WIND ROSE - Warfront

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VÖ: 10.06.2022
Bandinfo: WIND ROSE
Genre: Symphonic Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

WIND ROSE ist eine Band aus Italien, die man beim Anhören und Ansehen eigentlich im hohen Norden ansiedeln würde. Einerseits ist ihr Power Symphonic Folk Metal nämlich gespickt mit nordischen bzw. Fantasy-Elementen. Andererseits präsentieren sie sich optisch liebend gern im kämpferischen Nordmann-Outfit oder als Schmied oder Ritter oder Knappe oder ähnliches.

Die Band ist mir schon länger ein Begriff, aber der breiten Allgemeinheit ist sie vor allem seit ihrer Umsetzung der Minecraft-Hymne „Diggy Diggy Hole“ ein Begriff. Das treibt derartige Auswüchse, dass sogar die kleinen Kinder WIND ROSE besser kennen als die Erwachsenen. Und so dürfte sich hier zur Abwechslung mal eine Band den Weg über das Kinderzimmer in das Wohnzimmer hin zum Konzertsaal erkämpft haben. Auch nicht schlecht.

Was darf man von den „Diggy Diggy Hole“ Gnomen auf dem neuen Album „Warfront“ erwarten? Eigentlich genau das, was sie mit ihrem als „Dwarf Metal“ bezeichneten Stil vermuten lassen, nämlich Power Metal der cineastischen Sorte, mit epischen Geschichten in epischer Aufmachung, und dazu Folk-Klänge, sodass sich das mittelalterliche Kampfgetümmel fast automatisch vor dem geistigen Auge abspielt.

„Warfront“ liefert also großes Kino, wobei als Grundlage bei fast jedem Lied der marschierende Sound dient. Dafür verantwortlich sind die natürlich Double-Bass-Drums, entsprechende Riffs und gewaltige Chorus-Passagen. Auch die Keyboardklänge tragen das ihre dazu bei, um diesen speziellen cineastischen Sound zu erzeugen. Einmal reingehört, bekomme ich daher die Vision von den durch die Unterwelt marschierenden Kampf-Zwergen, ähnlich wie beim "Herr der Ringe", nicht aus dem Kopf. 

Auf dem Album wird man zuerst von einem zweiminütigen Intro angewärmt. Dann marschiert man in medias res und bleibt bis zum Ende des Albums auf dem Schlachtfeld oder zumindest auf dem Weg dorthin. Mit „Army Of Stone“ kommt die erste von vielen bombastisch-epischen Metal Hymnen mit Folklore Sound auf uns zu. Der Sound pusht, die Double-Bass-Drum fetzt, wie es sich gehört. Der Chorus ist gut, irgendwo zwischen Marschlied und Sauflied und kann daher sowohl fürs Zwergengelage als auch für die Metal Party verwendet werden – das passt immer. 

Die „Tales Of War“ leben ebenfalls vom großen Chorus und dem epischen Sound sowie dem harten Rhythmus, und „Fellows Of The Hammer“ hängt sich nahtlos an. Feeling: krach bumm, krach bumm (Hammer, Hammer, wumm) – Chorus, Chorus Wuff! Man hebe das Trinkhorn und gröle und marschiere vor der Bühne im Kreis, bis der Schlamm spritzt.

Die Zwerge sind natürlich nicht alleine. Es gibt schöne Fräuleins und Ritter. Bei den Fanfarenklängen am Start von „Gates Of Ekrund“ glaubt man sogar, dass der Elfenkönig heranreitet, weil man das Hufgetrappel in den Song hineininterpretiert. Die schöne Männerstimme bestätigt diesen Eindruck, und natürlich wieder der Chor, der sich in epischen Szenen austobt und von Flöten und symphonischen Klängen begleitet wird.

Das ganze Album ist also ein Besingen der „Warfront“. Es gibt Höhen und Tiefen im Getümmel. Und alles ist bombastisch, episch, cineastisch. Und es wiederholt sich. Sowohl bei sich selbst als auch bei anderen. Das ist leider irgendwie der Nachteil an diesem langen Werk. Nach einer gewissen Zeit klingen alle Songs sehr ähnlich. Man hat den Eindruck, man hat sie vorher schon gehört oder evt. auch bei anderen Bands schon ähnlich gehört. Andererseits sind gerade diese Aufarbeitung und Umsetzung auch wieder faszinierend. Wer es schafft, sich eine Stunde lang immer wieder mit der Thematik entsprechend auseinanderzusetzen und somit dieses Szenario von allen Seiten zu beleuchten, der hat doch einiges drauf. Es wird deshalb sicher eine Menge Zuhörer geben, die von diesem Dwarf-Metal fasziniert sind, weil er einfach ur-männlich ist. Oder auf dem Niveau der Mindcraft-Fans, die ja auch gerne Wiederholungen im Text haben.

Insofern ist ein ausgiebiges Besingen der „Warfront“ jederzeit gegeben und wird gegen Ende des Albums immer länger. Lange Songs, wie das Dreierteam „One Last Day“, „The Battle Of The Five Armies” oder “I Am The Mountain”, bringen es alleine auf gute 21 Minuten und liefern somit den Soundtrack für ein intensives Gestampfe und Besäufnis. „Tomorrow Has Come“ rundet das Album dann ab und führt aus dem Getümmel raus.

Fazit: Aufgrund des intensiven und gleichförmigen Einsatzes der immer gleichen Instrumente bzw. Stilelemente ist es für mich leider so, dass die Songs ziemlich austauschbar klingen. Ich mag die Band, und ich mag diese Art von Songs. Aber leider verschwimmt das Ganze und klingt dann nach ein paar Nummern ein wenig nach Einheitsbrei. Es gibt zwar auffallende Highlights wie „Together We Rise“, aber in Summe ist es einfach ein Soundtrack-Album für den Anmarsch der Zwergenarmee. Umgesetzt von guten Musikern, die mit Hingabe dabei sind und ihr Handwerk verstehen. Aber eben nicht unbedingt jeden mit dieser gewaltigen langen Scheibe voller Dwarf-Metal ansprechen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (01.07.2022)

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