne bittet. Der gute Mann ist nicht nur als Performer auf der Bühne gereift und erweist sich als die "Rampensau" schlechthin, auch seiner Stimme hat die langjährige Szene-Absenz nichts anhaben können. Daher klingen „Bad Boys“ und „Save Yourself“ nicht nur einwandfrei und frisch, seine kraftvolle Darbietung lässt die Nummern im Endeffekt sogar erheblich knackiger klingen als die seinerzeit doch einigermaßen auf MTV und Radio getrimmten Originale. Das trifft an sich auch auf „Love Is Not A Game“ zu, das von Michael zusätzlich mit einem langen, melodischen Solo-Part angereichert wird.

Dem Chef auf den Brettern merkt man generell seine Spielfreude an, weshalb die ebenso von McAuley gesungene Version des alten UFO-Klassikers „Rock Bottom“ zu einem wahren Feinschmecker-Menü für Gitarren-Freaks und SCHENKER-Fans im Speziellen gedeiht. Durch einen eleganten "Alleingang" in der Mitte auf gefühlte zehn Minuten gedehnt, erweist sich die Version als perfekte Hommage an die die legendäre UFO-Live-Scheibe "Strangers In The Night" und dürfte nicht wenigen Fans im Publikum die Freudentränen in die Augen getrieben haben. Doch selbst bei unkontrollierbarer Euphorie, hätte hier nichts passieren können, schließlich steht zum Abschluss der wohl berühmteste Rock-Medicus aller Zeiten auf der Bühne und wird von der Band und allen drei Sängern (Robin McAuley überzeugt erneut in allen Belangen, Graham Bonnet ist interessanterweise verhältnismäßig selten zu hören, Gary Barden indes scheint irgendwie völlig überdreht zu sein und versucht offenbar eher seinen Bewegungsdrang auf den Bretter auszuleben als zu singen) auf mitreißende Manier dem Publikum vorgestellt.

Schade zwar, dass nach „Doctor, Doctor“ tatsächlich Schluss ist, dennoch muss festgehalten werden, dass sich Michael SCHENKER mit diesem "FEST" einen Gefallen getan hat, denn das Publikum zeigt sich wirklich begeistert und mehrfach sind Stimmen zu vernehmen, die MSG in ähnlicher Form und Verfassung als absolut Headliner-würdig betrachten.Hammer-Auftritt, Super-Setlist – Danke! [Walter Scheurer]

Hardrock-Klassiker und Entertainment: MICHAEL SCHENKER feierte mit vielen Gästen

HAMMERFALL
Der Headliner des Finaltages lieferte, wie auch erfahrene HAMMERFALL-Liveseher bestätigten, heute ein famoses Konzert ab, das als Gesamtpaket den Vortagesheadliner VINCE NEIL in noch schwächeres Licht rückte. Der Hammer regierte, es galt, das Erfolgsalbum “Glory To The Brave“, das heuer sein 20jähriges Jubiläum feiert und seinerzeit den Metal „zurückgebracht“ hat, gebührend zu feiern. Sympathisch waren die Ansagen von Joakim Cans, professionell bei Stimme war der Gute ebenfalls und auch seine Warriors lieferten bei tollem Livesound eine absolut headlinerwürdige Performance, gespickt mit Metal-Hymnen für die Ewigkeit („Any Means Necessary“, „Bloodbound“, „Last Man Standing“…), ab, während „Let The Hammer Fall“ breitbeinig rockte.

Klar wirkten so manchen Abläufe etwas einstudiert, ist klarerweise so bei Profi-Shows, die Kunst dabei ist es, das Ganze wie zufällig wirken zu lassen. Doch egal, geile Lichtshow, Nebelwerfer und Feuersäulen (wie schon bei SAXON) & Co. rundeten das reguläre Set ab. Der Zugabenteil mit „Hammer High“, „Bushido“ und „Hearts On Fire“ riß den Hammer noch einmal hoch über das enthusiastische Publikum, das eine echte Deluxe-Headlinershow geboten bekam, welche dementsprechend bejubelt wurde, während das Festival mit dem obligatorischen Feuerwerk beschlossen wurde.

HAMMERFALL feierten "Glory To The Brave" und überzeugten als toller Headliner!

