Das Metalmuseum: BATHORY - Blood Fire Death

Veröffentlicht am 24.07.2017

"Soon the dawn shall arise
For all the oppressed to arm
A chariot of thunder
Shall be seen
And bronze horns
Shall sound the alarm"

"Bald erhebe sich der Morgen
damit sich alle Unterdrückten wappnen
Ein Streitwagen des Donners
werde gesehen
und bronzene Hörner
ertönen den Alarm"

BATHORY - Blood Fire Death (1988)

Meistens verhält es sich in der Musikgeschichte genauso wie überall anders auch, wenn es darum geht, dass etwas Neues entsteht. Merkliche Veränderungen geschehen nicht von einem Tag auf den anderen, nein. Sie brauchen, wie so viele Dinge, eine lange Zeit, um tatsächlich zu entstehen. Dinge wie der Metal selbst waren nicht von einem Tag auf den anderen einfach da, sondern unterlagen immer einer gewissen Zeit, in dem sich das Alles entwickeln konnte, reifen konnte, um letztendlich als etwas Eigenes aus der Masse herauszutreten. "Gut Ding braucht Weile" möchte man fast sagen. Doch es gibt immer wieder Musiker, denen solche "Spielregeln" vollkommen egal sind, Künstler, die uns beweisen, dass einer allein schon ausreichen kann, um etwas Bahnbrechendes aus dem Boden zu stampfen und die Musiklandschaft zu formen. Leute wie diese werden dann gerne als Ikonen ihrer Musikepoche angesehen, ganz gleich, ob sie dieses Ziel nun verfolgten oder nicht. Tja, wenn man eine solche Ikone im Bereich Metal sucht, wird man zwangsläufig auf den Namen Thomas Forsberg treffen, der den meisten aber wohl eher unter seinem Pseudonym Quorthon bekannt sein dürfte. Dieser Mann, so umstritten, wie er Zeit seines Lebens bei vielen auch gewesen sein mag, hat es in den kurzen 39 Jahren, die ihm auf der Erde vergönnt waren geschafft, gleich zwei Stilrichtungen, Black Metal und Viking Metal, maßgeblich mitzuformen, einige würden vielleicht sogar sagen, er habe diese Dinge fast im Alleingang "erfunden". Ob man dies nun wirklich so stehen lassen kann, das kann man sich natürlich zur Genüge ausdiskutieren, gab es dafür doch zumindest im Black Metal auch noch andere Anwärter wie beispielweise die Urgesteine von VENOM. Tatsache bleibt aber, dass der Name Quorthon und in diesem Zusammenhang auch seine Band BATHORY unwiderruflich mit der Entwicklung dieser beiden Stilrichtungen zu tun hat. Unser heutiges Werk mit dem Namen "Blood Fire Death" stellt da einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte der Karriere dieses Mannes und seinen Musikerkollegen dar, denn es ist als eine Art Übergangswerk zwischen den zwei wirklich großen Schaffensphasen der Band zu sehen. Die Musik an sich hebt sich noch nicht wirklich von den ersten Alben von BATHORY ab, die Stimmung und vor Allem die Texte jedoch, die tun das deutlich. Dies alles macht "Blood, Fire, Death" neben dem Debütwerk "Bathory" vielleicht zum wichtigsten Album aus der Feder Qurthons und damit auch zu einem MUSS für einen Eintrag ins Stormbringer'sche Metalmuseum. Was ist damals geschen? Wie kam es dazu, dass sich Quorthon vom Black Metal abwandte und sich stattdessen entschloss, über den Glauben und das Leben der Nordmänner, etwas, das auch danach so viele faszinieren sollte, zu schreiben? Nun, dem wollen wir heute auf den Grund gehen...

