Marrok - Days Of Mercury

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VÖ: 24.08.2012
Bandinfo: Marrok
Genre: Alternative Metal
Label: Brainstorm Music Marketing/Hellfest Records
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

Just for the beginning: Ja, es gibt Alben, zu denen gibt es auch auf unserer Page mehrere Reviews. Mag daran liegen, dass es sich entweder um echt gute Scheiben handelt, oder weil einem Privat eine CD so gut gefällt, dass man sich einfach öffentlich dazu äußern MUSS, ODER, wie in diesem Fall, man einfach auch die Art Review vorfindet, in der mal leicht über die Stränge geschlagen wird. So wie in meinem Fall, denn ich schreibe jetzt nicht wie in jeder zweiten Review darüber, welches Gitarrenmodell sich mit welchen Amps im Mastering besser gemacht hätte, sondern lechze geradezu nach Konzept-Musik mit "Deeper Meanings" und genau das bietet MARROK einfach seit eh und je. Ja, ich liebe diese Partie einfach und hoffe, dass die wenigen, die sich durch diesen Wälzer lesen, am Ende genauso fasziniert sein werden. Viel Spaß! Und DANKE an Philipp, Patrick, Flo und Markus (inkl. den dazugehörigen Freundinnen), sowie das ganze High Five!-Team für die extrem gute Freundschaft!!


Schneller, härter, MARROK!
Endlich melden sich Österreichs Vorzeige-Alternative-Metaller mit einem neuen Full-Lenght-Album zurück. Und das hat es verdammtnochmal in sich. Ja, das liest man bestimmt öfter mal wo, aber hier meinen wir "so richtig" dick! Zeiten ändern sich, Musiker reifen und dass die Zeit auch an diesen vier jungen Herren nicht spurlos vorbeigezogen ist, machen sie mit ihrem neuen Meisterstück mehr als nur deutlich. Lehnt euch zurück und lasst euch in eine Welt entführen, die es in dieser Form bald nicht mehr geben wird. (Sollte man auf die Erzählungen von "Days of Mercury" vertrauen.)

Lang ist's nicht her, letztes Jahr haute das (damalige) Trio aus Steyr (Oberösterreich) ihr Hit-Album "Midnight Carnival" auf den Markt und konnte für mächtigst Aufsehen in der Österreichischen Musiklandschaft sorgen. Während andere Kids *hust* leider *räusper* bei Lady Gaga oder David Guetta hängen bleiben, gibt es immer noch kleine Fraktionen an "Cool Kids", die sich mal eben mit 'ner ordentlichen Dosis Rock die Hörmembranen wegballern. Aus der kleinen Fanschar wurden binnen kürzester Zeit tausende Fans, darunter natürlich auch kreischende Groupies und Mädels, die man sonst auf Justin Bieber Konzerten gewohnt wäre. Was soll das nun? Warum werden jetzt hier bei uns solche Namen überhaupt geschrieben, fragt ihr euch an dieser Stelle bestimmt?

Nun ja, es ist nicht unwichtig zu erwähnen, dass auch Österreichs größtes Musik-Jugendmagazin Xpress (Ex-Rennbahn Express) auf die Jungs aufmerksam wurde und wesentlich dazu beitrug, dass bodenständiger, gut gemachter, Rock auch wieder Einzug in den heimischen Kinderzimmern hält. Wir finden das wichtig, denn in Zeiten der Pop-Revolution sind wir Rocker doch ehrlich in der Unterzahl und sollten uns freuen, dass es doch noch Bands gibt, die eben solche Magazine für sich begeistern können. Einige Features in anderen Magazinen später folgte dann auch die Nominierung für den Amadeus Award und spätestens hier kannte dann jeder ihre Namen. Wann sonst sieht man eine Band mit dem Hang zu Schminke und Verkleidungen über den roten Teppich einer solchen Veranstaltung schreiten? Wann sah man das bisher? Eben, nie! Und sie haben es geschafft. Okay, der Award ging dann doch nicht an sie, aber alleine in diese Rige der "Top 5" Bands des Landes eingereiht zu sein spricht Bände. Ein weiterer Meilenstein! Wir sehen also, MARROK sind in wenigen Jahren zu einer Institution gewachsen, die in der hiesigen Musikszene nicht nur für Aufsehen, sondern auch für Aufschwung gesorgt haben. Wir sagen mal Danke an dieser Stelle!

