WAITING FOR CONNECTION - Fragile Construct

Artikel-Bild
VÖ: 20.08.2021
Bandinfo: WAITING FOR CONNECTION
Genre: Metalcore
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Da haben die Jungs von WAITING FOR CONNECTION jetzt aber wirklich geduldig auf Verbindung gewartet, denn deren Debut "Fragile Construct" hatte vor kurzem schon den 1. Geburtstag. Dennoch wird an dieser Stelle natürlich ein Versprechen eingelöst und die Scheibe mit einigen Worten gewürdigt. 

Beim zufälligen Erstkontakt ließ mich zuerst das alles andere als geradlinige Durchgebolze aufhorchen. Für das Label Metalcore doch mehr als ungewöhnlich – und somit schon einmal ein Werk, bei welchem es sich lohnt, eine nähere Begutachtung durchzuführen. Immerhin gibt es die 08/15-Core-Bands so langsam doch fast schon wie Sand am Meer. Nachdem auch das Cover-Artwork durchaus zu gefallen wusste, war es höchste Zeit für eine eindringlichere Sektion. 

Dass WAITING FOR CONNECTION keine Band wie jede andere sind, hört man schon auf Anhieb. Dass der Albumtitel "Fragile Construct" die komplette Komposition besser als alles andere beschreibt, umrahmt und überdacht, wurde erst später bewusst. Die Songs weisen in weiten Teilen eine Bauweise mit fast schon fragil zusammengeketteten Teilen und Abschnitten auf, die immer wieder durch mehr oder weniger abrupte und unvorhersehbare Breaks getrennt wirken und demzufolge auch im Tempo oft variieren. Dazwischen interessantes bis spannendes Instrumentalwerk und neben brachialen Growls auch klare, fast schon zerbrechliche Clear Vocals, die in kleinen Teilen eigenwillig klingen, aber gleichermaßen wieder bemerkenswert sind, vielleicht gerade eben, weil dadurch die Songs nicht unbedingt auf eine stählerne Basis gestellt werden, sondern vor allem diejenigen Refrains, in welchen klarer Gesang aufs Podest gestellt wird, einen eher fluiden Gesamteindruck entwickeln. Dass dann textlich auch noch dem Element Wasser eine hervorstechende Wichtigkeit gegeben wird, passt an dieser Stelle wie Faust aufs Auge. 

Auf "Fragile Construct" bekommt man all dies schon direkt bei "Committed To The Wave" um die Ohren geballert. Den Einstieg machen brachiale Growls und stampfende Rhythmen, ohne erst einmal auf dem Speedway zu tanzen. Im Refrain teilt man sich die Vocal-Linie mit klarem Gesang, dazwischen gibts versiertes Gitarren-Machwerk. Alles durchbrochen von Wechseln im Tempo und über allem ein paar Schaufeln zusätzlicher Groove.  "System_OVERWRITE" startet dann mit minimalen Djent-Anleihen, ehe sich der Song richtig einprügelt – bis zu einem melodiösen Gitarren-Intermezzo, über das man aber keineswegs böse sein kann. Im Gegenteil wirken hier die Tempowechsel und die ganze Bauart wieder rund und zügig, ohne sich mit zu viel Füllwerk aufzuhalten. Gleichermaßen wird spätestens hier auch schon klar, auf welchem musikalischen Niveau sich die Herrschaften befinden. 

"Edge Walker" startet nach ein paar elektronischen Tönen relativ domestiziert, wechselt aber schnell in einen abgespeckten Groove-Teil, ehe der Refrain nun zum ersten Mal gesanglich etwas eigenwillig wirkt. Gleichzeitig sollte man sich aber die Sound-Untermalungen im Hintergrund nicht entgehen lassen. "Edge Walker" hat einige progressive Anleihen, wirkt aber nicht ganz flüssig und stellenweise ein wenig zusammengestückelt – kommt aber gleichermaßen genau wegen dieser Eckigkeit wieder interessant. 

"The Fog Inside" kommt erst einmal mit massivem Arschtritt, ehe erneut ein unerwarteter Cut alles abrupt abreißt, der mit fast schon akustisch gehaltenen (in den tieferen Lagen etwas gewöhnungsbedürftigen) Clear Vocals bis zum nächsten Krawall-Schub überbrückt wird. Interessant hier auch die Abfolge der Gesangsparts, die erst im Refrain im krassen Gegensatz zu den brachial daher gerotzten Growls glasklar und fast ein wenig dünn wirken und am Ende mit etwas dazu gepacktem Raubein-Dreck direkt einen anderen Charakter ausspielen – oder -singen. 

Das Ende stellt sich dann mit "At The Bottom Of The Lake" ein, das den fließenden Charakter des besungenen Elements gekonnt wiederspiegelt. Erneut werden hier verschiedene Teile aneinander gereiht, die nun aber fließender, eingängiger, ineinander greifen und dadurch einen würdigen und hochwertigen Abschluss bilden. Sowohl die Melodieanteile wie auch die leicht melancholische Stimmung machen bei diesem Song so einiges her. 

WAITING FOR CONNECTION haben bei ihrem Debut einiges gegeben. Unbestreitbar die musikalische Qualität und die Hingabe zu den Kompositionen, die in der allumfassenden Thematik griffig und schlüssig sind, will der ein oder andere Song ob der sehr zusammengestückelt wirkenden Einzelparts nicht so richtig packen. Genau die gleiche Thematik funktioniert an anderer Stelle dann aber wieder problemlos, wie unter anderem der Rausschmeißer "At The Bottom Of The Lake" beweist. WAITING FOR CONNECTION setzt sich mit dem Debut schon einmal eine Marke, die sich durchwegs auf hörenswertem Niveau befindet, gleichzeitig aber noch Spielraum für weitere Ideen, Gebastel und Gefeile bietet. "Fragile Construct" bietet genau die Gratwanderung im Songaufbau zwischen beinhart gefestigt, grazil verwoben und dezent brüchig, die auch der Albumtitel verrät. Und wie sagte schon ein geschätzter Kollege: "Statik ist, wenn’s trotzdem hält!"



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (12.08.2022)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: TABOO
ANZEIGE