PAGANIZER - Beyond The Macabre

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VÖ: 24.06.2022
Bandinfo: PAGANIZER
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Es gibt Schwedendeather, die es mit der Innovation wenigstens versuchen – und es gibt Rogga Johansson. Was will ich damit sagen? Nun ja: es gibt die einen, die im Grunde auch nur traditionsbewusst mit bekannten, reinheitsgebotekonformen Zutaten brauen und sich dennoch darum bemühen, aus ihrer Suppe eine Art Craft Beer oder zumindest einen Trunk mit Abwechslungsreichtum zu zaubern. Und eben die unverbesserlichen, elchgeweihbewehrten OSDM-Addicts, die ohne ihren allabendlichen Handwerkertropfen aus dem heimischen Keller nicht zu Bett kommen. Die bodenständigen Traditionsverfechter, bei denen es auch ein ganz normales Malocherbier tut und für die jegliche Bemühung über die straighte Linie hinaus pure Energieverschwendung ist. So wie PAGANIZER.

Schon das Albumcover zum neuen Langeisen "Beyond The Macabre" deutet darauf hin, dass der gemeine Hörer nach "The Tower Of The Morbid" den gleichen Sermon in blau vor den Latz geknallt bekommen würde. Denn auch, wenn der Urheber des schmucken Artworks zwischenzeitlich ausgewechselt wurde, wirkt die werbewirksame Frontpappe wie ein Blick ins Untergeschoss des giftgrünen Krawallturms aus 2019. Und tatsächlich liegt der geneigte Musikspekulant mit seiner Vorausschau auf das hier Dargebotene keineswegs daneben, wenn er auf eine geradlinige Fortsetzung des 2019er Drehers pokert (Kunststück bei einer Band wie PAGANIZER).

Soweit, so gut – denn verkehrt war der bis dato letzte Langspieler des schwedischen OSDM-Workaholics beileibe nicht. Und auch "Beyond The Macabre" kann mit vergleichbaren Argumenten punkten – sei es mit dem guten Sound des Vorgängers, den man lediglich mit etwas mehr Klarheit aufgepeppt hat, dem souveränen Einstieg mit dem destruktionsintensiven Eröffnungsbrecher "Down The Path Of Decay" oder dem darauf folgenden, zweigleisig zwischen urigem Johansson-Core und melodischem Elchtanz angreifenden "Left Behind To Rot". Auch die unerwartete Deutschstunde in der erfrischend groovigen Midtempo-Keule "Menschenfresser" weiß zu gefallen und für PAGANIZER-Verhältnisse zu überraschen...d.h. zumindest ein wenig.

Unterm Strich zeigt also auch "Beyond The Macabre", dass PAGANIZER klar zu den zugstärksten Pferden im Johansson-Stall zählen, doch macht sich auch hier das oftmals beklagte und bspw. zwischen den beiden letzten REVOLTING-Alben beobachtete Songwriting-Defizit bemerkbar. Denn neben den oben genannten Tracks und dem Gastspiel von MEMORIAMs Karl Willetts im schleppenden Rausschmeißer "Unpeaceful End" sind die grundsätzlich brauchbaren Tracks der Platte einfach eine Nummer zu baukastenmäßig. Zu viele sich wiederholende Riffs, zu wenig Mut zum Neuen und kein extravaganter Geniestreich der Marke "They Came To Die". Das Handwerk ist über jeden Zweifel erhaben, aber das Gros der Kompositionen bewegt sich in einem eher mediokren Bereich, den man auf den ersten Hörer noch durchaus erquickend finden kann, aber spätestens zwischen der zweiten und vierhundertdreiundachtzigsten Aufwärmung als generisch und ermüdend erfährt.

Damit erzähle ich nun gewiss nichts Neues – PAGANIZER-Alben sind nun mal so überraschend wie ein Ü-Ei mit Sichtfenster, so innovativ wie ein Butterbrot und so formflexibel wie eine deutsche Steuererklärung. Zugleich sind sie wie erwähnt handwerklich makellos und verfügen über einen nicht zu verleugnenden Wiedererkennungswert. Doch wenn eben dieser Wiederkennungswert bis zum Erbrechen und scheinbar gelangweilt durch den Äther geprügelt wird, dann wäre eine erneute Viererwertung zu hoch gegriffen. Selbst mit den schlussendlich vergebenen 3,5 Punkten musste ich zaudern – denn wäre da nicht Leadmeister Kjetil Lynghaug, der vielen Stücken mit seinem markanten Spiel einen erfrischenden Anstrich verpasst, wäre "Beyond The Macabre" weitaus mittelklassiger geworden als es dank seiner Duftmarken ist. In diesem Sinne: mehr Lynghaug, weniger Steuererklärung! Ihr könnt es!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (23.06.2022)

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