MORK - Katedralen

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VÖ: 05.03.2021
Bandinfo: MORK
Genre: Black Metal
Label: Peaceville Records
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Lineup  |  Trackliste

Die norwegische Black-Metal-Szene hat in den letzten Jahren eine interessante Entwicklung durchgemacht, die ich ihr als jemand, der abseits üblicher Vertreter und inaktiver Geheimtipps kaum Interesse für sie aufbringen konnte, zumindest zeitweise nicht zugetraut hätte. Plötzlich haben wir da Terratur Possessions, die zwar immer noch einen gewissen Geist aufrechterhalten, gleichzeitig aber Projekte veröffentlichen, bei denen es trotz aller klanglicher Synchronitäten nicht mehr darum geht, irgendeiner dritten, vierten oder gar fünften Welle eines charakteristischen Stils anzugehören und das als Verkaufsargument wiederzukäuen. Ich kann - vor allem, wenn man mit Atmosphäre argumentiert - durchaus verstehen, warum andere Künstler sich so vehement daran klammern und möchte auch niemandem die Aufrichtigkeit dahinter absprechen, aber für mich als Hörer war das immer ein Grund, um erstmal respektvollen Sicherheitsabstand einzuhalten. Mittlerweile ticke ich diesbezüglich zumindest teilweise anders und das ist letztlich auch der Grund, warum ich nun, nach all der Zeit, auch Thomas Eriksens MORK und seinem neuen Album "Katedralen" eine faire Chance geben wollte. Und ja, das Artwork hat natürlich ebenfalls eine Rolle gespielt. Doch hat sich dieser Gang durch die düsteren Korridore auch gelohnt?

Eines muss ich Eriksen, dem Verfechter einer fast schon antiken Prägung, vorneweg lassen: die gesamte Klangästhetik der frühen Tage fängt er mit seiner Herangehensweise so herausragend gut ein, dass ich ihm seine Admiration für DARKTHRONE und Co. selbst dann abnehmen würde, wenn er die Pressefotos dazu im Dresscode Strand an einem sonnigen Tag auf den Malediven hätte aufnehmen lassen. Die Gitarren knarzen, das Schlagzeug scheppert, der Bass gurgelt und an den scharfen Vocals wurde quasi nichts nachbeartet, sprich: alles klingt trotz einer zarten Prise Moderne organisch und charmant uncharmant.

Auch an der Songqualität, so wesentlich die Ausführung letztlich auch sein mag, lässt sich wenig kritisieren. Insbesondere TAAKE bzw. Hoest, der nach "Hordalands doedskvad" ausschließlich Unsinn publiziert hat, wäre, wenn, ja, wenn da nicht seine treudoofe, allesverzeihende Fanbase wäre, froh, wenn er heute noch so einprägsame Stücke wie "Dødsmarsjen", "Svartmalt" oder auch "Lysbæreren" geschrieben bekäme. Meine persönlichen Höhepunkte sind aber die etwas längeren und noch stimmungsvolleren "Evig intens smerte" und "Født til å herske" (das Feature von KAMPFARs Dolk ergibt stilistisch Sinn) sowie der finale Longtrack "De fortapte sjelers katedral", der den mächtigen, finsteren Dom bei unheilvoller Himmelsfärbung in seiner ganzen Pracht darstellt.

"Katedralen" ist wahrlich keine Götterdämmerung, die den restlichen Norwegern den Marsch bläst, aber es ist sehr gute Handarbeit, die unaufgeregt, geradezu entspannt ihrer Tätigkeit nachgeht und dabei so manchen unbewusst in den Schatten stellt. Eine runde Sache sozusagen. Ein Album, das von seinem gesamtheitlichen Vortrag, der kleinere Kränklichkeiten verzeiht und unablässlich das Gefühl der alten Schule transportiert, lebt und daher natürlich eine mehr als valide Option für Black-Metal-Fans sein sollte.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (16.03.2021)

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