Allgemein waren der Black Metal und der Viking Metal nicht die einzigen Schaffensphasen, die in der Geschichte von BATHORY existierten, im Gegenteil, Quorthon experimentierte Zeit seines Lebens sehr viel mit seiner Musik. So stand eben zu Beginn seiner Karriere zuerst satanistisch angehauchter, wie er selbst sagte, Death Metal am Programm, danach kam die Zuwendung zur nordischen Mythologie, dann wiederum die Abwendung von dieser Thematik und die Hinwendung zum Bay-Area Thrash Metal, nur um die letzten Jahre seines Lebens wieder die Thematik der Nordmänner aufzunehmen. Dies alles mag auf den ersten Blick relativ willkürlich wirken, doch erfolgte zumindest die eigentliche Zuwendung zur Mythologie der Nordmänner, zu den Geschichten von Heldentum und den alten Göttern, aus einem recht interessanten Grund, der BATHORY in der damaligen Zeit von vielen Kritik bescherte. Der Grund dafür, sich vom Satanismus abzuwenden war nämlich tatsächlich der, dass Quorthon diese Thematik als schlichte Zeitverschwendung ansah. So äußerte sich dahingehend, dass kein Mitglied der Band, ihn eingeschlossen, ein Satanist wäre, weil dieses ganze Konstrukt aus dem Christentum entstanden sei. Viel eher hätten sie eine antichristliche Einstellung, was die nordische Mythologie zu einer wesentlich interessanteren Themenwelt mache, da diese in ihrer ursprünglichen Form nichts mit dem Christentum zu tun hatte. Fans der ersten Alben von BATHORY sahen sich deswegen durchaus an den Kopf getreten, doch das war Quorthon egal. Sein Entschluss, sich in seinen Texten nun Odin und Co. zu widmen, stand fest, und das sollte den Musiker (mit einer kurzen Unterbrechung) auch bis zu seinem Tod im Jahr 2004 begleiten, obgleich dann möglichweise schon aus anderen Beweggründen. Angeblich soll sich Quorthon 2001 dahingehend geäußert haben, dass er seine Musik zum damaligen Zeitpunkt weniger für sich selbst, als für seine Fans machen würde, quasi als Dank dafür, dass er von seiner Musik leben kann. Musik beinah aus einer selbst auferlegten Schuld gegenüber seiner Fans zu machen? Davon darf jeder halten, was er will, sein weiteres Schaffen im Viking Metal spricht aber für sich.

Um aber wieder auf "Blood, Fire, Death" zurückzukommen, sollte zu seinen Texten gesagt werden, dass Quorthon bereits in den späten 80ern nicht mehr der einzige war, der sich der nordischen Mythologie in seinen Texten annahm, das hatten in Wirklichkeit MANOWAR, die selbsternannten "Könige des Metal" bereits vor ihm auf dem Album "Sign of the Hammer" getan. Dies hatte laut Aussagen des Musikers aber in keinster Weise mit seiner Entscheidung zu tun, sich dieser Themenwelt zuzuwenden, im Gegenteil, angeblich hätte er diese Thematik gar nicht ausgewählt, hätte er gewusst, dass er dafür als "MANOWAR-Klon" hätte abgestempelt werden können, mehr noch, angeblich habe er die Band in der damaligen Zeit selbst nicht gehört und meinte sogar, er "könne eine Band, die Unterwäsche aus Fell trägt, nicht für voll nehmen" (Ich hätte mich dahingehend wohl sehr gut mit ihm verstanden). Mit Ausnahme eines Punktes, der später noch Erwähnung finden soll, konnte "Blood Fire Death" sich allerdings deutlich von den damaligen Werken MANOWARs absetzen, auch der Produktionsaufwand war ein völlig anderer. Das als Produktionsort angegebene "Heavenshore-Studio" war nämlich laut Angaben von Quorthon nichts weiter als eine Garage in Stockholm, die seit 1995 nicht mehr existiert. Das kam der absichtlich rauen und schlichten Produktion, die in den nächsten Jahrzehnten zumindest im Black Metal zu einem wichtigen Stilmittel entwickelte, natürlich sehr gelegen.

Was ist nun aber mit der Musik der Band selbst, die so viele zukünftige Musiker so nachhaltig inspirieren konnte und damit den Startpunkt für ein ganzes Subgenre legte? Nun, zunächst sei einmal gesagt, dass der wohl prägendste Song auf dem Album, der es sofort schafft, die gewollte Stimmung für ein Werk rund um die Religion der Nordmänner zu schaffen, direkt den Startpunkt von "Blood Fire Death" markiert. Das reine Instrumental zu "Oden Ride Over Nordland" ist sehr schwer zu beschreiben. Nach der Einleitung durch den erschütternden Klang von wilden, galoppierenden Pferden, der nach und nach in den Hintergrund tritt, entwickelt sich das Lied langsam, aber sicher zu einer von unheilvollen und doch markerschütternd epischen Männerchören geleiteten "Wilden Jagd" über dem Horizont, welche nach und nach durch melancholische Orgelklänge und dem Klingen von aneinanderschlagenden Becken noch eindrucksvoller musikalisch dargestellt wird. Kurz gesagt: Das Intro dieses Albums ist schlichtweg ehrerbietend und lässt einen regelrecht vor dem musikalischen Antlitz dessen, was da noch kommen mag, erschaudern. Danach folgt sehr schnell das, was man zur damaligen Zeit von BATHORY gewohnt war: Rau produzierter, wütender Black Metal mit eigenartig mitreißender, wenn auch oft schwer auszumachender Melodik, die ab und zu auch Thrash-Elemente erkennen lässt ("Pace Till Death").

