PANZERFAUST - The Suns Of Perdition - Chapter III: The Astral Drain

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VÖ: 22.07.2022
Bandinfo: PANZERFAUST
Genre: Black Metal
Label: Eisenwald Tonschmiede
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Lineup  |  Trackliste

"Black Metal Fundamentalists" steht auf ihren Kutten, dabei beschreiben PANZERFAUST eigentlich seit jeher den klassischen Ausnahmetatbestand - wie Vitamine bei Meckes, ein ehrlicher Bauunternehmer oder der Nudelträger im Mädcheninternat. Sie sind Genies, sind Götter, die Einsen unter unzähligen Nullen. Sie sind einer der strahlendsten Lichtblicke in einer undurchsichtigen Szene, in der jeder, der auch nur ansatzweise eine Bratpfanne mit einem Kochlöffel malträtieren kann, als "best kept secret" oder gar "the next big thing" angepriesen wird.

Und gerade, weil das Phänomen PANZERFAUST ein so singuläres Vergnügen ist, überrascht es, dass "The Suns Of Perdition - Chapter III: The Astral Drain" unterm Strich doch so eine Art Fundamentalwerk geworden ist. Ein Album, das sich in Bezug auf die Kompositionen auf's Wesentliche konzentriert und sich dabei um zahlreiche Gimmicks, Twists und Überraschungen erleichtert. Soll heißen, Teil drei der "Suns Of Perdition"-Tetralogie spielt im Wesentlichen eine einzige Karte aus: die desolate Stimmung und Atmosphäre, die die Einzigartigkeit und Intensität der Band definieren und die "Chapter I" und "Chapter II" zu etwas Großen gemacht haben. Dieses Manöver beherrscht das Quartett perfekt, an der atmosphärischen Front sitzt jeder Handgriff, dort macht ihnen niemand etwas vor - auch nicht auf dem nunmehr vorliegenden "Chapter III".

Was mir hierbei allerdings fehlt, sind die Überraschungen, die Unkonventionalitäten, die Wendungen und die Spannung. Der Opener "Death-Drive Projections" bspw. ist ein einziger, zehnminütiger Spannungsbogen, der später auf den Punkt kommt und zugleich weniger zu bieten hat als sein Pendant "Promethean Fire" von "Chapter II". Auch "Bonfire Of The Insanities" braucht satte drei Minuten, um überhaupt mal durchzustarten und selbst dann gibt es außer elegischer Endzeitstille nicht viel zu bestaunen. Auch die zahlreichen Interludes fungieren mehr als Bremsklötze denn als Spannungstreiber - "Enantiodromia" als Paradebeispiel übt sich in minutenlangem, perkussivem Gerödel...wie ein erfolgloser Medizinmann beim Regentanz, dessen einziges Resultat die aufziehenden Unwetterwolken über dem betrübten Gemüt des Verfassers sind.

Nein, der vergleichsweise spannungsarme, ja zuweilen lethargisch-interludeske Charakter einiger Tracks auf "Chapter III" macht es mir nicht leicht, sie zu genießen oder ihnen die gebührende Wertschätzung entgegenzubringen. Denn außer dem wirklich famosen "The Far Bank At The River Styx" findet sich auf "The Astral Drain" kein einziger 4,5er, der in der Liga der ersten beiden "Chapters" mitspielen kann.

So muss ich am Ende fazitieren, dass PANZERFAUST mich mit ihrer beispiellosen musikalischen Potenz schon stärker umgehauen haben...und für ein Vier-Punkte-Review am Ende außerordentlich viel meckern. Ein Ausdruck latenter Ernüchterung, der gewiss auch mit der wahnwitzigen Erwartungshaltung nach "Chapter I" und dem noch exzellenteren "Chapter II" zusammenhängt. Aber bei alledem dürfen wir nicht vergessen, dass PANZERFAUST auch mit dem doomigeren und zumindest in meinen Ohren extravaganzärmeren Ansatz den meisten ihrer Wettbewerber noch immer weit voraus sind. Und wenn wir einen stabilen Sinus in der Unterhaltungskurve unterstellen, muss "Chapter IV" ein fulminantes Finale mit nachbrennendem Charakter werden. Wir bleiben gespannt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (27.07.2022)

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