DEFOCUS - In The Eye Of Death We Are All The Same

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VÖ: 02.07.2021
Bandinfo: DEFOCUS
Genre: Metalcore
Label: Arising Empire
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Lineup  |  Trackliste

Zeit für einen neuen Stern am Metalcore Himmel. DEFOCUS bringen mit "In The Eye Of Death We Are All The Same" nicht nur ein Album raus, das die Titellänge einer Bachelorarbeit besitzt, sondern auch ein Album, welches das Debüt der Gruppe aus Aalen markiert. Neun harte und eingängige Songs warten auf dieser Platte sehnlichst darauf ein Gehör zu finden. Der Titel verspricht thematisch auf jeden Fall so einiges, denn wer sonst als der Tod ist der große Gleichmacher aller Menschen. Wenn man es positiv sehen möchte ein sehr toleranter Geselle, dieser Sensenmann. Allerdings geht es im Grunde inhaltlich viel mehr um den Fortschritt der Menschheit, dessen Weg unweigerlich ins Jenseits führt. Dabei ist es egal ob sich die Tore zum Garten Eden, oder die Pforten des Höllenpfuhls öffnen, denn "Regardless of ranks and positions, in the eyes of death we are all the same" (außer man ist privatversichert natürlich).

Mit diesen fröhlichen Worten konzentrieren wir uns nun ganz genau auf die Scheibe der Newcomer und setzen diese aber mal ganz prominent unter das Brennglas, obschon der Name DEFOCUS es eigentlich anders vorschreibt. Glücklicherweise braucht man für den Genuss eines Albums ja nur die Ohren und je nachdem wie gelungen die Platte ist, vielleicht noch den Nacken, die Augen bleiben da eher zweitrangig. 

Ohne große Umschweife startet die Platte mit ordentlich Dampf. Die Gitarren machen sofort Tempo und der Gesang tritt förmlich die Tür zum Gehörgang ein, ohne auch nur daran zu denken vorher anzuklopfen. "Thoughts of Vision" ist kompromisslos und zeigt unnachahmlich, was sich DEFOCUS für ihr Debüt vorgenommen haben. Verglühen ist nicht für den neuen Stern am Core-Himmel, eher verursacht der Song einen Krater auf der Erdoberfläche. Der aggressive Beginn wird von einem melodischen und eingängigen Refrain unterbrochen, der die Spannung so sehr rausnimmt, dass gerade die letzte Strophe nochmal ordentlich Alarm machen darf, bevor der Song vorbei ist. 

Nachdem der Track also tief in das Gehör gedrungen ist, kommt mit dem passenden Titel "In Our Heads" das nächste starke Stück direkt hinterher. Auch hier darf der aggressive Gesang von einem sanfteren Refrain abgelöst werden, was den Song zu einem grundsoliden Core-Track macht. Dasselbe ließe sich auch über das folgende Stück "Immerse Me" sagen. Guter Gesang, geile Riffs, die ordentlich scheppern und super eingängig sind, wechseln sich mit einem melodischen und mitsingbaren Refrain ab. So gut beide Songs auch sind, es wirkt ein wenig, als hätte jemand Copy-Paste gedrückt. Denkt man zumindest. Doch sofort wird man dafür bestraft, denn ein warmer Basslauf, der die Gitarren kurz in den Hintergrund treten lässt, sorgt für ein wenig Abwechslung und drückt dem Stück sein Individualitätssiegel auf. 

"Common Grave" beginnt ebenfalls sofort mit einer Totalbeschallung des sämtlichen Hörapparats und klingt deutlich böser und tiefer als die vorherigen Stücke. Die Gitarrenriffs sind genial und treiben den Song noch weiter nach vorne. passend wird auf den melodischen Refrain verzichtet und man konzentriert sich auf die düstere Grundstimmung. Ein Stück, dass das Gesicht verzieht und zwar genau richtig. Purer Zorn trägt dieses Stück voran wie einen Tsunami. Dieser Ausflug, der fast in Richtung Deathcore geht, tut der Platte richtig gut und das vor allem nach den etwas identisch klingenden Stücken. 

Nach diesem gewaltigen Song folgt mit "Tides" nicht nur der Track, der die Mitte des Albums markiert, sondern auch ein atmosphärisches Interludium, welches die angestauten Aggressionen etwas davonspült. Für mich wirkt es ein wenig deplatziert, weil es die Stimmung zu sehr drückt, aber es mag vom Spannungsbogen des Albums her bestimmt auch für den Einen oder die Andere Sinn machen. 

"Diverge" scheint auf jeden Fall nicht das melancholische Memo des Instrumentaltracks erhalten zu haben und startet wieder von Beginn an durch. Die Stimme von Gastsänger Tommy Brümmer harmoniert ausgezeichnet mit den raueren Vocals von Simon Müller und gibt dem ganzen Stück aufgrund der Stimmfarbe Brümmers einen Vibe von ARCHITECTS, was ja grundsätzlich so falsch nicht sein kann.

"Can You See Me" ist zunächst aufgrund des ruhigeren Intros fast untypisch, doch es dauert nicht lange und schon wummern die Gitarren und galoppieren die Drums, akzentuiert mit ein paar Synthesizern, in die anfängliche Stille des Stückes hinein. Der Song entfaltet sich, wie schon "Thoughts Of Vision" zu einem typischen Core-Stück, welches sich durch einen aggressiven Refrain und melodische Refrains kennzeichnet. Dennoch beziehungsweise deswegen lässt sich die eindeutige Handschrift von DEFOCUS erkennen, die die Melancholie der Texte auch in den aggressiven Tracks durchschimmern lässt. 

"Disease" steht seinem Vorgänger in nichts nach und setzt mit Blast-Beats und schnelleren Riffs noch einen auf "Can You See Me" drauf. Kein Platz für einen melodischen Refrain, es bleibt aggressiv und schnell. Treffend umschreibt ein Kollege diesen Stil mit "Stresscore", allerdings im bestmöglichen Sinne. Der Breakdown zum Schluss des Stückes unterstreicht diesen Titel nochmal dick und macht Bock auf den letzten Song des Albums.

Besagten Abschluss bildet das Stück "Shelter", welches mit einer Laufzeit von knapp sechs Minuten schon anzeigt, dass es hier etwas melancholischer wird. Diese Vorahnung wird auch bestätigt und gibt der Platte eine weitere Farbe, die diesem gut ansteht. Vor allem der Gesang einer weiblichen Stimme, welche gänzlich auf jegliche Art von Geschrei verzichtet, sondern gefühlvoll dahinschwebt, sorgt für eine schöne Atmosphäre. Doch auch die härteren Passagen des Stückes, in welchen sich der Gesang der zarten weiblichen und rauen männlichen Stimme doppeln, sind sehr gelungen und bieten einen abwechslungsreichen Ausstieg aus der Scheibe. 

Das Debüt ist wirklich gelungen. Die Platte lässt sich problemlos in einem Rutsch durchhören, ohne, dass ein Gefühl von Langeweile aufkäme. Wer noch nicht genug von Metalcore und dessen Stammbaum hat, der darf sich hier auf einen weiteren Zweig freuen, der diese Krone ausschmückt. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Joel Feldkamp (02.07.2021)

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