LEGIONS OF THE NIGHT - Sorrow Is The Cure

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VÖ: 20.08.2021
Bandinfo: LEGIONS OF THE NIGHT
Genre: Heavy Metal
Label: Pride & Joy Music
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Lineup  |  Trackliste

Jens Faber ist im Musikbusiness durchaus ein Künstler, der sehr viele Spuren hinterlässt. Neben seiner Hauptband DAWN OF DESTINY gab es bereits sein Soloprojekt EXOS mit diversen Sängern aus dem Metalkosmos oder auch vergangenes Jahr sein Female Fronted Projekt MALEFISTUM, das wieder eine neue Seite des aus dem Ruhrpott stammenden Songwriters zeigte. Ein neues DAWN OF DESTINY Album ist ebenfalls in der Mache, doch hat der gute Mann den Stillstand der Pandemie auch genutzt, um ein weiteres Projekt anzukurbeln. Hier hat er sich mit niemand geringerem als Henning Basse (Ex-METALIUM, Ex-FIREWIND) zusammengetan, um ein musikalisches Konstrukt zu kreieren, das sich an Bands wie SAVATAGE orientiert. Also insgesamt eher dem US-Power Metal zugewandt. Komplettiert wird das Lineup von DOD Drummer Philipp Bock und schon werden uns elf neue Tracks serviert, die zum Entdecken einladen.

"Train To Nowhere" begegnet uns mit einem leicht dramatischen Touch zu Beginn, der vor allem vom Piano inszeniert wird, doch ich muss wohl nicht erwähnen, dass die Nummer schnell aufweicht und in härtere Gefilde abdriftet. Henning Basse ist ein unglaublich unterschätzter Sänger und zeigt von Anfang an, warum er einer der Besten seines Fachs ist. Das Riffing ist knackig und die diversen Tempowechsel geben dem Song einen interessanten Vibe. Die Hook wirkt etwas unscheinbarer als man es zum Beispiel von DAWN OF DESTINY gewohnt ist, aber der Charme ist unverkennbar. Auch Jens Fabers backing Vocals tragen zur Atmosphäre bei und das fulminante Duo beschert der Platte einen wirklich gelungenen Start. "Lie" bewegt sich stampfend voran und der gute Herr Basse zeigt, dass der Mountain King stolz wäre, sich eine derart charismatische Performance anzuhören. Die Parallelen zu SAVATAGE sind unverkennbar und allein die Lache nach der Hook könnte 1:1 von Mr. Jon Oliva persönlich stammen. Ich möchte das Album keinesfalls als eine billige Imitation abtun, das würde weder Henning noch Jens gerecht werden, aber die Marschroute war ja von vornerein klar: US-Power Metal der Marke SAVATAGE und diesen Nerv trifft man hier perfekt. Ich liebe die Dramaturgie, diesen leichten Hang zur Melancholie, der dann wiederum in totale Dunkelheit abdriftet. "Walls Of Sorrow" ist zweifelsohne mein persönliches Highlight auf der Platte. Der behutsame Aufbau erzeugt eine gewisse Traurigkeit, wird im Verlauf aber wieder von virtuosem Riffing aufgeweicht. Henning zu lauschen, ist ein Schmaus für die Ohren und allgemein offenbart das Album eine große Spielfreude. Die energische Hook packt den Hörer fest und entlässt ihn nicht mehr aus seinen Klauen. Großes Kino! Auch die Ballade "Someday Somewhere" tut dem Album keinen Abbruch, überschüttet uns zwar mit einer Prise Kitsch, macht dies aber auf so charmante Art und Weise, das ich durchaus angetan bin! "We All Walk Alone" lässt sich zu Beginn etwas Zeit, wirkt in sich geschlossen auch etwas vertrackter als seine Vorgänger. Definitiv einer der Tracks, der mehr als einen Durchlauf benötigt, doch wer am Ball bleibt, der wird belohnt und das lässt sich so ziemlich auf das gesamte Album übertragen. Die ein oder andere Hook hat durchaus von Beginn an Ohrwurmpotenzial, doch in sich geschlossen ist "Sorrow Is The Cure" ein Album, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt und sich erst mit der Zeit in den Gehörgängen festsetzt. 

"Shoot And Save" klingt bitterböse und zeigt einmal mehr die Wandelbarkeit des Henning Basse. Die hohen fast schon bösartigen melodischen Screams drücken dem Song ihren Stempel auf und der atmosphärische Refrain weiß in Ekstase zu versetzen. Der Titeltrack ist dann leider einer dieser Tracks, der bei mir auch nach häufigeren Spins nicht zünden wollte. Der Aufbau braucht zu lange und der Song kann sich irgendwie manchmal nicht so richtig entscheiden, ob er nun heavy oder doch lieber balladesk sein möchte. War bzw. ist für mich etwas zu ermüdend und fällt im Vergleich zum Rest etwas ab. "Pay The Price" weiß das aufzufangen und bietet einen unglaublich geilen Doppelchorus. Während der erste Part voll auf Atmosphäre setzt, offenbart der zweite Teil fast schon etwas Episches und lässt Anleihen zu DAWN OF DESTINY erkennen. Zum Abschluss darf natürlich ein Cover Song von SAVATAGE nicht fehlen. "Sirens" bekommt hier quasi eine 2021 Version spendiert und ich bin sehr angetan, wie akkurat diese LEGIONS OF THE NIGHT Version umgesetzt wurde. Man hat sich sehr nah am Original orientiert und trotzdem einen eigenen Touch hinzugefügt. "Sorrow Is The Cure" lässt SAVATAGE nochmal neu aufleben und kann fast schon als eine Art Hommage verstanden werden. Mit einem Augenzwinkern könnte man sagen, dass es das erste SAVATAGE Album seit 20 Jahren ist und das darf und soll als Kompliment verstanden werden!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (17.08.2021)

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