MUNICIPAL WASTE - Electrified Brain

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VÖ: 01.07.2022
Bandinfo: MUNICIPAL WASTE
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Es ist mal wieder Zeit, den Müll rauszubringen! Oder eher Zeit, neuen Müll rauszubringen? Wahrscheinlich beides, denn so wahr MUNICIPAL WASTEs letzter regulärer Langdreher "Slime And Punishment" inzwischen auch wieder eine halbe Dekade auf dem Buckel hat und die EP "The Last Rager" allenfalls als Zwischenbespaßung durchging, wird die nach frischen Siedlungsabfällen gierende Gemeinde eine vollmundige Tracht unaufgewärmter Unrats-Aktivitäten freilich willkommen heißen.

Ring frei also für "Electrified Brain", MUNICIPAL WASTEs Siebte! Und wenn jemand ernsthaft geglaubt hat, dass die Müllmänner aus Richmond nach gut zwanzig Jahren des schwermetallischen Stoffstrommanagements auch nur die Bohne anders machen würden, dann glaubt derjenige wahrscheinlich auch, dass man von zu alten Tampons schwanger werden kann. Insofern ist die berechtigte Erwartungshaltung und zugleich höchstmögliche Auszeichnung für ein Album wie "Electrified Brain", dass dieses die liebgewonnenen Traditionen authentisch pflegt und die zum Kult gewordene Beklopptheit, den spürbaren Wahnsinn und den jugendlichen Charme der frühen Alben nicht allzu sehr einrosten lässt. Und genau das haben MUNICIPAL WASTE mit der neuen Langrille gemacht. Tony Foresta und Co. heizen ihren Hörern auch heute noch ein, als wären sie ewig einundzwanzig und könnten die feuchtfröhlichen Sauftouren durch versiffte Spelunken ohne mehrtägige Nahtoderfahrungen mit gastritischen Overkills und Atomkopf überstehen. So strotzt auch "Electrified Brain" nur so vor wohl geübter Raserei, die die faulen Quadratlatschen in Wallung bringt und einem auf wundersame Weise den Durst in den Hals thrasht.

Das Einzige, was das Quintett hier möglicherweise anders gemacht hat als sonst, ist das Plus an Zeit, das es in seine neue Platte investieren konnte. So erfreut sich "Electrified Brain" des rühmlichen Umstands, dass nicht ein Track aus der Reihe tanzt, langweilig wird oder auch nur stupide seinen Titel repetiert wie bspw. "Wave Of Death" von der letzten EP. Neben einem uneingeschränkt Achtziger-tauglichen Thrash-Regiment in Tracks wie dem Titelsong oder "Thermonuclear Protection" punkten MUNICIPAL WASTE mit einer Reihe schwermetallischer Köstlichkeiten wie den fein austarierten Mehrstimmigkeiten an der Axtfront in "High Speed Steel" oder den stets frisch und spontan wirkenden Soli in "Crank The Heat" und "Barreled Rage". Und der hörbar in Richtung Dampf und Klarheit entwickelte Sound rundet die Sache ab – denn so wahr hier trotz besagter Qualitäten nichts vom versoffenen Charme der vorangegangenen Releases eingebüßt wurde, darf man die Regler in dieser Konfiguration getrost einfrieren.

Neuen Müll rausbringen ist hier also keineswegs gleichzusetzen mit Müll rausbringen. Im Gegenteil, denn mit kompromissloser Raserei und unverfälschtem WASTE-Charme auf der einen und differenzierten und facettenreichen Kompositionen auf der anderen Seite gelingt MUNICIPAL WASTE ein beachtliches Maß an Bedürfnisbefriedigung bei gleichzeitiger Fortentwicklung gewinnträchtiger Trademarks. Ein profunder Schädelspalter, wie er sein muss – MUNICIPAL WASTE at it's best...um eben nicht zu sagen: MUNICIPAL at it's WASTE!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (29.06.2022)

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