Bands & Breakfast - Das etwas andere Projekt

Veröffentlicht am 28.07.2017

BANDS & BREAKFAST – ein etwas anderes Projekt!

Durch eine FB Bekanntschaft bin ich auf die Seite Bands & Breakfast gelangt. Ich dachte zunächst an einen Schreibfehler, denn der Begriff Bed & Breakfast ist ja relativ geläufig. Neugierig wie ich nun mal bin, habe ich mir die Seite angeschaut und mit Staunen nach dem alten Sprichwort „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ festgestellt, dass es keine Werbung für eine Pension, Motel etc. ist sondern etwas komplett anderes: Wie viele wissen, müssen sich gerade kleine Bands fast alles selbst finanzieren um bei Konzerten aufzutreten, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und mit Merchandising etwas Geld in die Bandkasse zu bekommen. Gerade für diese Bands gibt es jetzt in der Schweiz, genaugenommen in Zürich, ein privates Projekt, das sich eben Bands & Breakfast nennt. Steffi und Mike Eichert haben dieses Projekt gegründet und stellen jungen Bands, die gerade ein Konzert in der Gegend haben, gratis eine Nacht mit Frühstück zur Verfügung.

Um mehr über dieses Projekt zu erfahren habe ich die Beiden dazu befragt:


Bitte stellt euch unseren Lesern erst mal kurz vor...

Wir sind Steffi und Mike Eichert aus Zürich und die Gründer, sowie Eigentümer vom Projekt Bands & Breakfast.


Wie seid ihr auf die Idee zu diesem Projekt gekommen?

Früher, bis ca. 2015, waren wir regelmäßige Besucher eines Gothic Events in Zürich, welches jedoch musikalisch und publikumsmäßig mehr und mehr zum Mainstream wurde. Außerdem störte es mich, dass Schweizer Veranstalter ihre Events immer in unterschiedlichen Gruppen posteten und man so den Überblick schnell verlieren konnte. Also kam ich auf die Idee, alle Veranstaltungen in einer Facebookgruppe zu vereinen. Als wir wieder einmal Mittwochs auf die "More than Mode" Party gehen wollten, wie die wöchentliche Gothicveranstaltung im X-Tra heißt, wurden wir von einem Wiener Promoter auf eine Deutsche EBM Band Namens SCHRAMM aufmerksam gemacht und für den folgenden Gig eingeladen. Da uns die Band und deren Musik gefallen hat, boten wir ihnen an, sie für den kommenden Gig zu unterstützen. Dies machte uns so viel Freude, dass wir beschlossen, selbst Veranstaltungen unter dem Namen "Hardcore Events" austragen zu wollen. Allerdings haben Lage, Zeitraum und andere Gründe uns gezwungen, etwa ein halbes Jahr später den stark umkämpften Markt aufzugeben, um nicht selbst vor den Ruin zu stehen.


Wie ist es dann weiter gegangen?

Nach einer etwas längeren Pause haben wir einen Post auf FB gelesen, wo eine Schweizer Veranstalterin für ihre gebuchte Band KROMA einen günstigen Übernachtungsplatz gesucht hat. So haben wir nach kurzem Überlegen entschieden, die Jungs für die Zeit ihres Aufenthaltes bei uns übernachten zu lassen. Da uns dies sogar mehr Freude bereitet hat, als die Eventplanerei, haben wir überlegt, ob und wie wir das Ganze weiter machen wollen.
Nach kurzem Überlegen und einigen Namensversuchen, entstand durch den allgemeinen Bed & Breakfast-Sinn, der Name "Bands & Breakfast". Die Idee dahinter ist ganz simpel: Von der Szene, für die Szene. Da wir unsere eigenen vier Wände mit sechs Schlafplätzen eh bezahlen müssen, ob nun Gäste da sind oder nicht, haben wir entschieden, dass wir kein Geld für die Übernachtung und das Essen verlangen wollen. Einzig, bei längerem Aufenthalt fallen Parkgebühren an. Ausserdem können optional mögliche Freizeitkosten wie Fahrtkosten, Eintrittspreise oder Ähnliches anfallen.


Wie ist das bei den verschiedenen Bands angekommen?

Damals wie heute betreiben wir "Bands & Breakfast" als Hobby, setzen uns aber selbst professionelle Auflagen für unsere Gäste als Maßstab. Denn wir sind der Meinung, nur weil etwas als Hobby betrieben wird, soll es nicht auch als solches nach außen getragen werden. Darunter fällt nicht nur die eigene hohe Erwartung an uns selbst, sondern wir wünschen uns auch die nötige Unterstützung seitens der Gäste, Manager und Fans (was allerdings optional ist und keinesfalls als Zwang verstanden werden soll), denn wir wollen für die Bands wachsen und unsere eigenen Kompetenzen, Möglichkeiten und Angebote, sowie Schlafplätze erweitern. Allgemein gesagt, schätzen sowohl unsere Gäste, als auch alle bisher angesprochenen Bands und Musiker unser Angebot als sehr positiv.

