GUERILLA TREE - Mountain's View

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VÖ: 16.04.2022
Bandinfo: GUERILLA TREE
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

GUERILLA TREE aus den Teutschen Landen existieren seit einer Dekade, darum ist es bemerkenswert, dass im Jahre des Herren 2022 ein Longplayer auf die Metal-Gläubigen dieses Erdenrundes hernieder prasselt, exakt ein Jahrzehnt nach dem ersten Langdreher. Wir werden uns hier also „Mountain View“ widmen. So nebenbei: „Use Your Illusions“ ist nicht der schlechteste Tipp.

Misbelief“ startet mit einem äußerst elaborierten Intro, wobei das Schlagzeug hier am besten zur Geltung kommt. Weil die Band außer Prog Metal dito „Gothic Metal“ auf ihre Fahnen heftet, ist hier ein Keyboard sehr präsent, es ist mir aber nicht klar, ob es dessen bedarf. Später mehr. Die Gitarren-Arbeit könnte einen Zacken komplexer kommen, wobei die Riffs sehr knackig und schwer furchen und mit dem Schlagzeug eine angenehme Einheit bilden. Erst ab etwa 2:45 Minuten ertönt Klargesang, der gefällt. Der Bass geht hier etwas unter. Das Interludium, wobei mehrstimmiger Gesang ertönt, ist ebenfalls ok. Insgesamt 8:51 Minuten, da kömmt Freude auf, denn es ward gut.  

A Cloud“: Sehr schön herausgearbeitete langsame Nummer, wobei der Bass sein Schattendasein ablegt. Der Gesang mit diesem speziellen Timbre strebt hier ebenfalls ins Licht. Mitsamt dem gelungenen Outro ist hier alles tip top.

Fertile Water“ überzeugt wiederum durch die Einheit von Schlagzeug und Gitarrenarbeit, die sich wunderbar ergänzen, wirklich druckvollen Riffs und Drum Pattern. Hm, nein, ich komme zu dem Schluss, dass das Keyboard hier wenig zum Album beiträgt. Etwa auf RIVERS OF NIHIL verwiesen, könnte ein verwegenes Instrument, muss ja nicht das wunderbare Saxophon von Zach Strouse sein, den Sound Richtung in lichte Höhen tragen. Um es erwähnt zu haben: Der Spannungsbogen der Lieder passt eigentlich stets, denn diese Mannen verfügen über das richtige Gespür wann ein Lied ein wenig Druck braucht und wann nicht.

Before You Die“: Klingt ein wenig nach Gothic-Pop-Rock, muss aber zugeben, dass das Keyboard hier keine schlechte Figur macht und der Schlagzeuger überzeugt ein weiteres Mal. Wie gesagt, die Dosis macht das Gift. Alles im grünen Bereich.

"Spiral Tendris Of Dust“ fährt im selben Fahrwasser, wobei das gothiclastige Timbre des Sängers aufhorchen lässt. Die Soli sind dezent schlicht ausgefallen, passen allerdings gut ist Gesamtkonzept.

Inhuman“: Hier hätte meiner Meinung ein Cello das Keyboard wirkmächtig ersetzen können. Hoppla, habe ich hier Growling gehört? So dezent eingesetzt, macht das tatsächlich Sinn. Das „O-ho-ho-ooo…“ hätte man sich sparen können. Wieder kein schlechtes Lied, wobei die Gitarren-Arbeit etwas Spektakulärer ausfallen hätte können. Manchmal erinnert die Stimme des Sängers ein wenig an Glenn Danzig, der zwar mit seelischer Divergenz zu kämpfen hat, allerdings über ein außerordentlich supriges Gesangsorgan verfügt.

Black Soul“: Okay, guter Gesang, die Gitarrenarbeit pflanzt sich noch Unspektakulärer fort. Um Tiefen des Mittelalbums zu vermeiden, hätte hier etwas Aufpeppendes eingearbeitet werden müssen und damit meine ich nicht den kurzen Growling-Anteil, der nicht mal schlecht ist. Kann nicht verhehlen, das Cello, das an sich sehr gut Melancholie zu transportieren weiß, für Gothic-Allüren eine gute Wahl ist.  

Mountain Reflection“, „Form Of Life“ und "The Life History Of A Tree": Hier wird etwas Zünftiger an die Sache rangegangen. Trotzdem nicht die besten Songs, wobei stellenweise das Schlagzeug das Konstrukt wieder geraderückt. Und ja, der Gesang hätte, weil das Potential durchaus vorhanden ist, akzentuierter eigesetzt werden müssen. Der eine oder andere Geschwindigkeits- bzw. Taktwechsel hätte auch nicht geschadet.
Witziges Detail am Rande: Gerade beim letzten Lied wird ein Klavier im Outro etwas Wagemutiger eingewoben. Davon hätte ich gerne mehr gehört.

Fazit: Kein schlechtes Album, dem es allerdings etwas an Höhepunkten fehlt. Die Band beruft sich auf OPETH, DREAM THEATER, sogar TYPE O NEGATIVE. Gott, diese Stimme von New Yorks erstem Parkamtswächter, Peter Steele. GUERILLA TREE fahren jedoch nicht im Heckwasser der üblichen Verdächtigen mit, sondern kredenzen eigenständigen Sound, der ins Ohr geht, wobei, ein Quäntchen geht da noch. Wenn hier angeknüpft wird, könnte ich mir beim nächsten Album durchaus vorstellen, Großes vollbracht zu wissen.  



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (20.05.2022)

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