ENFORCED - Kill Grid

Artikel-Bild
VÖ: 12.03.2021
Bandinfo: ENFORCED
Genre: Thrash Metal
Label: Century Media Records
Lineup  |  Trackliste

Wow! Was ein Brett! Nach einem gefährlich brodelnden Kurz-Intro fängt`s mit dem Opener „The Doctrine“ schon an mit schneidenden Riffs und man hat sofort Rückkoppelungen zu im Stammhirn abgelegten Erinnerungen an Thrash-Metal-Großtaten wie SLAYERs „Reign In Blood“. Was insbesondere auch an dem geilen Drum-Sound liegt. So muss das klingen! Zudem schnalzt der Bass satt im Hintergrund, wobei er auf dem ganzen Album gelegentlich hervorsticht und dem Sound noch mehr Fülle gibt. Jawollo! Und dann kreischt-brüllt das Geshoute von Knox Colby in die Gedärme und ab geht die Luzie. Hier wird erbarmungslos die Birne jedes Headbangers abgeschraubt. SLAYER scheinen auch bei den wilden, disharmonischen Soli Pate gestanden zu haben.

Auf die Thrash-Altmeister kann man ENFORCED aus Richmond (nicht verwechseln mit den Speed-Metalern ENFORCER aus Schweden!) aber nicht allein festnageln. Es schwingen noch weitere Einflüsse den Knüppel: Das Geshoute von Colby hat hier und da einen deutlichen Hardcore-Einschlag und auch die wilde Rohheit ist vergleichbar mit der ein oder anderen barschen Hardcore-Band. Wo die Kritiker-Kollegen allerdings einen Punk-Einfluss hören wollen, ist zumindest dem Verfasser dieser Zeilen nicht ganz klar.

Der Fünfer aus dem US-Bundestaat Virginia hat sich 2017 gegründet und 2019 ein erstes Album vorgelegt, das vor allem die bis dahin zusammengezimmerten Demoaufnahmen beinhaltete. Nun also das Label-Debüt bei Century Media. Und das hat neben fiesen Riffs und herrlich donnernden Drums nicht nur Tempo-Gebolze zu bieten. Gelegentlich wird gekonnt auf die Bremse getreten, sodass es tiefer in die Gedärme wummert. So etwa beim schleppend beginnenden Titelsong sowie bei „Malignance“, das durch das wechselnde Tempo eine fette Dynamik entwickelt und teilweise auch von EXHORDER zu Zeiten von „The Law“ stammen könnte. Oder auch „UXO“, „Curtain Fire“ und „Trespasser“, die mit ihren Refrain-Shouts live bombig knallen werden und zum Headbangen animieren.

Ab und an kommen auch Death-Metal-Zutaten ins Spiel: „Kill Grid“ ist ziemlich evil und man meint fast, SEPULTURA in ihrer frühen „Beneath The Remains“- und „Arise“-Phase zu hören, ohne dass es wie ein Plagiat klingt, wohlgemerkt. Ob`s daran liegt, dass das Album in Philadelphia bei Arthur Rizk gemixt und gemastert wurde wo neben POWER TRIP unter anderem auch CAVALERA CONSPIRACY ihre Musik eingetütet haben? Ist auch wurscht, wichtig ist, dass die Mucke von ENFORCED trotz des vielen Gebrülls und Knüppel aus dem Sack immer wieder auch gutes Songwriting hat: So bei „Hemorrhage“, das erst langsam aufgebaut wird, bevor es zu Raserei kommt, um dann wieder in einen Mörder-Groove umzuschwenken. Bis wieder das Gedonner zum Schluss kommt. Das ist schon mehr als nur stumpfes Geprügel.

Erfreulich ist neben dem gelungenen Album-Cover zudem die Spielzeit von 41:04 Minuten, was für extreme Musik wie diese völlig ausreicht. Auch der wütendste Wüterich unter Euch wird kaum noch länger den akustischen Vorschlaghammer brauchen. Und das ist „Kill Grid“ von ENFORCED: ein akustischer Vorschlaghammer der Extra-Güte. Die ganz großen Hits fehlen zwar noch, aber die Band ist ja relativ jung. Und „Malignance“, „Hemorrhage“, „UXO“, „Curtain Fire“, das Titelstück, aber auch der Opener sind schon prächtige Abrissbirnen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (08.03.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Benediction - Scriptures
ANZEIGE