 

 
Wie treten Bands mit euch in Kontakt und habt ihr spezielle Auflagen?

Aktuell sind wir einzig über Facebook über unsere eigens dazu errichtete Bands & Breakfast Seite erreichbar. Planungen einer eigenen Homepage sind jedoch bereits im Laufen. Jedoch sind bereits wichtige Bestandteile schon auf unserer Facebook Seite ersichtlich und im privaten Dialog über den Chat können weitere Informationen und Bookings eingeholt werden. Anfangs haben wir bewusst auf einen Vertrag verzichtet, nicht zuletzt, weil wir anders, als Veranstalter Bands und Musiker nicht durch zusätzliche Verträge abschrecken wollten. Da wir aber im letzten Jahr eine schlechte Erfahrung gemacht haben, die nicht nur das Projekt, sondern auch unsere Berufe gefährdet haben, mussten wir als Konsequenz einen informativen Vertrag aufsetzten. Was, genauer betrachtet bedeutet, dass wir hierbei eine Null Toleranz bei Drogen haben, Alkohol nur in erträglichen Massen dulden, um bei Überdrehung der Gäste die Nachbarn nicht in der Nacht zu wecken, was zu weiteren Konsequenzen führen könnte, sowie zeitlich begrenzte Bookings, um dieses Projekt mit unseren Berufen überhaupt vereinbaren zu können.


Gibt es spezielle Kriterien bei der musikalischen Ausrichtung von Bands?

Gewisse Kriterien bezüglich der Stilrichtung gibt es natürlich auch. Da wir selbst aus dem Gothic/EBM, sowie Rock/Metal Bereichen kommen, aber auch Mittelalterliche Musik zu schätzen wissen, bevorzugen wir natürlich diese Übergruppierungen, wie auch deren vielseitigen Unterschichten. Was für uns überhaupt nicht geht sind Schlager, Mainstream, HipHop und/oder Rap.


Bekommt ihr eventuell Gegenleistungen von den Bands wie z.B. CDs oder freien Konzerteintritt?

In der Regel kommen uns unsere Gäste/bzw. deren Manager schon mit kleinen Dankbarkeiten entgegen, ob und wie diese jedoch aussehen, obliegt den Bands und Managern persönlich und darauf wollen und haben wir auch keinen Einfluss. Aber keine Regel nur Ausnahme.


Habt ihr auch schon schlechte Erfahrungen mit Bands gemacht?

Die Bands, die wir bisher immer beherbergen durften, waren allesamt sehr freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Die einzig schlechte Erfahrung, wie bereits oben erwähnt, hatten wir letztes Jahr mit einer Veranstalterin selbst gehabt.


Wie ist die derzeitige Auslastung?

Die Auslastung könnte ruhig höher sein, da wir noch viele Wochenenden haben, wo wir freie Plätze zur Verfügung haben. Jedoch ist unsere Regel so angelegt, dass mindestens sieben Wochen vor einem geplanten Gig die Bookingsanfrage bei uns eingeht und bis spätestens sechs Wochen vorher unser Vertrag zurück geschickt werden muss, da andernfalls das mögliche Booking nicht berücksichtigt werden kann.

 


Wollt ihr das in weiterer Zukunft beibehalten oder gibt es ein Ablaufdatum?

Ein Ablaufdatum gibt es aktuell keins. Was wir allerdings möchten ist, das Projekt auf einem eigenen  Land zu erweitern und auch mehr Möglichkeiten für Bands, Musiker, aber auch Fans anzubieten.


Das Wort CROWD FUNDING ist ja jetzt sehr in Mode, was hält ihr davon für eurer Projekt so etwas zu starten?

Generell halten wir es für sehr lohnenswert, jedoch haben wir uns dazu entschlossen, dies noch für uns offen zu halten und stattdessen haben wir ein Spendenkonto eingerichtet, auf das man gerne spenden kann und darf. Die Daten hierzu findet man ebenfalls auf unserer Facebookseite Bands & Breakfast.

 


Danke für eure Antworten und ihr habt natürlich das letzte Wort und könnt unseren Lesern (unter denen ja auch viele Bands sind) eine Message schicken!

Natürlich würden auch wir uns über steigende „Likes“ auf Facebook freuen, das gleiche gilt natürlich auch für steigende Zahlen an Bookings. Man muss natürlich bedenken, dass wir nur eine begrenzte Anzahl an Schlafplätzen haben, daher können wir für den aktuellen Zeitpunkt nicht jede Band aufnehmen, auch wenn wir dies nur allzu gerne würden. Jedoch, mit etwas Glück und Unterstützung, können wir das Angebot langfristig erweitern, vergrößern und somit auch die Anzahl der Schlafplätze um ein vielfaches erweitern.

 

Wir von Stormbringer finden dieses Projekt, welches sich vor allem an kleine Bands richtet, sehr gut und hoffen, dass die Betreiber weiterhin Erfolg damit haben und vielleicht der eine oder andere, der ähnliche Möglichkeiten hat, diese Idee aufgreift.


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