EINHERJER - North Star

Artikel-Bild
VÖ: 26.02.2021
Bandinfo: EINHERJER
Genre: Viking Metal
Label: Napalm Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Normalerweise ändert sich bei Bands älteren Semesters nicht mehr allzu viel, wofür es reihenweise namhafte Beispiele gibt, deren Nennung es an dieser Stille sicherlich nicht bedarf. Man ist womöglich entspannter geworden und hat sein endgültiges Line-Up gefunden, ist mit der stilistischen Herangehensweise rundum zufrieden und fühlt sich bei seinem Label bestens aufgehoben. Sollte man zumindest meinen. Bei EINHERJER ist es offenkundig anders, denn die norwegische Viking-Metal-Legende hat sich nach Jahren bei Indie Recordings zu Ufern aufgemacht, an denen damals mit "Dragons Of The North" alles anfing - Napalm Records. Das alleine wäre eigentlich keine große Aufregung wert, schließlich wird das kaum einen Einfluss auf den eigentlichen Output haben, doch mit dieser Rückkehr hat sich auch ein langjähriger Gefährte, nämlich Gitarrist Aksel Herløe, der einst sein Debüt auf "Norwegian Native Art" gab, verabschiedet. Rückblickend betrachtet deutete sich das an, denn Ole Sønstabø, der Jungspund der Band, übernahm bereits auf dem "Dragons Of The North" Re-Recording sowie dem zuletzt erschienenen "Norrøne spor" die Rolle des Lead-Gitarristen und wird fortan von Tom Enge unterstützt. Gemeinsam suchen EINHERJER auf "North Star", dem achten Studioalbum, in ungewissen Zeiten das Himmelszelt nach Beständigkeit ab...

... und stoßen dabei auf etwas, das man von ihnen zuletzt gar nicht kannte: mäßig interessante, regelrecht durchschnittliche Songideen. Besonders unerfreulich ist das deshalb, weil man nach dem starken Beginn mit dem hymnischen Trademark-Opener "The Blood And The Iron", dem sphärisch-getragenen Single "Stars" und dem irrsinnig eingängigen "West Coast Groove", für das es wirklich keinen geeigneteren Titel hätte geben können, automatisch Gegenteiliges erwartet. Die Wahl der Single-Auskopplungen, die tatsächlich auf diese drei Stücke gefallen ist, war also entweder ausgezeichnet oder alternativlos - oder vielleicht sogar beides. Danach endet der begehrende Blick zum glänzenden Firmament allerdings jäh im missglückten Aufstieg und wandelt sich in "Higher Fire" und "Echoes In Blood" in eine ungewohnt altbackene Rückschau vergangener Tage, die mitnichten die Qualität dieser erreicht. Isoliert betrachtet ist die Lage auf "North Star" nicht so dramatisch, wie man die letzten Zeilen vielleicht interpretieren könnte, doch im direkten Vergleich mit den inspirierteren Vorgängern stellt man schon einen nicht unerheblichen Sinkflug fest, den auch die vielen coolen Heavy-Metal-Soli sowie die kurzzeitig aufbegehrenden "Listen To The Graves" und "Chasing The Serpent" nicht kaschieren können.

Somit bleiben EINHERJER mit "North Star" hinter meinen Erwartungen zurück und stellen damit das erste Album seit der Re-Union vor, das wahrscheinlich nicht so häufig rotieren und zunächst auch nicht in meine Sammlung aufgenommen wird. Ob das am Abgang von Aksel Herløe liegen könnte, wäre reine Spekulation, weswegen ich mich lieber an meine Fakten halte und die Probleme lieber am doch arg konservativen Songwriting festmache. Das wiederum zeichnete sich schon auf "Norrøne spor" ab, doch da war wenigstens jeder Song ein Volltreffer. Dieses glückliche Händchen fehlt EINHERJER auf "North Star", so dass man hier eine zwar stark beginnende, letztlich aber leider doch "nur" okaye Wikingersaga in seinen Händen halten wird.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (03.03.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Temple Balls
ANZEIGE