Besonders hervorzuheben sind die immer wieder vorkommenden, irrwitzig schnellen Ausbrüche der Leadgitarre und vor allem die sehr stampfende Rhythmusvorgabe durch die Drums. Diese erinnert nicht von ungefähr an MANOWAR, ist sie doch, wenn auch nicht durch Quorthon selbst, sondern auf Wunsch des damaligen Drummers der Band, Vvornth, in die Musik eingeflossen, der selbst ein großer Fan der "Könige des Metal" war. Dementsprechend wurden viele der Lieder um genau diesen Beat herum geschrieben. Diese wirken dadurch im Vergleich zu BATHORYs Debütalbum wesentlich heroischer und können zumindest in dieser Hinsicht an MANOWAR erinnern, was jedoch in keinster Weise die Intention der Band war, wie ein Zitat von Quorthon bestätigt: "Als ich fertig war, sagte er mir, dass sich das wie MANOWAR anhört und ich sagte, dass ich die Band nicht kenne. Wir wären damals wahrscheinlich gestorben, wenn wir daran gedacht hätten, dass uns jemand mit MANOWAR in Verbindung bringen könnte. Wir hätten vermutlich gesagt, dass wir das nicht machen können, da die Leute glauben, wir hätten die Band einfach kopieren wollen.“ Immer wieder sind in verschiedenen Songs auf "Blood Fire Death" akustische Intros beziehungsweise Outros zu vernehmen, wohl einerseits, um einer eventuell aufkeimenden Monotonie entgegenzuwirken, andererseits, um dem Album einen weiteren Stoß in Richtung "mittelalterliche Athmosphäre" zu geben. Alles in Allem lässt das "Blood Fire Death" zwar noch sehr nach den ursprünglichen BATHORY klingen, man erkennt jedoch auch schon klar und deutlich, wohin es die Band in den nächsten Jahren noch verschlagen sollte.

Wenn man die Lyrics des Albums betrachtet, so sind diese wohl das damals herausstechendste Merkmal des Albums, aus dem sich ablesen lässt, was BATHORY in Zukunft schaffen wird. Die meisten der Texte drehen sich wie gehabt um die alten Werte der Wikinger, einen ehrenvollen Tod in der Schlacht sowie ihre Götter im weit entfernten Reich Asgard. Doch sind dies nicht die einzigen Thematiken, um die es sich auf "Blood Fire Death" dreht, besonders hervorzuheben ist da der Song "Holocaust", der sich mit der Thematik des Atomkriegs beschäftigt und damit weit vom eigentlich angedachten Themenbereich abweicht. Zusätzlich dazu lassen sich in einigen Lyrics noch Anzeichen auf das frühere, düsterere Schaffen BATHORYs finden, beispielsweise in "The Golden Walls Of Heaven" sowie in "Dies Irae". In diesen sind so genannte Akrosticha enthalten, die auf santanistische Inhalte hindeuten, was laut Band allerdings nicht ernst gemeint war. Gesanglich bietet das Album genau das, was man bis zum damaligen Punkt von Quorthon erwarten konnte: Aggressive, gequälte Schreie, welche die Energie, die in die Musik gesteckt wurde, nochmals untermauern, auch wenn sie sich oft, möglicherweise gewollt, möglicherweise nicht, im Off-Beat befinden und damit ein ganz eigenes Hörerlebnis fördern, auch wenn einem dieses Hörerlebnis zugegeben nicht zwingend zusagen muss.

Letztendlich bleibt also wohl nur zu sagen, dass das, was BATHORY so groß gemacht hat, nicht nur in erster Linie die Musik war, die die Band auf die Welt losließ. Was vielleicht noch bedeutsamer war als das, war schlicht die Idee hinter alledem, in diesem Fall dieser Einfall, sich durch die Geschichten der Heldensagen aus dem Norden auszudrücken und nicht länger auf satanistische Texte zu bauen. Dieser Wandel kam sicher nicht von einem Tag auf den anderen, jedoch ging er sehr schnell vonstatten, traf viele Hörer damals wohl reichlich unerwartet und hat damit auch viele unglücklich gestimmt. Man muss die Musik von Quorthon und seinen immer wieder wechselnden Bandkollegen nicht mögen, nein, das muss man wirklich nicht. Dennoch sollte das, was sie für die kommenden Generationen an Musikern geleistet haben, nicht unterschätzt werden. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass, hätte es Alben wie "Blood Fire Death" oder die darauffolgenden Werke wie "Blood On Ice" nicht gegeben, wohl viele der Bands, die heute von so vielen gehört und gemocht werden, nie entstanden wären, und wie viele Musiker können das schon von ihren Werken behaupten?


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