JINJER - Wallflowers

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VÖ: 27.08.2021
Bandinfo: JINJER
Genre: Deathcore
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Das erste, was beim vierten Studioalbum von JINJER auffällt, ist der Titel – etwas so Zartes wie eine „Wallflower“ bringt man mit den Brachial-Metallern um Tatiana Shmailyuk wohl nicht zuerst in Verbindung. Egal, Hauptsache es kommt wieder etwas Neues von den Ukrainern, die nach „King Of Everything“ (2016) und dem starken „Macro“ (2019) nur zwischendurch die Live-Scheibe „Alive In Melbourne“ (2020 in der „guten alten“ Corona-Zeit) nachgeschoben hatten.

Der Opener „Call Me A Symbol” ist schon mal ein fetter Start: die Stimmung der Instrumente ist tiefer als das Niveau bei einer politischen Veranstaltung, der Groove scheint direkt aus der Hölle zu kommen, und der Refrain bohrt sich in die Großhirnrinde. Dann gibt es aber eine unerwartete Wendung, die Vocals werden clean, das Tempo wird zurückgenommen und düstere Leads prägen den zweiten Teil der Nummer. Hier wird auch die Vielseitigkeit des Albums vorweggenommen, es haben sich mehr Klangfarben und Zwischentöne in die Welt von JINJER eingeschlichen.

Das merkt man bei „Colossus“ wieder weniger (der Track ist kurz und heftig wie eine schnelle Nummer im Flugzeugklo), das folgende „Vortex“ startet dann aber wieder ungewöhnlich ruhig, bevor die Intensität immer mehr zunimmt und schließlich in einem fetten Breakdown endet – wohl nicht zu Unrecht ist „Vortex“ die erste Single-Auskopplung geworden. „Disclosure“ startet mit einem freudigen „Whooo!“ und einem Riff das einem die (un-) seligen NuMetal-Zeiten ins Gehirn ruft, bevor der Vierer die Bremsen anzieht und der Track in einer MESHUGGAH-Dampfwalze endet. Die Referenz passt auch zu „Copycat“, das Oldschool-Gebolze zeigt dass JINJER das starke „Koloss“-Album der Schweden wohl schon das eine oder andere Mal gehört haben.

Das Song-Trio danach zeigt wieder mal ungewohntere Seiten – „Pearls And Swine“ ist ziemlich melodisch und klingt für JINJER-Verhältnisse fast wie eine Ballade, „Sleep Of The Righteous“ swingt fröhlich mit verspielten Parts daher, und der Titeltrack ist dann ein echtes Highlight, das schwermütig startet und die Intensität bis zur Schmerzgrenze aufreißt. Das Album wird dann vom starken „As I Boil Ice“ (das ist wohl eine Übertreibung, so etwas kann normal nur Chuck Norris) und dem geilen „Mediator“ (mit Stop-and-go Taktik und Highspeed-Geballer zum Abschluss) würdig beendet.

Mit „Wallflowers“ haben sich JINJER nochmal kräftig weiterentwickelt, die Ukrainer sind nochmal gereift und haben neue Elemente nahtlos in den bekannten Bandsound integrieren können. War ein Kritikpunkt etwa bei „King Of Everything“ noch, dass das Songwriting nicht ganz auf der höhen der instrumentellen Fähigkeiten war, hat sich diese Schwäche mittlerweile erledigt, und JINJER sind mit „Wallflowers“ endgültig in der Oberklasse angekommen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (22.08.2021)

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