LABYRINTH - Welcome To The Absurd Circus

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VÖ: 22.01.2021
Bandinfo: LABYRINTH
Genre: Progressive Melodic Metal
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Immer, wenn man die Italiener von LABYRINTH an die Grenze des Ereignishorizonts geschoben hat, weil deren letzter Release schon etwas zurück liegt, stellen sie einem wieder was Neues vor die Nase. In diesem Fall "Welcome To The Absurd Circus". Klingt vielversprechend, trotz des seichten Beigeschmacks der aktuellen "Un-Zeit", besieht man sich allein das Cover, von welchem wenig einladend direkt eine Pestmaske prangt. Na bravo. Allerdings ist die Neugierde dann doch groß. LABYRINTH drehen und dehnen sich erfahrungsgemäß ja schon seit jeher zwischen progressivem Soundregen und melodischem Klebzeugs hin und her und wenden sich von Album zu Album immer wieder der einen oder der anderen Gangart zu. Ruft man sich den vor ein paar Jährchen erschienenen letzten Release "Architecture Of A God" (Review dazu hier) in Erinnerung, hat zumindest unser Stormbringer-Mitstreiter Wilsberg die Feststellung gemacht, dass LABYRINTH durchaus Potenzial mitbringen, sich den ein oder anderen Pluspunkt aber verspielen. Nun, bei "Welcome To The Absurd Circus" kann von Punkte verspielen keine Rede mehr sein! Entweder sind es die Jahre, oder es ist die Situation, oder es ist einfach ein bestimmtes Gespür - egal, was es ist, es tut den Italienern durchaus gut. 

Auf der neuen Scheibe haben die Italiener die massivsten progressiven Elemente mehr oder weniger in den Schrank gestellt und fokussieren sich weitgehend auf eine "geradere", melodische und powerlastigere Direktheit, die zum Teil auch Speed und vor allem zu intensive Keyboard-Teppiche aus dem Rennen nimmt. Natürlich wird nicht vollständig darauf verzichtet, so fährt der Opener "The Absurd Circus" mit erkennungstechnischem Geschütz auf, wirft gleichzeitig einen hohen Grad an Eingängigkeit mit in die Waagschale. "Live Today" - ja verdammt, Speeeeeed - wechselt dann immer wieder in beruhigtere Übergänge, ehe wieder Vollgas gegeben wird, hält den Karren aber stets auf Zug und macht tatsächlich richtig Laune, nicht zuletzt durch einen stramm gehaltenen Bogen zwischen ziemlich großer Spielweise, die gelungen zusammengebastelt keineswegs nach instrumentaler Materialschlacht klingt, angemessen Melodie und rhythmischen Fanghaken Marke XXL. Selbst Balladen und balladesque Songs (die normalerweise keineswegs mein Spezialgebiet sind), wie "One More Last Chance" liefern LABYRINTH fast schon erstaunlich stark ab.

Die Tracks sind facettenreich gestrickt, bleiben oft nicht lange ruhig und dezent, sondern strotzen bald vor Kraft und interessanten Wendungen, ohne dabei aber verschachtelt oder kompliziert zu wirken. Bisher funktioniert alles schön fließend und eingängig.  

Großartig mitreißend auch "As Long As It Lasts", das erst mit einem guten Hook einsteigt und fast ein wenig an SYMPHONY X erinnert, ehe der Refrain richtiggehend Weite erzeugt und dann fast ein wenig verträumt wird. Hier wird auch der emotionale Aspekt ordentlich bedient. Eingebettet zwischen solch herausstechenden Songs gibt es auch die "normalen", banaleren Tracks, die einfach nur das Prädikat "gut" bedienen und sich als Gute-Laune-Füller für zwischendurch eignen. "Den Of Snakes" ist einer dieser Songs. Haut nicht um, passt aber rein. Kann was, aber nicht alles. Schön Ohrwurm-lastig auch "Words Minefield", das zwar eher seicht beginnt, sich dann aber gut steigern kann. Schön speedig "The Unexpected" und gut hörbar, aber nicht herausragend, die Cover-Version von "Dancing With Tears In My Eyes". 

Nach einer eher entspannteren - weil nicht ganz so ereignisreichen - Mittelpartie auf der Scheibe (nicht falsch verstehen: Die Songs haben wirklich guten Standard, nehmen sich aber im Vergleich zu den ziemlich herausragenden Eingangskanonen an Ereignisreichtum etwas zurück, was im Endeffekt der Scheibe aber gleichermaßen gut tut, um nicht zu überladen und überfordernd zu wirken), werfen LABYRINTH dann zum Ende hin noch mal in den Topf und rühren ordentlich um. "Sleepwalker" ist sowohl aufreibend im Songaufbau wie auch harmonisch verträumt im Refrain und bildet so eine eingängige und in sich wirkende Einheit. "A Reason To Survive" erinnert dann anfangs an eine schmeichelhafte Hommage an KAMELOT, selbst stimmtechnisch. War Roberto Tirantis Stimme schon immer so gezielt aufgeräumt und großartig? Jedenfalls wird vollkommen unaufgeregt die letzte Ballade aus dem Weg geschafft, ehe zum letzten sechseinhalbminütigen Gefecht angesetzt wird, das sich mit allen Wassern der LABYRINTHschen Spielweisen gewaschen hat.

Fazit: Ich bin tatsächlich überrascht! Positiv! Nachdem der letzte Release ein wenig wankelmütig wirkte, ein wenig, als würde man sich zwischen den Richtungen ein wenig zerreißen zu wollen, bündeln LABYRINTH nun ihre Kräfte in einer bestimmten Richtung und räumen mit zu vielen Ecken und Kanten auf. Zwar durchaus geradliniger, konzentriert man sich nun auf Power, Melodie und eine weniger verschachtelte, dafür niveauvolle Instrumentalbedienung. Zudem kommt ein durchaus angenehmer emotionaler Aspekt. Ich würde fast behaupten, dass hier der beste Output der Italiener vorliegt. Meinereiner ist sehr zufrieden!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (24.03.2021)

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