TONY MARTIN - Thorns

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VÖ: 14.01.2022
Bandinfo: TONY MARTIN
Genre: Heavy Metal
Label: Battlegod Productions
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Lineup  |  Trackliste

TONY MARTIN kennt man primär als Sänger von BLACK SABBATH, denen er in den Jahren 1987 bis 1991 sowie von 1993 bis 1996 am Mikro zur Verfügung stand. In seiner Zeit entstanden Klassikeralben wie z.B. "Eternal Idol" (1987), "Headless Cross" (1989) und "Tyr" (1990), die sich nach Meinung des Rezensenten keineswegs hinter den Klassikern der Band mit OZZY OSBOURNE oder RONNIE JAMES DIO verstecken müssen, ganz im Gegenteil. Leider wurde TONY MARTIN nie so recht in deren erlauchten Kultstatus als Sänger aufgenommen. Gesangstechnisch sicherlich zu Unrecht, denn er übertrumpfte hier lockerst OZZY und auch RONNIE JAMES ist rein stimmtechnisch absolut seine Liga. Was das Charisma bei Liveauftritten angeht, steht dies natürlich auf einem anderen Blatt (das war immer etwas seine Schwäche aber bei den Vorgängern natürlich auch schwierig dort großartig zu punkten).

Fast zehn Jahre war es sehr ruhig um den Sangesmeister - die letzte Veröffentlichung war das 2013er "Giuntini Project", die letzte Soloscheibe ist gar von 2005 ("Scream"). Höchste Zeit also, dass uns der mittlerweile 64-Jährige wieder mit einem neuen Werk beglückt, was nunmehr mit "Thorns" der Fall ist. 

Unterstützt wurde er hierbei von prominenten Namen: Danny Needham von VENOM drischt auf die Kessel ein, den Tieftöner bedienen u.a. Magnus Rosen (HAMMERFALL) und Greg Smith (RAINBOW, BLUE ÖYSTER CULT, ALICE COPPER u.v.m.). Also durchaus eine markante Besetzung.

"As The World Burns" läutet das neue Album ziemlich heftig ein, teilweise mit etwas modern angehauchten, tiefer gestimmten Riffs und ordentlich Drive. Stimmlich hat sich rein gar nichts verändert, was angesichts des nicht mehr jugendlichen Alters von TONY MARTIN keineswegs eine Selbstverständlichkeit darstellt. Er kommt nach wie vor in die hohen Tonlagen und hat ordentlich Power in der Stimme. 

                   

"Black Widow Angel“ erinnert nicht zum letzten Mal an seine ehemalige Stammband, ein Song, der BLACK SABBATH mehr als gut zu Gesicht gestanden hätte, schön doomig mit schauriger Atmosphäre und fabelhaftem Gesang.

"Book Of Shadows" ist ein absoluter Höhepunkt, etwas ruhiger angelegt aber den gesamten Song hindurch mit Choralgesangs-Chören unterlegt und äußerst originell arrangiert. Man sieht fast die Mönche dazu headbangen!

Das semiakustische "Crying Wolf" fällt etwas ab, ohne jedoch als Füller durchzugehen, der Gesang alleine ist schon zu gut dafür. 

In "Damned By You" geht es wieder metallischer zur Sache, gespickt mit Geigensounds ein Song der Gattung "SABBATH meets DAVID GARRETT", was nicht negativ aufzufassen ist. 

Das wieder recht modern tönende "No Shame At All" leidet am etwas lahmen Chorus, der zur Mitte hin zudem endlos wiederholt wird. Eher ein Song, der die Skip-Taste herausfordert.

"Nowhere To Fly" ist die große Ballade des Albums, wieder sehr atmosphärisch dicht und einmal mehr eine eindrucksvolle Demonstration großer Sangeskunst. 

"Passion Killer" ist etwas sperrig, fast schon als proggig zu bezeichnen, auch hier wieder ein eher spannungsarmer Chorus, besonders gut aber in diesem Fall ist das abwechslungsreiche Drumming.

"Run Like The Devil" ist titelgerecht wieder mit etwas mehr Drive ausgestattet, mit schönen Rhythmuswechseln und guter Gitarrenarbeit versehen.

"This Is Your Damnation" ist, wie vorgenannt "Crying Wolf", ein akustischer Song, ein bluesiger Shuffle mit zum Teil Sprechgesang. Etwas gewöhnungsbedürftig aber durchaus für Abwechslung sorgend.

Den Titelsong hat sich TONY MARTIN bis zum Ende aufgespart. Hier haben wir es mit einer eher gemächlichen Halbballade zu tun, die sich langsam aber sicher dramatisch steigert. Besonderes Schmankerl zum Ende hin: Pamela Moore, hauptsächlich bekannt von "Suite Sister Mary" aus QUEENSRYCHEs "Operation: Mindcrime"- Klassiker, gibt sich hier ein Stelldichein und beweist, dass sie nach all der langen Zeit absolut nichts verlernt hat.

Eine Anekdote noch zum Schluss: Die Songs wurden offenbar (absichtlich?!) in alphabetischer Reihenfolge sortiert. Kann man mal machen.

Alles in allem ist "Thorns" eine gute bis sehr gute und vor allem abwechslungsreiche Scheibe. Nicht jeder Song zündet, durch die Gesangsleistung von TONY MARTIN ist dies jedoch zu verschmerzen. Nachdem auch der Sound zu passen scheint (mir liegt nur die Download-Version vor, da muss man ja bekanntlich vorsichtig sein mit der endgültigen Beurteilung) eine runde Sache für Freunde von BLACK SABBATH und nicht nur für die. Knapp an den 4 Punkten vorbeigeschrammt!

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (17.01.2022)

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