IRIS DIVINE - Mercurial

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VÖ: 20.05.2022
Bandinfo: IRIS DIVINE
Genre: Progressive Metal
Label: Layered Reality Productions
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Lineup  |  Trackliste

„Mercurial“, die dritte Langrille dieser Metallurgen aus den USA, Virginia, Centreville, wird gleichermaßen mit quicklebendig wie quecksilberhaltig übersetzt, schöne Komposita würde meinereiner meinen. Von IRIS DIVINE ist hier die Rede.

„You are playing with your Daddys Gun...“, lautet der erste Satz dieses Drehers. Wie gesagt, es ist eine Band aus den Vereinigten Staaten. „Bitter Bridge“ würde ich an sich nicht für einen progressiven Track halten, er erinnert eher an modernen metallenen Rock and Roll des Jahres 2022, wobei sehr auf Rhythmus gesetzt wird. Das Schlagzeug zelebriert förmlich diesen hetzenden Sound, der eingängig daher bolzt. Ab etwa Minute 2:50 ist gut zu hören, wie das mit dem daher galoppierenden Sound gemeint ist. Selbst das Solo, sofern man es als solches kategorisieren will, ist sehr rhythmisch gehalten. Das Outro verstärkt diese Tendenzen, es erinnert fast ein wenig an alte METALLICA-Scheiben.

Silver Tounged Lie“ verstärkt diese Entwicklung. Positiv hervorzuheben ist dieser schwere, fette Sound inklusive eher simpler, eingängiger Riffs, die einst PANTERAs Markenzeichen waren.  

Thirteen“ Hui, Gitarre, Bass, Schlagzeug, es scheint hier fast so zu sein, als würden Melodien zugunsten des Rhythmus vermieden werden, wobei, okay, das Gitarren-Solo ab etwa Minute 1:05, das von einem kurzen Bass-Solo abgelöst wird, gefallen. Der Gesang ist gut und kommt in dieser teilweise mehrstimmigen Ausführung gewiss zur Geltung. Insgesamt ein gelungenes Lied, wahrscheinlich das beste dieser Langrille.

Sapphiere“ ist wiederum eine sehr eingängige Nummer, die fast schon poprockig anmutet. Wie es sich für Populäres gehört, geht das Lied leicht ins Ohr, lässt aber wenig bleibenden Eindruck zurück. Gut, der mehrstimmige Gesang, der durch Legato-Riffs untermauert wird, ist wiederum positiv hervorzuheben. 3 Minuten 49 Sekunden, jap, sie wissen, wie meinen, verehrte Leser*innen.

Den Widerspruch zum Liedtitel „Death By Consensus“ birgt die vertrackte Rhythmik, die sehr unstet und teilweise disharmonisch in den Äther strömt, oder ist es genau so gemeint, dass hier keine Kompromisse gemacht werden, denn ab Minute 2:05 bekommt der Track eine vollkommen andere, eher poprockige, Richtung? Ich muss zugeben, dass dieser Kontrast bekömmlich ist. Ab etwa Minute vier wird wieder mit diesem stampfenden Rhythmus aufgewartet, wobei der Bass ein weiteres Mal tonangebend ist.  

Negative Seed“ Bemerkenswert an dieser Nummer ist, dass der Gesang, der bist jetzt eher eine melodiöse Brücke zur Rhythmik bildete, vor allem zu Beginn Stakkato-Allüren aufzeigt. Nicht das beste Lied dieser LP.

Breaking The Paradigm“ Bietet abermals äußerst feinsinnige, ausgeklügelte Rhythmik und leiwandes Legato-Spiel, eine sehr druckvolle Nummer, wobei das Solo etwas konfus mit schnellen melodischen Läufen und Staccato-Part aufwartet, bezogen auf die Gesamtscheibe, ist das natürlich rein quecksilbern schimmernde Absicht.

Mercurial“: Erinnert in verwegener Ausführung an diese alte OPETH-Geschichte, etwa „Blackwater Park“. Der weibliche Gesang, mit teilweise Harmonien, die an arabische Pentatonik erinnert, fügt sich gut in das Ganze. Insgesamt ist der Song trotz seiner nur 3:38 Minuten etwas konfus ausgerichtet. Zu viel Themen werden hier reingequetscht. Das Lied hätte funktionieren können, wenn es auf acht, neun Minuten ausgedehnt würde, so wirkt es überfrachtet wie ein 400-Meter-Container-Schiff mit leichter Schlagseite.

Fazit: Grundsätzlich ein gelungenes Album, das aber mit den üblichen Verdächtigen der Prog-Zunft kaum in Einklang zu bringen ist. Ich kann nicht verhehlen, seit je Fan von schwerem, fettem Sound zu sein, dessen metallische Vehemenz einen durchsetzt wie der Terminator (T-1000), der seine metallene Klinge durch menschliche Leiber stößt, wie ein heißes  Buttermesser durch Kuhmilchquark flutscht. Hierbei sei ein kleines Dankeschön an Dimebag Darrel und Gary Moore dargebracht. Die sehr dichte Rhythmik von IRIS DIVINE untermauert diese Nachhaltigkeit und daran ist nichts auszusetzen. Manchmal hat der bescheidene Rezensent das Gefühl, hier wurden absichtlich Lieder kreiert, oder von außen oktroyiert, die in das übliche zeitliche Schema einer Pop-Nummer reinpassen, was wiederum auf Kosten der Durchdeklination des Gesamtkonzeptes geht.  Man kann es halt nicht jeder bzw. jedem Recht machen, so viel ist sicher. Kleiner Tipp am Ende: Wenn IRIS DIVINE tatsächlich keine Kompromisse eingehen will, musikalisch ist das gar nicht so verkehrt, dann Glück auf, Ramba Zamba, Sprung vorwärts. Ich gebe der Band drei Jahre, um die nächste Langrille in Beschlag zu nehmen. Dann aber: holla, die Wolframfee.

Am Ende ein kleines Zitat aus dem Pressetext: "We are ghosts in the darkness. We are dancers in the light. A mercurial condition. We would die to feel alive."

 


 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (13.05.2022)

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