Heute lach ich ... morgen wein' ich
Vom Rummelplatz ins Spaceship, über Stephen King und Corpsepaint-Schminksessions

Aber zurück zum Thema. Während wir 2011 noch eine Mannschaft aus drei Freunden auf den (internationalen) Bühnen sahen, bekommen wir seit Jänner 2012 ein Quartett präsentiert, das keineswegs leiser, eingeschränkter oder gar abgehobener agieren würde. Einzig und allein vielleicht ein klein wenig crazier, aber auf eine geniale Art und Weise (aber dazu gleich mehr).
Zuwachs bekamen Frontman "Brian Pearl" (Philipp Gödl), Drummer "Mr. Lucky" (Patrick Ritt) und Basser "Lycan Radix" (Florian Klausner) von Zweitgitarrero "M:Zeven" (Markus Kraus) aus Wien. Dass die Chemie zwischen den Herren passt, bemerkte man bereits bei den ersten Live-Auftritten und somit war klar, dass das kommende Album ein homogenes Ganzes ergeben würde.

Warum haben wir vorher "verrückt" geschrieben? Naja, MARROK sind (in den Augen mancher weniger eventuell) ein wenig eigen. Nicht jetzt irgendwie böse gemeint, aber diese Jungs scheuen nicht davor zurück mal eben ihre Schminkköfferchen auszupacken und vor den Gigs einige Stündchen in der Maske zu verbringen. Gut, ist jetzt in Metalkreisen nicht so ungewöhnlich, Corpsepaint ist ja genauso ein "Fashionstatement", aber es soll ja auch solche geben, die so ein Verhalten kritisieren und den Musikern weiß Gott nicht was alles vorwerfen. Keine Sorge, bei MARROK ist alles cool, die haben halt ihre Verkleidungen und das ist es auch, was sie eben auch so besonders macht. Ihre CI sozusagen (Corporate Identity, falls' wer nicht kennt).

2011 nahmen sie uns mit auf den Rummel. Als "böse Clowns" rockten sie die Bretter der Welt, entführten uns in eine verträumte Welt, mit abgründigen Geheimnissen. Bei Tag erscheinen die Pferde an den Karusellen wunderschön, des Nächtens verwandelt sich das Fahrgeschäft in ein "Dead Carousel". Irgendwie bekam man beim Träumen in dieser Parallelwelt ungewollt typische Bilder in den Kopf projiziert. Bei mir war es eine Mischung aus Stephen King's "Es" und dem Horror-Videogame "Silent Hill", die sich jedoch mit langsamen Balladen vereinen und trotz ihrem hässlichen Äußeren, doch eigentlich nur darauf warten Liebe reflektiert zu bekommen. Vielleicht war gerade dieser unterschwellig psychologische Aspekt das Ausschlaggebende Stilmittel, warum sich diese Band urplötzlich Girlie-Fangruppen um sich scharen konnte. Vielleicht waren es aber doch nur die Kostüme, die leicht an die damalige "Black Parade"-Zeiten von MY CHEMICAL ROMANCE erinnern. Oder eben die Schminke. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Brian Pearl so ein extrem schoarfer Hund ist (Haha, ich freue mich jetzt schon so viel auf deinen Anruf lieber Philipp.)

