SONIC DESOLUTION - Explorer

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VÖ: 30.04.2021
Bandinfo: SONIC DESOLUTION
Genre: Progressive Rock
Label: GMR Music Group
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Lineup  |  Trackliste

Um mit der Tür ins Haus zu fallen: Bei SONIC DESOLUTION mit „Explorer“ habe ich irgendwie den Eindruck, hier hat eine Band zusammengefunden, die noch nicht lange zusammengespielt hat und deren eigentliche Richtungen bezüglich dieses Longplayers unterschiedliche Intentionen verfolgten. Anders formuliert: Viel Köche verderben den Brei.

Es ist nicht zu bestreiten, dass es sehr schöne musikalisch abgerundete Momente gibt, dass Experiment, mit zwei Stimmen einer weiblichen, einer männlichen und wie im ersten Lied der eines Kindes, ist ein interessanter Beitrag, aber, großgeschrieben, ABER irgendwie bringe ich den Gesang mit der musikalischen Ausformung nicht unter einen Hut. Es ist, als würde der Gesang eine Pop-Rock-Platte produzieren wollen, während die musikalische Begleitung eigentlich von Kopf bis Fuß auf Prog eingestellt ist, der aber bewusst ist, dass beides kaum in Einklang zu bringen ist.  Dieser Prog ist Prog um des Progs Willen. Er will es sein. Hier ein ungerader Takt, da noch ein kleiner Schlenker, dort drüben ein Wi-wi-Wi. Ein Kaleidoskop an guten Ideen wie Musikern, die diese umzusetzen wissen, dieses Panoptikum wird leider in einem eng abgesteckten Rahmen bekannter Galaxien ausgeleuchtet. Zu LUNA´S CALL kommen wir baldigst.

„Explorer“, meiner Meinung, das beste Lied dieses Albums, erinnert an den alten Disput zwischen Form und Inhalt. Hab in einer Review bezüglich SONIC DESOLUTION gelesen und ja, normalerweise mache ich das erst, nachdem ich meine im Kasten habe: „Melodic progressive thematic artrock from Sweden.“ Ja, okidoki, Bro. 
Das Intro gefällt. Akustik-Gitarre, ist das eine Mundharmonika? Der Gesang des Knaben setzt ein, Klavier. Die Stimme des gereiften Mannes, ein Rückblick. Der Chor hätte meiner Meinung nicht sein müssen, hätte es spannender gefunden, wenn es in der Manier Mann vs. Kind weitergegangen wäre. Eine Art Zwiegespräch mit dem jüngeren Ich. Leider war es mir nicht möglich, die Texte im Internet zu finden. Das hätte mehr Licht in die Sache gebracht. Ist es ein Konzept-Album, das den Menschen an sich vom Ursprung bis zum Tode in acht Liedern begleitet, also eigentlich einen Kreislauf von Staub zu Asche darstellt? Ja, mit diesen Ideen sind wir sehr wohl hinter dem warmen Ofen hervorzulocken.

Ständig wartete ich auf den Augenblick, bis genug Energie bzw. Synergie aufgebracht wurde, um den Abflug zu schaffen, der aber immer nur angedeutet wurde. Man bleibt auf dem sicheren Boden. Handwerk hat goldenen Boden, ja handwerklich ist es eh gut gemacht, jedoch wo ist der Geist der diesem leblosen Werkstück Geist einhaucht? Geppetto, blaue Fee, Leben?

Das bringt mich zu dem eigentlichen Problem des Albums. Abgesehen von dem trinären Gesang in „Explorer“ ist bei mir nichts im Hinterkopf hängen geblieben, das mich ehrfurchtsvoll gebückt zum Platten-Regal hintreiben würde, um mit traumwandlerischer Sicherheit „Explorer“ aus seiner Schutzhülle zu befreien. Weil es die Wahrheit ist, jedenfalls meine Wahrheit, das Album von LUNA´S CALL ist mit seinen vergleichsweisen Jungspünden an Esprit Lichtjahre voraus. Dieser Vergleich mag ein wenig ungerecht anmuten, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dieses Jahr ein besseres Album als „Void“ zu hören kriege.

Trotz aller Kritik ist es dem Rezensenten nicht möglich, „Explorer“ schlecht zu bewerten, weil es das nicht ist. Wem die Götter zürnen, der darf nicht nach Hause, um mit seiner Frau zu kuscheln, den Pimpfen das Bogenschießen und Segeln beizubringen, schlussendlich in Frieden zu leben. Das Meer, die höhere Gewalt, eine Odyssee ist genug, bei Odins Bart.

Leben, Tod, Asgard.


 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (02.05.2021)

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