THE UNITY
Der Andrang in der Halle lässt erkennen, dass die Show der erst vor wenigen Monaten gegründeten norddeutschen Formation THE UNITY mit Spannung erwartet wird. Die Band besteht bekanntermaßen aus den beiden GAMMA RAY-Recken Henjo Richter und Michael Ehré sowie den bis vor kurzer Zeit unter dem Banner LOVE.MIGHT.KILL aktiven Herren Stefan Ellerhorst (G), Jogi Sweers (B), Sascha Onnen (K) sowie Gianbattista Manenti am Mikro und nicht zuletzt auf Grund der Routine der Herren ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Der wird das Sextett aber locker gerecht, zumal es sich von einer sehr spielfreudigen Seite zeigt und mit Vollgas loslegt. Speziell Gianbattista zieht von Beginn an die Blicke auf sich, da er nicht nur für astreinen Gesang sorgt, sondern vor allem in seiner Funktion als Frontmann vollends aufgeht. Man mag durchaus ironisch darauf verweisen, dieses Talent würde einzig durch seine italienische Herkunft begründet sein, was natürlich Quatsch ist. Viel mehr liegt es am Umstand, dass Gianbattista ein gewitzter Entertainer ist, der das Publikum nicht nur zum Mitmachen zu animieren versteht, sondern die Meute von Anfang an auch begeistert mitreißt.

Mimik und Gestik passen generell, denn auch die beiden ihn flankierenden Gitarristen lassen erkennen, dass wir bei THE UNITY einer Gruppe von Vollprofis bei der Arbeit zusehen dürfen. Selbst in den technisch anspruchsvolleren Passagen suchen Henjo und Stefan immer den Augenkontakt mit dem Publikum und wissen durch große Posen ihren Sänger zu unterstützen. Tadellose Leistung! Das trifft selbstredend auch für ihre eher im Hintergrund agierenden weiteren Mitstreiter und ebenso für die satt aus den Boxen kommenden Background-Vocals zu. Die werden vom Publikum immer wieder lautstark unterstützt, weshalb die Show zu einer für alle Beteiligten unterhaltsamen und erfolgreichen wird. Kurzum, eine überaus gelungene Vorstellung der Nordlichter, die mit „No More Lies“ zudem einen mehr als nur potentiellen Chartbreaker im Talon haben. Gut möglich, dass die "Bang Your Head!!!"-Premiere von THE UNITY eine Fortsetzung findet, schließlich passt das melodische Songmaterial perfekt ins Programm und zudem findet die Band auf Anhieb Anklang beim Publikum. Was will man mehr? [Walter Scheurer]

EVIL INVADERS
Was die Belgier (im Anschluß an THE UNITY sowie den Opener Jagger und sein wackeres Brachialbröckerl DISBELIEF) in der Halle für ein Speed-Feuerwerk abbrannten, ist kaum mit Worten wiederzugeben. Allen fachkundigen Anwesenden blieb ob der Spielfreude und der an den Tag gelegten Energie des Vierers der Mund offen stehen. Obwohl man von den Alben und bisherigen Liveerlebnissen bereits bestens vorbereitet war, überraschten die INVADERS auf voller Länge und fegten mit Spielwitz und High Speed schlichtweg über alles hinweg.

Die Nebelwerfer wurden voll auf Anschlag hochgedreht und machten die Bühne dicht wie zuletzt beim MAYHEM-Gig in München, doch die durch die dichte Nebelwand durchdringenden roten und grünen Lichtkegel verliehen dem Szenario eine noch diabolischere und eindringliche Atmosphäre, die unweigerlich an alte VENOM-Exzesse im Hammersmith Odeon erinnerten. Das überdrehte Quartett schien völlig enfesselt und dem hysterischen Wahnsinn anheim gefallen zu sein und überzeugte nicht nur mit eigenem High Speed-Gebretter a la „Raising Hell“, „Fast, Loud n´ Rude“ oder „Victim Of Sacrifice“, sondern bot mit „Violence And Force“ auch den EXCITER-Brüller sowie neues Material von in Bälde erscheinenden Longplayer auf („Mental Penitentary“).

Ein spätes und für viele „Unvorbereitete“ absolut überraschendes Highlight des Festivals. Wer nach der Warm-Up und drei vollen Festivaltagen noch Kraft und Lust hatte, konnte sich noch AXXIS in der Halle anschauen. Der Rest hatte einen weiteren BANG YOUR HEAD-Overkill mit drei vollen Festivaltagen plus Warm Up-Show überstanden und fiel wohl mehr als müde ins Bett.

Unglaublicher Energieschub: EVIL INVADERS zerstören in der Balinger Messehalle!
 

HIER geht es zum LIVEREPORT von der Warm-Up-Show und Tag 1!

Fotogalerien zu allen Bands findet ihr HIER!

 


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