Das Ende der Welt
Wie die ehemaligen "Clows" nun als postapokalyptische Heroen die Menschheit retten

Kasperl war gestern, jetzt wird's ernst! Nachdem nun ein neuer spielfreudiger Kammerad mit an Bord ist, muss einfach etwas Neues her. Das Album ist ja schon lange der logische nächste Schritt in der Bandplanung, durch einen neuen Charakter im echten Leben muss auch die Fiktion MARROK mit einem neuen Helden ausgestattet werden. Also weg mit den "Emo-Klamotten" her mit ... ja, mit was? Einmal drüber geschlafen hatte der Brian da so eine Eingebung. Diese teilte er seinem Bandbuddy Patrick "Masterzerg" mit und beide waren sich einig: "Das wird oag!"

Wir schreiben August 2012, die neuen Kostüme, Konzepte und Songs liegen den Musikredaktionen vor und wir können's nur bestätigen: Es IST oag! Eingekleidet in epischen Steam-Punk-Rüstungen präsentieren sich die vier Jungs heute härter, direkter und besser denn je. Wir reden jetzt nicht ausschließlich von der Optik, auch akustisch hat sich da einiges getan und wir kamen aus dem Hören der Scheibe nicht mehr heraus. Wo man sich damals vielleicht noch hinter der Maskerade versteckte, treten sie heute direkter denn je auf, legen ihre Masken ab und schreien lautstark: Wir sind die Revolution!

Wo fangen wir an zum Erklären? Beginnen wir mal bei der Hintergrundgeschichte zum Album (und was der Brian da eigentlich so in der Nacht für seltsame Fantasien hat). Wir schreiben das Jahre X, die Erde ist im Oasch. Drücken wir's mal so aus. Die Menschen haben sich in ihrem Drang zu immer besseren Technologien soweit zurückentwickelt, dass das Leben am eigenen Planeten nicht mehr möglich ist, einziger Zufluchtspunkt ist der Merkur. (Vergessen wir nicht, das Album trägt ja den Titel "Days of Mercury") Warum der Merkur? In dieser fernen, fernen Zeit ist jeder andere Planet einfach nicht bewohnbar und da er der Sonne am nächsten ist, und diese im Laufe der Jahrtausende einiges an Leuchtkraft verloren hat, besteht nur noch dort die Hoffnung auf einen Neuanfang (und ein bisschen Wärme, in den Weiten der Galaxie). Wir könnten jetzt weiterreden wie komplex sich diese Geschichte noch zuspitzt, aber es würde leider den Rahmen dieser Review noch mehr sprengen. Wer sich die Songs anhört und im Booklet die Lyrics mitliest, wird verstehen um was es sich handelt. Eine römische 1+ gibt es schon mal für's Storytelling. Wow!

Was man auf jeden Fall sagen sollte, in dieser Zeit ist Hoffnung der letzte Strohhalm der Lebenden. In den Trümmern der Menschheit treten die neuen MARROKs ans Licht und präsentieren sich als Superheldentruppe in A-Team-Manier. Die v2.0 der Band tritt ultratight auf's Parkett und natürlich hat auch jeder Protagonist so seine Fähigkeiten. Frei nach den Regeln eines guten RPGs gibt es einen "Tank" (stark, oag, mit Zigarre im Mund - Patrick spielt den "weißen Mr. T" mit so einer Hingabe, dass mir immer noch die Tränen in den Augen stehen), einen "Zauberer" (intelligent, schmiedet Pläne. Zitat Brian: "Mein Charakter ist der Intelligente ... am Album jetzt."), einen "Kleriker" (kennt sich mit Mathe gut aus und analysiert gerne Sternbilder um den Uranus; in diesem Fall Lycan Radix) und einen "Allrounder" (mocht ois, spaßelt herum, schäkert mit die Madln; der M:Zeven halt wie er leibt und lebt).

Auch im Zuge der späteren Musikvideos wird noch mehr auf die Charaktere eingegangen, darauf dürft ihr euch schon mal extremst freuen, denn die Qualität dieser (MUSIK!!!) Videos könnte locker mit aktuellen Hollywood-Blockbustern mithalten.

