MARASMUS - Necrotic Overlord

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VÖ: 26.03.2021
Bandinfo: MARASMUS
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Old School Death Metal ist angesagt und modern. Was auf den ersten Hörer widersprüchlich klingt, wird beim Blick auf die Zahlen der empor sprießenden Releases von alten Hasen und Szene-Startups glasklar und evident. Die grunzenden Zünfte sind begehrt, beliebt, salonfähig und sowieso rundum geil. Auch der Verfasser ist dem raubeinigen Charme des Genres vollends verfallen und scheut sich nicht davor, einem gut gemachten "Stilerhaltungsalbum" die verdienten Lorbeeren zu spendieren.

"Stilerhaltungsalben" gibt es indes zuhauf - Releases, die das Rad in vollem Vorsatz und ohne Einschränkung nach altem Traditionsrezept manufakturieren und dies zuweilen so konsequent anstellen, dass selbst die Zuordnung einer Platte zu einer bestimmten Dekade zur anspruchsvollen Denksportaufgabe wird. Solche Konzepte funktionieren, sie sind sogar so etwas wie der massive Grundfeiler eines ganzen Genres, das seinen Namenszusatz "Oldschool" sonst überhaupt nicht verdient hätte. Haarig wird es allerdings dann, wenn man als Hörer dem Eindruck erliegt, dass hier Death Metal des Death Metals wegen gespielt wird und man sich fragt, ob es trotz aller Traditionspflege nicht ein Quäntchen weniger beliebig hätte sein können. MARASMUS aus Kansas City releasen dieser Tage ihre dritte Platte "Necrotic Overlord" und vereinen - sei es erfreulich oder nicht - alle vorgenannten Eigenschaften unter einem Dach.

Die Jungs können zocken und erfreuen sich eines löblichen Maßes an Evolutionsverweigerung, ganz wie ich es von einer OSDM-Band erwarte. Doch was hebt ihre Kompositionen von denen ihrer unzähligen Markbegleiter ab? Wenn ich ehrlich bin, fällt mir dazu nicht allzu viel ein. In "Ectoplasmic Violation" dominieren rumpelnde Blastbeats und sägende Riffs vermählen sich mit fliegenden Leads für das nötige Maß an Melodie. Die Growls klingen geübt und versiert, doch fast schon ein wenig lustlos für ein Genre, das eigentlich vor überschäumenden Testosteronergüssen lebt. So oder so ähnlich geht es über die volle Distanz weiter, es wird geknüppelt und geprügelt, was die Glieder hergeben, doch der Kick bleibt aus. Einige kleinere Hinhörer wie die Tremolos in "Appeasing Thanatos" oder die verträumte Leadgitarre in "Forsaken Graves Of Infant Kings" können im Ansatz Hook-Qualität erreichen, doch die wenigen Highlights reichen letzten Endes nicht aus, um über die überwiegend generische Kost hinwegzutrösten. Ähnliches gilt auch für den vorbildlich erdigen, aber zahnlosen Sound der Scheibe.

Nicht immer führt die Stilerhaltung automatisch zu einem Jahrhundertalbum - genau genommen ist ein Volltreffer in dieser Liga sogar eine ausgesprochen anspruchsvolle Aufgabe. "Necrotic Overlord" hingegen bietet schlicht soliden OSDM - es tut nicht weh und hat keine gravierenden Kritikpunkte, kann aber in keiner Disziplin zu 100% überzeugen oder über den guten Durchschnitt hinaus entzücken - sei es in puncto Sound, Songwriting oder Originalität.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (25.03.2021)

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