QUASIMODO - Cancer City

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VÖ: 08.04.2022
Bandinfo: QUASIMODO
Genre: Heavy Metal
Label: German Democratic Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Na, da hat German Democratic Recordings ja wieder einen feinen und in mehrerlei Hinsicht bemerkenswerten Release auf Silberscheibe pressen lassen!

QUASIMODO kommen aus Berlin und waren schon zu DDR-Zeiten (ab 1984, allerdings eher im Untergrund) aktiv. In der Nachwendezeit konnte man mit wechselnden Besetzungen und in verschiedenen Stilrichtungen immerhin ein Demo und zwei Full Length Alben veröffentlichen, ehe die Band 2003 auseinanderbrach.

2013 kam es (ein Jahr nach der Auferstehung der Combo unter anderem Namen) zur QUASIMODO-Reunion, und 24 Monate später hatte sich die heutige Besetzung Ronald Czyrny, Marco Wegener (beide Gründungs-Ur-Mitglieder) und René Jauernik gefunden. Gemeinsam mit Sänger Stephan Kohlhoff wurde 2017 Album Nummer drei, "One Shot" aufgenommen. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung verließ Kohlhoff die Band wieder.

Die Suche nach einem adäquaten Ersatz verlief bis heute erfolglos. Doch QUASIMODO waren in den letzten Jahren nicht untätig und hatten jede Menge neue Songs geschrieben. So entschied sich das Trio von der Spree die aktuelle Scheibe "Cancer City" komplett mit Gastsänger*innen einzuspielen (Ausnahme "My Inner Hell": hier übernahm Basser Ronald den Platz am Mikro).

Und welche Genregrößen sich hier teilweise die vokale Klinke in die Hand geben, ist schon amtlich. Internationale und deutsche große Namen wie Chris Caffrey (SAVATAGE), Ben Jackson (CRIMSON GLORY) und John Gallagher (RAVEN) sowie Basti "Buzz Dee" Baur (KNORKATOR, Ex-MCB) und Gerre (TANKARD) sind nur die Kirschen auf der Sahnetorte. Denn auch die restlichen elf Mikro-Schwinger plus Frontröhre Saskia Hedzet (LAST JETON) machen ihren Job durch die Bank hervorragend.

Die große stilistische Bandbreite Vokalakrobat*innen [jetzt sollte ich das Gegendere wohl oder übel bis zum Ende der Rezi durchziehen, Anm. d. Verf.] macht den großen Reiz von "Cancer City" aus. Denn obwohl die einzelnen Tracks sich bereits instrumental teilweise massiv voneinander unterscheiden, geben die einzelnen Interpret*innen "ihren" Stücken jeweils noch mal eine ganz spezielle, individuelle Note.

So kommt das von JACOB'S FALL Fronter Christian Faust vorgetragene "No Exit" reichlich melancholisch und mit einer nicht zu überhörenden Gothic-Schlagseite daher. "Stone In My Shoe" mit Torger Neuhaus (GODSNAKE) an der Keule ist moderner vorwärtspreschender Groove Metal, während Jimmy Gee (JIMMY GEE BAND) bei "Never Talk" seine Vocals zu einem astreinen Hardrock-Track beisteuert.

Das Stück mit weiblichem Gesang, "Lady Insane", ist bester 80s-Revival-Heavy Metal. Saskia Hezet macht hier einen erstklassigen Job, und die Nummer erinnert ein wenig an selige PLATTFORM-Tage mit der unvergessenen Micky Burgh. Und natürlich haben QUASIMODO Gerre mit "Pride Is Gone" einen lupenreinen Thrash-Hit direkt auf den Leib geschneidert. "Unleash The Young" mit Ben Jackson (CRIMSON GLORY) ist traumhafter klassischer Heavy Metal mit supereingängiger Melodie, Singalong-Chorus und riesigem Ohrwurm-Faktor. 

Basti Baur verleiht dem herrlich (n)ostalgischen MCB-Cover "Heavy Mörtel Mischmaschine" DAS I-Tüpfelchen, und Metal-Urgestein John Gallagher entfesselt in "Ruled By Addiction" die vokale Hölle genauso, wie schon seit 48 Jahren bei den NWOBHM Pionieren RAVEN. Und auch Ronald Czyrny muss sich mit seiner vokalen Darbietung in "My Inner Hell" vor den Kolleg*innen in keiner Weise verstecken.

Und so geht es weiter von Track zu Track, oder besser Schlag auf Schlag: Ob nun die arsch-tighte Rock'n'Rollnummer "Böneshaker", das speedige "Solitary Ride", oder der an den KING erinnernde Rausschmeißer "The Haunting Man" – es gibt keinen schwachen oder schlechten Song auf "Cancer City".

 

Fazit:

Und so ist das, was durchaus ein Genickbruch hätte werden können (zu viel des Guten), in diesem Fall ein absoluter Gewinn für QUASIMODOs fünftes Studioalbum geworden. Ein liedschmetternder Bassist, eine Lady mit exorbitant geiler Stimme und 16 "herr"liche Metalbarden schaffen es, aus 18 Songs ein wahres Füllhorn an unterschiedlichen, am Ende des Tages aber doch perfekt miteinander harmonierenden Einzelwerken zu zaubern. Langeweile ist auf "Cancer City" zu keiner Sekunde zu finden. Vielmehr bietet das Album 75 Minuten lang Spaß und Abwechslungsreichtum satt. Die exzellente Produktion von Jörg Uken tut ihr übriges für einen erstklassigen Hörgenuss in Überlänge.

Bleibt schließlich nur die Frage: Wie viele Nightliner müssten QUASIMODO wohl für eine Tour chartern?



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (05.05.2022)

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