MORGAN REID - Terran

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VÖ: 25.11.2022
Bandinfo: MORGAN REID
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Welches Land steuert wohl diese progressive Langrille bei? Klischees werden gerne angenommen. Ahornblätter, Sirup-Eis, Eishockey, unendliche Mischwälder, Kodiakbären. Richtig, Kanada, Ontario, Toronto.  
Morgan Reid wurde gefördert durch die Initiative Musik gemeinnützige Projektgesellschaft GmbH im Rahmen von Neustart Kultur mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Keine Ahnung, was das heißen soll, jedenfalls der ersten Langrille dieses Flinkfingers wurde der Name „Terran“ zugeeignet. Weil es wichtig wäre, sei erwähnt, es handelt sich hierbei um ein rein instrumentales Album.

March On“ in 1:45 eröffnet sozusagen in einer Vorstellungsrunde, womit wir es hier zu tun haben: Sehr gut produziertes Material, den musikalischen Untergrund würde ich ab und an etwas Djent-lastig einreihen wollen, die Gitarrenarbeit  technisch äußerst ausgereift.   

Goliath Online“ bestärkt die Tendenz, Meshuggah huldigen zu wollen. Die Gitarre, hm, ja viele Noten, verweise derweil auf Meisterwerke wie Satrianis „Time Machine“ bzw. Steve Vais kreatives Feuerwerk „Passion And Warfare“, es sei angemerkt, diese Langrillen waren nicht die ersten dieser Virtuosen.

Was „Djinn & Juice“ betrifft, das erste Viertel ist geschafft: Zweifellos sind hier sehr versierte Musiker an den Arbeitsgeräten, ich glaube nicht, dass einer der Protagonisten, unter Beweis zu stellen hat, wie gut er ist. Ich hätte mir mehr Fokus auf die Melodieführung gewünscht.

Terran“ besticht mit einem Intro, dass mit hervorragenden Riffing um die Ecke kommt. Leider ist mir der Rest des Liedes, abgesehen von der hervorragenden Ausarbeitung der Musiker zu more of the same. Verweise etwa auf Joe Satrianis „Cryin“, dessen Melodien sich im Ohr von Protagonisten festsetzen, um dort zu verweilen.

A Formless Icon“ beschreibt den Sound von „Terran“: Morgan Reid wirft alles an Technik in die Waagschale, was das 2022 Jahr an Gitarrentechnik zu bieten hat. Dabei wurden Ingredienzien für den Kupferkessel vorbereitet, die bereits Steve Vai bis Yngwie Malmsteen ein würziges Hexengebräu (Bitches Brew) zubereiten lassen hat. Meiner Meinung ist allerdings die Songstruktur noch zu formlos, die Technik im Vordergrund, der Spannungsbogen, das Songwriting im Hintergrund.   

Der Mittelteil des Albums lässt Hörer*innen nicht unbedingt auf unentdecktes Land stoßen, allerdings überrascht das einhalbminütige Outro von „Grand Champ“, das rein klassisch gehalten ist. Diese Brechungen des Duktus hätte ich gerne des Öfteren gehört. Weiter sind die Tempi auf diesem Album einander sehr ähnlich.

Beim elften Lied, „Sirsasana“ der Name, sind wir endlich dort angelangt, wie ich mir differenzierten Sound vorstelle.  Nur ist „Sirsasana“ bestimmt ein würdiges Prä-, Inter- bzw. Postludium. Hier ist es ein eigenständiges Lied, das 0:58 Minuten einnimmt.

Crisp“: Ja, leiwander Metal-Sound. Morgan Reid stellt ein weiteres Mal sein technisches Können unter Beweis, wobei hierbei wieder die Krux des Albums zu finden ist, siehe Fazit.

Fazit: „Terran“ gibt Licht und Schatten preis. Beginnen wir mit dem Licht: Bei Morgan Reid und Co. bekommt man knackige Riffs, virtuoses Saitenspiel und ausgereifte Ausarbeitung. Die Stücke wirken manchmal etwas redundant, weil der Fokus zu sehr auf technischer Raffinesse gelegt wird und meiner Meinung zu wenig auf das Songwriting. Morgan Reid ist nicht der erste Gitarrist, der dieser Krux anheimfällt. Gut, dieser Becher der technischen Geplänkel ist getrunken, darum hoffe, bzw. glaube ich, die nächste Langrille wird diesbezüglich Entschleunigung bringen.  




 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (23.11.2022)

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