SONNE DER GERECHTIGKEIT - Sie hassen uns

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VÖ: 01.02.2021
Bandinfo: SONNE DER GERECHTIGKEIT
Genre: Industrial Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

„Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch...“
(Offenbarung d. Johannes, 1/10-11)

Im Falle des einmal mehr auferstehenden Erzengels Michael aus Niederösterreich, sprach der Herr zu seinem selbsternannten Gotteskrieger wohl eher: Nimm auf was du hörst, und trage es hinaus in die Welt der Metalheads, auf dass sie sich in Scharen der satanischen Praktiken abwenden und zurückkehren in den Schoß des Herrn. Um dem Endergebnis vorzugreifen: Nein, so sicher NICHT.

Allerdings hat sich der Erzengel auf seinem inzwischen zehnten Album „Sie hassen uns“, das er einmal mehr im Auftrag seines Herrn, Königs, Retters und allerbesten Freundes Jesus Christus unter dem Banner der SONNE DER GERECHTIGKEIT mit mäßigem Taktgefühl eingetrümmert hat, von den rohen Gefilden des christlichen (!) Schwarzmetalls abgewandt. Die biblischen Botschaften von Sünde und Erlösung schallen nun als sonorer gezwungen moderner Elektro-Industrial-Brei aus den Boxen und können durch die Programmierung zumindest mit deutlich besserer Rhythmik glänzen, als das bei den vorherigen akustischen Unfällen der Fall war. Das macht die Sache aber auch nicht unbedingt besser oder gar künstlerisch wertvoller.

Der Erzengel verzichtet überdies darauf, weiterhin im Namen des Herrn unschuldige E-Gitarren zu schänden oder kesselförmige Tonerzeuger zu steinigen und dürfte auch seinen Stimmbändern einen Exorzismus angediehen haben lassen – wir vernehmen nun nämlich (bis auf „Die Herzen sind verdorben“, wo noch kurz gefaucht wird) glockenhellen, engelsgleichen Cleangesang... ähm Cleansgesprech. Beziehungsweise den Versuch desselben, denn der Herr hat nämlich noch immer kein rudimentäres musikalisches (Takt-)Gefühl über sein verwirrtes, musizierendes Schäfchen kommen lassen. Während also im Hintergrund die programmierte Kickdrum aus dem RAMMSTEIN-für-Arme-Soundbaukasten mäßig motiviert dahin rattert, werden reißerisch-religiöse Texte in einer eintönigen Litanei rezitiert, die irgendwie wie Till Lindemann vorm Stimmbruch und mit drei Dübeln intus klingen.
 
Bis auf die einigermaßen wenig schmerzhaft geratene Musikuntermalung aus der Konserve, die man im Homestudio so für seine Demos zusammenschustert, ist auf SONNE DER GERECHTIGKEITs „Sie hassen uns“ wieder einmal überhaupt nichts göttlich - aber Hauptsache es ist laut. Das sterile, vollkommen druck- und einfallslose Soundgewand treibt dem obskuren musikalischen Verkehrsunfall (dem Zehnten innerhalb von etwas mehr als drei Jahren...) leider auch noch den letzten Funken Unterhaltungsfaktor aus – auch mit viel gutem Willen kann man keine Satire mehr in den verqueren Religionswahn des selbsternannten Erzengels hineininterpretieren. Möge er doch bitte den Schlüssel vom Abgrund von seiner Kette nehmen und die Musik, die man auch als solche bezeichnen kann, aus ihrem höllischen Gefängnis hervorholen. Das Gehör von Gläubigen wie Ungläubigen würden es ihm danken.

 



Bewertung: 0.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (14.02.2021)

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