AUDREY HORNE - Devil's Bell

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VÖ: 22.04.2022
Bandinfo: AUDREY HORNE
Genre: Alternative Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Nix Neues bei AUDREY HORNE könnte man unken, aber das wäre nicht so richtig zutreffend. Einerseits sind wieder alle Trademarks der Norweger da: also melodiöse und packende Twin-Gitarrenleads in der Tradition von THIN LIZZY und IRON MAIDEN, eine auf den Punkt abgestimmte Rhythmus-Fraktion, ein toller, warmer Sound, wunderbare Gitarrensoli, -licks und -Harmonien von den beiden Gitarristen Arve Isdal (ENSLAVED) und Thomas Tofthagen (ex-SAHG) sowie natürlich Toschies Gesang, der an sich schon ein Alleinstellungsmerkmal ist. Andererseits kommt es bei solch einer Band, die seit 20 Jahren auf einem hohen musikalischen Level zockt, eben auch auf die Details an. Auf die kleinen oder auch etwas größeren Unterschiede zu den vorherigen Alben.

So haben AUDREY HORNE erneut etwas an ihrem Stil-Mix geschraubt: War man in der Anfangszeit der Band des Öfteren noch im Classic Rock und Alternative Rock beheimatet, ja, sogar partiell im Blues Rock, so wurde es mit der Zeit immer etwas härter hin zu mehr Einflüssen aus dem klassischem Hard Rock der 80er und NWoBHM der Marke IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST. „Devil`s Bell“ ist erneut ein Tacken härter ausgefallen als die Vorgängeralben. Wobei das sogleich zu relativieren ist: „Härter“ bedeutet nicht, dass auf einmal losgepoltert wird. Noch immer beherrschen Melodien das Klangbild und nicht etwa brachiale Disharmonien. Aber die Gitarren und hin und wieder auch Toschies Gesang (zum Beispiel beim starken, rhythmischen „All Is Lost“) sind düsterer ausgefallen. Was wunderbar zur textlichen kritischen Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Entwicklung passt. Und es poppen immer wieder Ähnlichkeiten mit bekannten Bands auf, die in härteren Genres verortet sind, als die Norweger. So ist beispielsweise „Break Out“ vom Aufbau und Refrain her Classic Metal und könnte so auch von OZZY OSBOURNE stammen. Die Nummer punktet in erster Linie mit einem knackigen und doch sehr lässigen Gitarrenspiel.

 

Die neun Songs sind allesamt über vier Minuten und damit recht lang. Manchmal zu lang. So etwa der Opener „Ashes To Ashes“ und auch der Titeltrack, der krachend loslegt, dann aber sehr vertraut klingt, für Kenner der Band. Keine Frage, die zwei Songs sind nicht schlecht, aber für AUDREY HORNE eben nix Besonderes, zu wenig Erfrischendes. Dieser Gedanke kommt einem während des Albums nicht nur bei diesen beiden Songs.

Was außerdem auffällt: Ja, die Gitarren sind mal wieder eine Wucht. Aber es gibt neben dem ein oder anderen Moment, dem man von AUDREY HORNE so schon mal gehört zu glauben meint, noch einen weiteren Makel: Die Refrains und Melodien schaffen es oft nicht, dass der Funke sofort überspringt (mit Ausnahme des flotten „Animal“ und vielleicht noch des einhämmernden, grantigen „All Is Lost“). Das mit der Catchyness beziehungsweise Partytauglichkeit haben die Jungs schon mal besser hinbekommen. Letztlich ist das aber immer noch kritteln auf hohem Niveau. Denn Songs wie das über sieben Minuten lange dahinflirrende „From Darkness“, das die ganze Gitarren-Herrlichkeit der Band eingefangen hat, sind auch ohne packenden Refrain verdammt gute Musik.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (16.05.2022)

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