PORTRAIT - At One With None

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VÖ: 03.09.2021
Bandinfo: PORTRAIT
Genre: Heavy Metal
Label: Metal Blade
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Lineup  |  Trackliste

Nach sechzehn Lenzen im Geschäft und vier gut rezipierten Langspielern bedürfen die schwedischen Schwermetaller PORTRAIT kaum noch einer ausführlichen Vorstellungsrunde. Kapellenkenner werden die in Per Lengstedt verkörperte vorzeitige Reinkarnation des Diamantenkönigs propagieren - und Neujünger werden nach spätestens zwölf Sekunden der Beschallung in dasselbe Horn tröten und die Wiederkunft des noch unverrenteten Großmeisters ausrufen. Und so wahr die Schweden zugleich nie als Abziehbild des dänischen Falsett-Virtuosen und seiner Formationen galten, zählten sie schnell zu den interessanteren Vertretern ihrer Zunft - gute Vorzeichen für das Fünftwerk "At One With None".

In der Tat sollte das Resultat keinen Fürsprecher besagter Bands und Stilrichtung enttäuschen, zumal PORTRAIT ein selten erreichter Kunstkniff gelungen ist: bei uneingeschränkter Stiltreue und ungebrochener Credibility neue Songs zu schreiben, die ohne Wiederholungen und aufgewärmte Trademarkschablonen an den bekannten Stil anknüpfen können. Mit Ausnahme von "A Murder Of Crows" (und mit Abstrichen "The Gallow's Crossing") bewegt sich das Liedgut wieder vorwiegend im Midtempo-Bereich, was den meisten Tracks gut zu Gesicht steht. Alleine der in feinster Jungfrauen-Manier nach vorne galoppierende Stampfer "Curtains (The Dumb Supper)" genügt als Anreiz, den neuen Dreher sein Eigen zu nennen.

Denn trotz aller Beschwörungen, mehr als nur reinen Oldschool-Worship abliefern zu wollen, gelingt der Truppe gerade diese Disziplin vorbildlich - "Bier auf, Faust nach oben und das Dopamin sprudeln lassen" lautet die Devise. Der schleppende Dampfwalzensong "Phantom Fathomer" tritt noch ein Stück härter auf die Bremse und erreicht durch die Fokussierung auf seine Gesangsmelodie einen noch höheren Ohrwurmfaktor - wer diesen Refrain vor zwei Wochen aus den Ohren bekommt, sollte dringend seinen Therapeuten aufsuchen. Nicht zuletzt setzen die oben erwähnten, schnelleren Nummern eine willkommene Abwechslung und schlagen die Brücke zum adrenalingeladenen Vorgänger "Burn The World". Die Kontraste zwischen hoch- und mitteltourigen Songs tragen dabei ebenso zur Unterhaltung bei wie das Zusammenspiel aus engelsgleichem Falsett, harschem Underdog-Gesang und den nicht minder dreckigen Gitarren.

Summa summarum bleiben PORTRAIT ihrem Stil in jeder Hinsicht treu und setzen ihr Werk stringent und sinnvoll fort, ohne sich dabei selbst zu kopieren oder an Klasse zu verlieren - ein Faktum, das sich selbst in der Komposition des Coverartworks manifestiert. Auch ihren markanten Sound haben sie bis heute beibehalten und lediglich mit etwas mehr Dampf auf der Schiene gepimpt. So bleibt am Ende nicht mehr, als den Schweden erneut Status und Güte zu attestieren und auf eine baldige Live-Vorstellung von "At One With None" zu hoffen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (31.08.2021)

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