Days of Mercury
Mit einem Wort: Das beste Album der Bandgeschichte!

Wir wären aber nicht Stormbringer, würden wir nicht auch auf die Musik itself eingehen. Ist ja eigentlich unser Hauptjob, es gibt halt den ein oder anderen Keyboard-Rapist im Team, der gern mal in die Tasten klopft ;) Also, was gibt es mit dem neuen Album auf die Löffel?

MARROK präsentieren sich wieder "back to the roots" härter als auf ihrem Vorgängerwerk. Balladen und ruhige Passagen sind auch auf dem neuen Geniestreich zu hören, grundsätzlich ist es aber ein rasanter Tripp durch die Galaxis. Hier wurde Nitro getankt und das Tacho schreibt Lichtgeschwindigkeit. Der Opener erzählt kurz und prägnant was abgeht, dass die Erde dem Untergang geweiht ist und Ausschau nach neuen bewohnbaren Planeten gehalten werden muss. Dann geht die Reise los. Anfangs noch gemütlich. Das Intro von Track Zwo könnte genauso gut als "Aufzugsmusik" für Batman's 'Bat-Cave' herhalten, im Keller angekommen klescht's aber gewaltig.

Die zweite Gitarre zeigt wo der Hammer hängt und MARROK erscheinen plötzlich um das hundertfache mächtiger. Ob es nun das Können von M:Zeven ist, oder die Jungs sich endlich so richtig ausgetobt haben, die Fans werden wissen was wir meinen. Der rote Faden zieht sich durchs Konzept, Brian Pearl erzählt die Reise von der Erde zum Merkur, inklusive allen Zwischenstopps, Rückblenden und Problemchen die so auftauchten. Musikalisch untermalt, in traditionellem Charme gehalten, der zum Träumen anregt, sodass sich jeder sein eigenes Kopfkino machen kann. Von Mid-Tempo zu Top-Speed und mal eben wieder runter auf 20km/h Fußgängerzonen-Speed, Tragik wird bei den Herrschaften groß geschrieben. Außerdem bedient man sich erstmalig an Electronica-Elementen sowie minimalen Dubstep-ähnlichen Parts, die aber die Gesamtgeschichte perfekt abrunden und ins futuristische Konzept passen. Die bereits oben erwähnte subliminale Pyschologie lässt man sich auch auf diesem Werk nicht nehmen, manche Anspielungen sind wirklich gut versteckt, bei anderen Dingen sperrt man einfach mal die Augen auf (z.B. Song Nummer 9 der den Titel "Eleven" trägt. Ich sage nicht mehr dazu.)

Am Ende steht man da und ist geplättet vom besten Album der marrok'schen Bandgeschichte. Mit "Days of Mercury" sprechen die vier Burschen wieder ein komplett neues Zielpublikum an, ohne dabei ihre eingefleischten Fans zu vernachlässigen. Einmal im Rudel, immer im Rudel (um kurk noch einen keltischen Werwolfs-Querverweis zu erzeugen). Kritik gibt es nicht auszusetzen. Außer vielleicht, dass es vielleicht an prägnanteren Stilmitteln fehlt. Ich habe das Album jetzt schon an die 50 Mal im Player rotieren lassen und kann die Songs an ihren Riffs benennen, für ungeschulte Ohren ist es aber glaube ich schwer die Tracks nach Abschluss des letzten Tracks Revue passieren zu lassen. Vielleicht ist das Album aber auch nur viel zu mächtig und sollte lieber nicht in die Hände solcher gelangen, die ihm nicht würdig sind.

Ob die Geschichte in den zukünftigen Alben fortgesetzt wird steht noch in den Sternen. Angedacht wäre es, Material und Spekulationen, wie es schlussendlich am Planeten Merkur zugeht, sind ebenfalls genügend vorhanden, aber da lassen wir die Band vielleicht doch noch zumindest ein halbes Jahr drüber schlafen ;)



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: berni (14.08.2012)

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