GRUNT - Discipline

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VÖ: 02.04.2021
Bandinfo: GRUNT
Genre: Grind Core
Label: Larvae Records
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Lineup  |  Trackliste

Des Rezensenten sexuelle Sozialisierung spielte sich vornehmlich im gewalttätigeren Sektor der erotischen Vorlieben ab. Dort wo Tabu ein Fremdwort ist und wo der Spaß erst beginnt, wenn der gewöhnliche Vanilla-Kuschelsex-Befürworter, der im heißen Infight am liebsten noch die Lichter löschen würde, schon mit angstgeweiteten Augen den Würgereflex bekommt und sich panisch nach einem Fluchtweg aus dem Albtraum der Fetisch-Ekelhaftigkeiten umblickt "(ich bin ja der Überzeugung, dass es zwischen Blümchensex und 400 Volt Klemmen an den Nüssen ein breites Feld lustvoller Betätigung gibt, nicht nur Extreme - der Grauzonenreferent). Naturgemäß ist man dann auch musikalischen Umsetzungen der nicht allzu heimlich ausgelebten Gelüste keinesfalls abgeneigt.

Die herzallerliebsten Spandex- und Lederliebhaber von GRUNT, die schon im Jahre 2015 unseren Redaktionsterrier Laichster mit ihrer hocherotischen Schlachtplatte „Codex Bizarre“ begeisterten, haben nach angemessener, gespannter Wartezeit nun endlich ein neues Meisterwerk bizarrer Tonkunst erschaffen, wenngleich sie ihre nachtschwarzen Fantasien und anrüchigen Fetische derzeit leider nicht wie gewohnt auf die Bühne bringen können. Dort, wo nicht unter dem Mantel künstlerischer Freiheit, sondern einfach nur aus reiner Lust an der Provokation die Praktiken aus der selbst für gestandene Szenegänger oftmals grenzwertigen Hardcore-Ecke mit sichtlichem Genuss exerziert werden – egal ob nun Männern oder Frauen wortwörtlich die Haut in Fetzen gepeitscht wird, Nadeln und andere Gegenstände zwecks ultimativem Lustgewinn durch Körperteile getrieben werden oder schamlos in und aus diverse(n) Körperöffnungen uriniert oder defäkiert wird.

Das Pamphlet der sexuellen Widerwärtigkeiten, sinnlich-sinnig „Discipline“ betitelt, kennt keine Gnade und keine Grenzen und serviert eine verstörende, schwer verdauliche Mischung aus Industrial, Death und vagen (Gore)Grind-Zügen auf einem schwarzen Erotikbett aus der Hölle. Dabei ist es egal, ob GRUNT zähflüssig und dumpf dahin nagelnd zu Werke gehen, wie mit dem im südlichen Idiom vorgetragenen „Piedade“, den Blastbeat durch die Decke treten, oder sich und ihre garstig blubbernden Vocals und hässlich verzerrten Gitarren ausgiebig in summenden Cybergoth-Synthies wälzen (zB im Rausschmeißer „The Black Suitors“) - die Marke, die die herrlich abartigen Portugiesen für sich erschaffen haben, funktioniert einfach. Gebt die demütig die Kontrolle über eure Gedanken auf („Relinquish Control“) und lasst euch von den musikalischen Peitschenhieben hinabtreiben in das trübe, flackernde Licht der bizarren und verstörenden erotischen Fantasien und folgt GRUNT in ihr ureigenes „Vertiginous Asylum“.

Wenn euer Frohlocken dort beginnt, wo der Durchschnittsbürger bereits überlegt die Kurzwahlen der Exekutive in seinen Fernsprecher zu hämmern, dann solltet ihr euch „Discipline“ von GRUNT unbedingt zulegen. Dann, wirklich nur dann, wenn euer Innerstes so verdorben und übersät von Wahnsinn ist, werdet ihr euch voller Genuss in die Welt der Abartigkeiten fallen lassen können, die der portugiesische Vierer so gekonnt illustriert.

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (09.04.2021)

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