NORDJEVEL - Gnavhòl

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VÖ: 23.09.2022
Bandinfo: NORDJEVEL
Genre: Black Metal
Label: Indie Recordings
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wie schon in meinen Zeilen zu NORDJEVELs Appetizer-EP "Fenriir" angedeutet, sollte ein neues Vollzeitwerk in den Untiefen der norwegischen Teufelsküche vor sich hin köcheln und nicht mehr lange auf sich warten lassen. Gesagt, getan! "Gnavhòl" ist ausgegoren und bereit, mit frischen Kältewellen gegen den Klimawandel anzustinken und den Triumphzug des norwegisch-schwedischen Quartetts zu flankieren.

Zuerst die wichtigste Frage: wie war das nochmal mit dem sterilen Drumsound und der dezenten Hoffnung auf etwas mehr Leben in der Tieftönertrommel? Nun ja...sagen wir es mal so – da der Black Metal schon immer ein veränderungsresistentes Genre war, bleiben auch im Falle der nordischen Aufsteiger gewisse Grundtendenzen unangetastet. Will sagen, im Solobetrieb klingt die Bassdrum auch auf Album Nummer drei noch wie eine malträtierte (aber leider nicht mit frischer Organik befüllte) Biotonne, aber der geneigte Hörer bekommt auch was dafür. Denn was mit dem oft beklagten, klinischen Tribut teuer erkauft wird, lässt auf der anderen Seite wieder (erfreut) aufhorchen: die Gitarren! Denn wie schon an anderer Stelle beteuert, zeigen NORDJEVEL weit mehr schwedische Verhaltensmuster als norwegische. Und hierzu zählt neben dem grundsätzlich ausgefeilteren Sound auch der stärkere technische Ausbau der Kompositionen, der durch die wuchtige Axtproduktion sehr adäquat in Szene gesetzt wird.

Beides eindrucksvoll zu erkennen im Titelsong "Gnavhòl" – was hier an der Stahlsaitenfront (und daneben) von der Leine gelassen wird, ist aufgrund seiner gehobenen Klasse unbestreitbar eines Lobes wert. Schneidende Tremolo-Kälte auf der einen und hartes Gebolze auf der anderen Seite und das Ganze getrieben von einem schleppenden Midtempo-Panzer-Beat, dass die Wände wackeln. Was für ein Song – auch wenn er mit knapp acht Minuten als zweitlängster (!) Song regelrecht epische Ausmaße erreicht [Anm. d. Verf.: wie wollen NORDDJEVEL so einen Mammutsong live darbieten, wenn sie mal Cronos' Alter erreicht haben? Esst bloß brav euer Gemüse und geht in die Muckibude Jungs!]. Auch "Of Rats And Men" und "Satans Manifest" – zwei dieser urtypischen NORDJUNERAL- oder DARK DJEVEL-Songs – hängen mit ihrem hochtourigen Drive die meisten Presslufthämmer ab und zelebrieren monochrome Genrekost par excellence.

Und bei aller Betonung der deutlichen Parallelen zur wohl bekanntesten schwedischen Pandabär-Kombo muss man NORDJEVEL dennoch zugestehen, dass sie zusehends einen eigenständigen Charakter entwickeln. In der sich weiter verfeinernden und hervorhebenden Gitarrenarbeit, in den ausgebuffteren und detailverliebteren Songs und nicht zuletzt in den markanten Vocals des Doedsadmirals, der sich immer mehr zu einem der prägnantesten Prediger seiner Zunft mausert.

Es mag sein, dass NORDJEVEL in frühen Tagen von den bekannten Namen hinter den Fellen (Fredrik Widigs [ex-MARDUK] und anschließend Dominator [ex-DARK FUNERAL]) profitiert haben, doch dieser Namedropping-Bonus ist inzwischen obsolet geworden. Denn was mit einem starken Debüt seinen Anfang nahm, konnte mit nicht minder schlagkräftigen Folge-Veröffentlichungen und überzeugender Bühnenarbeit untermauert werden. Insofern halte ich es inzwischen für durchaus angebracht, NORDJEVEL als etablierte Größe ihres Genres zu bezeichnen…und "Gnavhòl" setzt den angedeuteten Triumphzug der Truppe fort – konzentrierter Geschmacksverstärker in der Schießbude hin oder her. Harte Arbeit zahlt sich nun mal aus.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (21.09.2022)

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