WITCHSEEKER - Scene Of The Wild

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VÖ: 26.03.2021
Bandinfo: WITCHSEEKER
Genre: Speed Metal
Label: Dying Victims Productions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Der Heavy Metal ist nicht nur der grandioseste Mikrokosmos der Welt, sondern auch sprichwörtlich die Szene der Wilden. Wo kann man als moderner Steinzeitmensch sonst seinen Gelüsten freien Lauf lassen, wenn nicht auf einem Heavy-Metal-Konzert oder einschlägigen Festivals? Seinen Kampfschrei für den Ernstfall erproben, den Stammestanz aufführen und die Mähne aerifizieren...all dies wäre an den meisten Orten undenkbar oder zumindest mit ungewollten sozialen Konsequenzen verbunden - doch im Gegensatz zu Mogelpackungen wie Volksfesten, Swingerclubs und Bankfilialen bietet der Heavy Metal uneingeschränkten Freiraum zur Entfaltung und wahren Seelenfrieden.

Das alles weiß jeder, der den Unterschied zwischen Wacken und Kochduell im Streaming-TV kennt. Doch dieses von allen angebetete, einer Weltreligion gleichziehende Genre zieht weitaus größere Kreise, die den vorwiegend in Europa und Amerika ansässigen Raum der üblichen Verdächtigen übersteigen und sich bis nach Singapur hin durchschlagen. Der kleine, südostasiatische Inselstaat nennt gerade mal 173 aktive Metalbands [Stand: 22.03.2021 laut schwermetallischer Enzyklopädie] sein Eigen, darunter die Schwarztöter IMPIETY und die Heavy/Speed Metal Kapelle WITCHSEEKER, die ganz offensichtlich geschnallt hat, wie der Duracell-Hase seine Ohren sauber hält.

WITCHSEEKERs zweites Album "Scene Of The Wild" bietet nicht viel Neues, aber reichlich von dem, was man als gescheiten Anheizer für die beliebten Aktivitäten nach Absatz eins dieser Rezension heranführen kann: messerscharfe Riffs, klebrige Hooklines, treibende Rhythmen und vor allem eins: Feuer, Feuer und nochmal Feuer. Was sicherlich auch dem Alter der Bandmitglieder geschuldet ist, schlägt sich in jedem einzelnen Song wieder: WITCHSEEKER nehmen nie den Fuß vom Gas und sind hungrig - und das obwohl sie den Heavy Metal regelrecht aufgefressen und beim Proben wieder ausgeschwitzt haben. Vom Rock'N'Roll-lastigen Titeltrack über den punkigen Aufmucker "Break Away" bis hin zu "Hellions Of The Night", einem unbarmherzigen Bastard aus Speed Metal und MOTÖRHEADs "Overkill", gönnen einem Sheikh Spitfire und seine Kumpels kaum eine Sekunde zum Durchatmen. Bei einer Intensitätsübung dieser Liga ist man um einen Midtempo-Song wie "Nights In Tokyo" geradezu dankbar. Brandon Brandy und Nick Stormbringer [dessen Name garantiert nichts mit der Besprechung dieses Albums in unseren Reihen zu tun hat] schütteln sich die starken Riffs geradezu aus dem Ärmel und Fronter Sheikh Spitfire versohlt dem Hörer mit seinem Viersaiter herzhaft den Allerwertesten. Hier trifft jeder Track ins Schwarze - und abgesehen von dem erwähnten Rausschmeißer "Hellions Of The Night" oder dem MAIDEN-lastigen "Sin City" eifern WITCHSEEKER keinem bekannten Vorturner allzu aufdringlich nach und ziehen ihr eigenes Ding durch - was wie man hört formidabel funktioniert.

Ein Glück, dass die wachsamen Riecher der Dying-Victims-Crew diese talentierte Truppe aufgespürt und der hiesigen Fachpresse aufgetischt haben. Sonst bliebe diese hochkarätige Highspeed-Perle am Ende noch dem Großteil seiner avisierten Hörerschaft vorbehalten. Und das, werte Leser, wäre eine kleine Tragödie, denn wer morgens ohne seine tägliche Portion Speed Metal nicht aus den Puschen kommt, der sollte seinen Wecker schleunigst mit WITCHSEEKER-Songs füttern. Dann klappt's auch mit dem Montag!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (25.03.2021)

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