ALIEN FORCE - We Meet Again

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VÖ: 26.11.2021
Bandinfo: ALIEN FORCE
Genre: Heavy Metal
Label: From The Vaults
Lineup  |  Trackliste

Das hat schon immer etwas von einer Zeitreise, wenn solche Combos wie die dänischen ALIEN FORCE nach 35 Jahren erstmals wieder ein Album veröffentlichen. Vor allem, wenn sie eigentlich so klingen, als sei in der Zwischenzeit nicht wirklich etwas passiert. Das Gründer-Brüderpaar Henrik Rasmussen (Gitarre) und Michael Rasmussen (Drums) sind weiter dabei, genauso wie Sänger Peter Svale Andersen, dessen Organ noch immer recht eigen tönt (was hier positiv gemeint ist!). Die Band zockt weiterhin old-school Heavy Metal in der Schnittmenge von ACCEPT, TYGERS OF PAN TANG, JAG PANZER oder SAXON. Das Debütalbum „Hell And High Water“ von 1985 ist gut gealtert und ist für manche ein Geheimtipp des NWOBHM. Durchgestartet ist die Band damals trotz der vorhandenen musikalischen Qualität aber nicht. Das Zweitwerk „Pain And Pleasure“ (1986) wurde über das eigene Label vertrieben, danach kam außer ein paar Gigs in Clubs und Festivals nach eigenen Angaben nicht mehr viel. Insbesondere in den 90ern waren die Zeiten für solch klassischen Heavy Metal auch keine leichten.

2008 gab es ein erstes Lebenszeichen mit einer erfolgreichen Reunion-Show, es reifte der Gedanke, ein neues Album zu veröffentlichen. Doch dann starb Gitarrist Michael Wenzel an Krebs, worauf die Band eine lange Auszeit einlegte. 2018 wurden ALIEN FORCE schließlich eingeladen, auf dem Keep It True Festival zu spielen. Für die Band ein Wendepunkt, es folgten einige weitere Auftritte. 2020 unterschrieben die Dänen einen Plattenvertrag bei From The Vaults, enterten das Media Sound Studio und nahmen zusammen mit Produzent Peter Branda das Album „We Meet Again“ auf.

Beim Opener „Set Me Free“ fällt als Erstes der warme und doch klare Sound auf, der mit dem fetzigen Gitarrensound gleich Spaß macht. Top! Erinnerungen an SAXON werden geweckt, die Gesangsmelodie hätte auch von Biff Byford geschrieben sein können. Solide. Die bereits vor rund zwei Jahren veröffentlichte Single „Rebellions“ wird durch das besondere Organ von Andersen getragen und sollte live ordentlich zünden. Gekonnt gezockter, klassischer Heavy Metal. „I Decide For You“ hätte ohne Probleme von SAXON`s Album „Solid Ball Of Rock“ (1991) stammen können, sehr einprägsames Gitarrenhauptriff gepaart mit einer chillig-coolen Refrainzeile. Das Gleiche kann man vom Hauptriff von „Precious Time“ behaupten, wobei hier der pumpende, omnipräsente Bass und der Refrain verstärkt durch Backing-Vocals eine gute Kombination ergeben – gelungen! „Sceptical Feeling“ läuft gut rein und hat eine schmissige Refrainzeile, einer der stärkeren Songs in einem insgesamt ziemlich homogenen Album.

Die Halb-Ballade „Killing Time“ experimentiert mit Soundeffekten beim Gesang und klingt irgendwie vertraut, irgendwo gab es diese Melodie doch schon mal zu hören – nur wo? Davon abgesehen, nicht schlecht die Nummer. Nach einem urigen Intro, das direkt aus den 80ern stammen könnte, zeigen die Dänen bei „Forgive Me“ mit mehreren Tempowechseln, dass sie mehr drauf haben als nur Schnittmuster 08/15. Jedoch fehlt dem Song die besondere Zutat in Form einer packenden Gesangs- oder Gitarrenmelodie. Keine Frage, die Riffs und Soli sind gut, aber mitreißend ist das nicht wirklich. „We Meet Again“ ist als so eine Art Storyteller-Song angelegt, bei dem man sofort hört: Hier erzählt der Sänger einem von einer Geschichte, die Relevanz hat. In diesem Fall geht es offenkundig um das Wiedersehen mit alten Bekannten aus der Metalszene, insbesondere den Metal-Fans. Schöne Nummer zum Ende eines Konzerts.

„Temptations“ ist ein fetziger Song, bei dem die Gitarre immer wieder gekonnt nach Aufmerksamkeit verlangt und die Gesangsmelodie mit ein paar Durchläufen das Zeug für eine längere Verweildauer im Hirn des Hörers hat. Eine gut nach vorn abgehende Nummer, ohne dabei besonders doll die Geschwindigkeit anzuziehen. Zum Abschluss richtet sich die emotionale Ballade „Song For You“ wohl an eine Verflossene (oder gar Verstorbene?). Musikalisch ist dieser Schmachtbrocken durchaus gekonnt, muss man nicht mögen, kann man aber.

Und so sieht es eigentlich beim ganzen Album aus: Muss einen nicht ansprechen, kann es aber. Das ist alles gut produziert und vom musikalisch-handwerklichen Niveau her auf einem hohen Level. Insbesondere Fans von Bands wie (älteren) SAXON sollten ein Ohr riskieren. Die ein oder andere zwingende Melodie mehr hätte das Album aber gern haben dürfen. So ist es wie ein Hot-Dog, der zu wenig Röstzwiebeln und keinen Senf hat: Ganz nett, aber mit schmeckt es einfach besser.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Tobias (26.11.2021)

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