DEF LEPPARD - Diamond Star Halos

Artikel-Bild
VÖ: 27.05.2022
Bandinfo: DEF LEPPARD
Genre: Melodic Hardrock
Label: Universal
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Auch nach 35 Jahren steigen mir noch die Freudentränen in die Augen, wenn mir von einem meiner virtuellen Mixtapes die legendäre Chorus-Line "...Rocket, yeah, satellite of love..." entgegenschallt. Denn Songs wie "Rocket" und all die anderen Kracher und Hymnen der beiden Götterscheiben "Pyromania" (1983) und "Hysteria" (1987) machten DEF LEPPARD seinerzeit für mich zu einer der geilsten Bands auf diesem Planeten.

Aber lang, lang ist's her...denn nachdem 1992 mit "Adrenalize" das letzte gute Album der Briten erschienen war, ging es (mit Ausnahme von "Euphoria", 1999) stetig bergab mit den Leoparden in Richtung belangloser 0815 Hardrock/AOR.

Und natürlich ist man als Fan der frühen großen Scheiben der 80er Dekade ziemlich vorbelastet, wenn es um die Bewertung aktueller LEPPARD Releases geht. Schaun wir also mal, was "Diamond Star Halos" so zu bieten hat, nachdem mich der Vorgänger ("Def Leppard", 2015) des mittlerweile zwölften Longplayers der rockenden Altherrenriege auch in keiner Weise zu überzeugen vermochte.

"Take What You Want" als Opener ist eine typische Hardrock-Nummer, die allerdings mit einigen liebgewonnen Trademarks aus der alten Zeit aufwarten kann, wie der klassische mehrstimmige Refrain. Doch schon mit "Kick" katapultieren DEF LEPPARD sich mit voller Wucht zurück in die Belanglosigkeit. Der Song plätschert mit einem Höchstmaß an ausgestrahlter Langeweile vor sich hin, gähn. "...Nananana, nanana..." als lyrischer Höhepunkt des Titels – echt jetzt?! Und "Fire It Up" ist keinen Deut besser, sondern nur ein müder Abklatsch großer GNR/AEROSMITH Stücke aus den Achtzigern. 

Im Weiteren verzetteln sich DEF LEPPARD in einem wüsten Stilmix aus Melodic Rock ("SOS Emergency"), Pop Rock ("Liquid Dust"), Funk Rock ("U Rock Mi"), Balladen (u.a. "This Guitar") und dem QUEENesken Musikmonster "From Here To Eternity". Dazu kommt, dass egal in welchem Terrain die Truppe um Frontmann Joe Elliot auch gerade wildert, was dabei zustande gebracht wird, alles nichts Besonderes ist und links ins Ohr hinein und direkt rechts wieder heraus läuft. Da ist kein Biss, kein Schmackes, da sind keine Hooklines, die hängen bleiben oder Refrains, die zünden und zum Mitsingen animieren.

Eine erwähnenswerte positive Ausnahme bilden die drei Balladen, allen voran das wirklich großartige "My Guitar". Alle Slowtracks können vollkommen überzeugen. Dazu kommen noch der eingängige Rocker "SOS Emergency", das superpoppige, aber hochmelodische "Lifeless", das an alte Traditionen erinnernde "Gimme Me A Kiss" und die kraftvolle, ebenfalls in den 80s verhaftete Nummer "Unbreakable". Aber das wars dann auch. Sieben Stücke auf der Habenseite und acht Durchschnitts(oder darunter)-Titel. Das ist mal keine besonders schmeichelhafte Bilanz. Allgemein lässt sich konstatieren, dass die Platte mit 15 Tracks definitiv zu lang geraten ist. Die konsequente Entfernung einer ganzen Reihe von Füll-Stinkern hätte "Diamond Star Halos" wahrlich gutgetan.

Fazit:

DEF LEPPARD werden wohl in diesem Leben nicht mehr an ihre großen Erfolge in den Achtzigern und zu Beginn der Neunziger anknüpfen. Zu einfallslos und zu banal sind viele der neuen Stücke. Stilistisch nichts Halbes und nichts Ganzes, und auch das Songwriting lässt zu wünschen übrig. Und so kippt dementsprechend die Waagschale deutlich in Richtung Durchschnitt. Schade, aber die Schwächen überwiegen und lassen sich auch nicht beschönigen. 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (10.06.2022)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: GINVERA
ANZEIGE