CHUNK! NO, CAPTAIN CHUNK! - Gone Are The Good Days

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VÖ: 30.07.2021
Bandinfo: CHUNK! NO, CAPTAIN CHUNK!
Genre: Pop Punk
Label: Fearless Records
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Lineup  |  Trackliste

Sechs Jahre sind eine lange Zeit, doch manchmal will gut Ding eben Weile haben, man kennt es. CHUNK! NO, CAPTAIN CHUNK! haben 2015 ihren letzten Longplayer veröffentlicht und zwischenzeitlich wurde es bedenklich ruhig um die französische Easycore Band. Doch 2021 sollte endlich das Jahr werden, wo der Captain wieder in See sticht. "Gone Are The Good Days" ist der passende Titel für ein Werk nach sechs Jahren Funkstille, aber die guten Tage sind mit Sicherheit noch nicht vergangen, oder etwa doch? Nachdem mich "Pardon My French" seinerzeit komplett weggefegt hat im positiven Sinne, konnte der Nachfolger "Get Lost, Find Yourself" nicht so gut bei mir punkten. Dennoch herrschte ein großes Maß an Vorfreude im Hinblick auf diesen Release. Gerade die Single "Bitter" konnte hier eine sehr nette Duftmarke setzen und avancierte durchaus zu meinem geheimen Sommerhit, der quasi tagein, tagaus rauf und runter lief. Ob der Rest des Albums der Single gerecht werden kann, offenbaren möglicherweise die folgenden Zeilen.

Die Single "Bitter" markiert hier auch völlig zurecht den Opener und schafft wie schon in der Vergangenheit einen perfekten Spagat zwischen Poppunk und Metalcore. Wuchtiges Riffing gepaart mit charismatischen Cleans und einer Prise Screams. Die einfache Formel funktioniert und spendiert der Platte einen mehr als gelungenen Start. "Drift Away" hat insgesamt doch eher eine andere Herangehensweise und erinnert gerade zu Beginn eher an SIMPLE PLAN (die ja durchaus als die kommerzielle Popvariante unter den Poppunk Bands gelten), doch gerade dieser leicht sommerliche Touch steht den Franzosen sehr gut zu Gesicht und gibt auch Raum für akustische Spielereien. Die Hook paart dann wieder knackiges Riffing mit dem obligatorischen Ohrwurmfaktor. Gerade das gedrosselte Tempo gibt dem Song einen netten Anstrich und tut dem pacing insgesamt sehr gut. Der Titeltrack bewegt sich grundsätzlich eher stampfend voran und bleibt den simplen Strukturen treu. Während auf "Pardon My French" seinerzeit noch in fast jedem Track kurze Breakdowns und mehr Screaming-Parts eingestreut wurden, lassen diese abgesehen vom Opener bisher auf sich warten, wenn wir mal von den drei Sekunden nach der zweiten Strophe absehen. Ist das schlecht? Keineswegs. Der Titeltrack drückt sich eher in die poppige Schiene, entpuppt sich aber wie seine zwei Vorgänger als astreiner Ohrwurm. Es nimmt dem Ganzen ein stückweit schon die Vielschichtigkeit, aber CHUNK! NO, CAPTAIN CHUNK! schaffen es trotzdem, ihren markanten Sound durchzudrücken, ohne sich anzubiedern. "Marigold" darf gerne als eines der absoluten Highlights der Platte hervorgehoben werden. Während die Strophen sich wieder in akustischen Gefilden bewegen, explodiert der Chorus förmlich und weiß Gänsehaut zu erzeugen. Ein sehr energetischer Poppunk Song, von dem A DAY TO REMEMBER anno 2021 nur träumen können nach ihrem hingeschissenen Rotzalbum, das eine Beleidigung für alle ambitionierten Bands aus dem Genre darstellt. "Made For More" integriert durchaus wieder die "härtere" Schiene der Franzosen und bleibt im Tempo auch eher hoch. Gute Hooks schreiben können die Jungs und da bildet auch dieser Track keine Ausnahme. Es gibt einfach keinen besseren Releasezeitraum für dieses Album als die Sommerzeit. "True Colors" klingt in sich geschlossen etwas ernsthafter und bietet extrem geile Layer, was die Vocals angeht. Viele Spielereien, die hier stimmlich zusammenkommen und ein energetisches Feuerwerk darbieten. "Good Luck" ist ein kurzes Intermezzo, das erneut vermehrt auf die Akustikgitarre setzt und trotzdem den typischen Easycore Sound kreiert, während "Complete You" für mich einer der Aufreger des Albums ist. Warum? Sicher nicht wegen dem coolen Feature von AJ Perdomo (THE DANGEROUS SUMMER), sondern viel eher wegen dem Ausklang des Tracks. Wer zur Hölle kam auf die Idee, den Song nach dem grandiosen Saxophon Solo in der letzten Hook nach drei Sekunden so abrupt ausfaden zu lassen? Da musste bei mir direkt das Schnitt-Tool ran, um das auszubessern, was den Song gleich nochmal besser macht als er ohnehin schon ist. Dieser melancholische Sound ist es, den ich an Bands aus dieser Sparte liebe und kein Song fasst das besser zusammen als "Complete You". "Painkillers" integriert nochmal ein paar elektronische Sounds und gehört insgesamt auch zu den härteren Vertretern auf der Platte, wohingegen "Fin" am Ende einen sehr seicht-sommerlichen Abgang hinlegt, der trotzdem mit genügend Nachdruck aufwartet.

"Gone Are The Good Days" ist ein Feelgood Album, das auf den ersten Blick unscheinbar oder gar unspektakulär wirkt. Hat man sich mit der Band beschäftigt bzw. mit dieser Platte, so wird man sehr schnell feststellen, wie viel Spielfreude da drinsteckt. Im Genre des Easycore/Poppunk gibt es nur wenige Vertreter, die CHUNK! NO, CAPTAIN CHUNK! das Wasser reichen können und die bereits gedemütigten Genrekollegen von ADTR haben ja eh schon ihr Fett wegbekommen. Ich hoffe nur, dass uns die Franzosen keine weiteren sechs Jahre warten lassen, denn "Gone Are The Good Days" ist ein wunderbares Werk geworden, das mich gerade zu dieser Jahreszeit mit sehr viel Freude zu erfüllen weiß. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (03.08.2021)

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