GAEREA - Mirage

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VÖ: 23.09.2022
Bandinfo: GAEREA
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Schon zu Zeiten ihres Zweitwerks "Limbo" anno 2020 stand fest, dass die Geheimniskrämer von GAEREA ein, wenn nicht sogar DER Black-Metal-Geheimhipp der vergangenen Jahre sind. Von einem gekonnt erschnüffelten Underdog unter der Flagge des indischen Untergrund-Experten Transcending Obscurity, über einen vielversprechenden Newcomer beim französischen BM-Dealer Season of Mist, bis hin zu ihrem aktuellen Status als wahrscheinlich zugkräftigster Gaul ihres Labels, haben die Portugiesen alle Stufen einer zünftigen Karriereleiter erklommen. Review Ende. Das heißt, fast…

Warum die Erregung?!

Wie kommt der Verfasser auf derart wagemutige Postulate und Heiligsprechungen? Die Antwort hierauf lautet kurz und prägnant: "Mirage"! Denn mit ihrem dritten Langspieler haben GAEREA das beinahe unfassbare Kunststück vollbracht, die beachtliche Lernkurve zwischen "Unsettling Whispers" und "Limbo" noch ein weiteres Mal zu vollziehen und ein Album vorzulegen, das einem jeden Fan des Genres den Sabber derart sprudelnd aus der Luke rinnen lässt, dass der Nil dagegen aussieht wie ein ausgetrockneter Bremsstreifen in der Unterhose einer jahrtausendealten Mumie. Eine zugegebenermaßen großmäulige, hochtrabende und vielleicht sogar überschwängliche Feststellung, die sich jedoch leicht untermauern lässt.

Tatsächlich könnte ich zu fast jedem Lied auf "Mirage" eine Lobeshymne singen, so irrsinnig hoch ist die Hitdichte von Album Nummer drei. In "Memoir" bspw. sitzt wahrhaftig jeder Handgriff und erzeugt einen gnadenlosen Hook, an dem manch andere Band eine ganze Karriere lang feilen muss – seien es die fliegenden Leads, die mitreißenden Rhythmusgitarren oder der zutiefst elegische und zu 100% authentische Gesang…in diesem Song wird wirklich nichts dem Zufall überlassen und nicht eine Note geht in die Hose. "Salve" und "Deluge" erfreuen sich eines schier unbegreiflichen emotionalen Schwergewichts, zu dem sonst nur Bands wie WORMWOOD und NETHERBIRD in der Lage sind. Tatsächlich erinnert zweitgenannte Nummer in seiner erdrückenden Traurigkeit entfernt an NETHERBIRDs "Void Dancer" oder WORMWOODs "Arctic Light". Und als wäre dem nicht genug, verzücken on top noch die vielen kleinen Spielereien im Hintergrund: hier ein kleiner Ausflug in den Melodeath, da ein unaufdringlicher Melodiebogen aus Oktavenriffs...bei so viel Perfektion und Emotionalität läuft einem das Salzwasser schwallweise aus den Glotzern! Und last but not least umfängt der unverschämt eingängige und nicht minder majestätische Rausschmeißer "Laude" des Hörers Geist schon im ersten Durchgang stärker als "der eine Ring" und eine Happy Hour mit Jacky-Cola zugleich. Der blanke Wahnsinn…

Wie man erahnen darf, ist die Reihe der Hits lang und wie schon angedeutet, könnte ich zu jedem der Songs eine Laudatio von einschläfernder Länge feilbieten, doch bleiben wir auf dem Boden des journalistischen Anstands und gehen weiter zum nächsten Prüfungsschwerpunkt: dem Sound. Auch hier suchen (und finden!) GAEREA Perfektion: sie erreichen eine makellose Balance zwischen allen Akteuren, eine tadellose Brillanz in der extremen Verzerrung der Gitarren und eine selten erlebte Tiefe im Klang. Obendrein ertönen sie dabei voluminös wie ein vollgefressener Blauwal und entfesseln den Druck eines verstopften Vulkans…wohlgemerkt in Paarung mit der Organik einer frühlingshaften Blumenwiese...absolut unbeschreiblich!

Bei so viel Perfektion ist nur ein Votum angemessen!

Selten hat der Verfasser so viel des Lobes, der Euphorie und Tränenflüssigkeit in nur ein einziges Review gepackt. Dazu braucht man normalerweise die kompositorische Klasse von "The Satanist" in Verbindung mit der Gefühlsechtheit eines "Arete" und dem Freudentränenreichtum des schönsten Spandauwood-Happy-Ends im Niveau-TV. Unter meinen bis dato plus/minus 360 Rezensionen habe ich bisher nur vier Mal die Höchstnote vergeben und bleibe bis heute mehr als zaghaft mit dem Verleihen dieses Ritterschlags – aber das Maß an Makellosigkeit, das "Mirage" hier an den Tag legt, ist so übermächtig und monströs, dass ein Upgrade auf 4,5 Punkte schlicht und einfach nicht gereicht hätte. Ein mehr als verdientes High Five für GAEREA!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (22.09.2022)

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