ORION, THE FALLEN - The Druid & The Herbalist

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VÖ: 02.01.2021
Bandinfo: ORION, THE FALLEN
Genre: Grunge
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Ist schon seltsam, dass das neue Millennium vor allen anderen schlechten Dingen auf der Welt für eine besonders grausige Angelegenheit im Gedächtnis bleiben wird: Seine Musik - könnte man meinen! Das wollen uns die großen Medien suggerieren, denn wenn heute überhaupt mal über irgendwelche Musikprodukte berichtet wird, ist es der ewig selbe, gleichgeschaltete Happy-Hirntot-Müll. Sucht man in seiner Freizeit aber selbst nach Bands und ihren musikalischen Werken, stößt man doch ab und an mal auf seltsames Zeug. Objektiv betrachtet kann man ruhigen Gewissens behaupten, dass im wahren Underground Musiker und Alben existieren, die im direkten Vergleich mit dem Mainstream extrem herausstechen. Ich denke, noch diplomatischer lässt es sich fast nicht ausdrücken.

Ich bin mir sicher, es ein oder zwei Mal schon erwähnt zu haben, aber ich möchte Euch, die Leser dazu ermuntern, selbst Augen und Ohren offenzuhalten, selbst auf die Suche zu gehen, denn auch Stormbringer - The Austrian Heavyzine, das unnachgiebig den Underground unter dem Underground nach Perlen durchkämmt, kann nicht einmal einen kleinen Bruchteil dessen an die Oberfläche zerren, was Aufmerksamkeit und eine solide Hörerschaft verdient hätte. Dann stoßt Ihr vielleicht auf Sachen wie ORION, THE FALLEN, was eine Band oder vermutlich sogar ein Einmannprojekt aus Portugal ist. Einzige Social Media Präsenz bis jetzt (Stand: Januar 2021) ist Bandcamp und dort steht nicht viel. Der einzige gelistete Musiker ist der nach eigenen Angaben in Lissabon ansässige Mike Orion. Dieser sei für die Lyrics, die Aufnahme und den Mix zuständig. Ob er die Instrumente alle selbst spielt, lässt sich nur mutmaßen. Der Gute nennt einige US-Amerikanische Bands wie DEFTONES und BLACK SABBATH als Einflüsse, aber "The Druid & The Herbalist" ähnelt am ehesten ALICE IN CHAINS.

"In A Dungeon Hole" strömt düster wie unter einem Gullideckel in einer kalten Herbstnacht hervor. Sehr rar gesäte Vocals, damit man die Aufmerksamkeit des Gesocks in den düsteren Gassen nicht auf sich zieht. Schade, dass weder hier noch an anderer Stelle die tatsächlichen Lyrics gelistet sind.

"Reefer Of Doom" lässt den Motor aufbrummen, erinnert mich seltsamerweise an die Tankstellenszene von TERMINATOR 2 - Vielleicht hab ich ja autistische Züge. Mike Orions Vocals beginnen kräftig, weichen aber sehr schnell auf und wirken dann wirklich jung.

"The Druid & The Herbalist" nimmt als Titeltrack auf einer Strecke von fast zehn Minuten mehrere Richtungswechsel vor. Größere Teile kommen ohne Vocals aus.

"Crown Of The Ancients" ist zackiger gestrickt als die vorherigen Songs.

"Awaken" klingt suchend - ein schleppender um die Ecke Schleicher mit nervösen Gitarren.

"The Silence Of All" sorgt mit seiner blechern monotonen Melodie für Abwechslung.

"Stone" scheint das Highlight zu sein. Sehr introvertiert und verträumt. In dieser Qualität qualifiziert sich der Song für ein Picknick an einem heißen Sommertag wie auch fürs´s nächtliche Cruisen.

"The Black" ist der zweite Zehnminüter und hat somit ausreichend Platz, um sich gemütlich entfalten zu können - enthält überraschende Breaks.

"An Ocean Between" unterscheidet sich nicht zu sehr von den anderen Titeln. Hätte man als Abschluss anders gestalten können.

Und somit sind wir am Ende angekommen, was mich zu abschließenden Worten bewegt. Normalerweise unterhalten mich kräftige und tiefe oder kratzige Vocals am meisten. aber an dieser Stelle ist Mike Orions jugendlich wirkende Stimme eine willkommene Erfrischung und passt zudem sehr gut zur seinem schwebenden Stoner-Grunge. Respekt verdient er zudem für die neun Nummern auf seinem Debut (?), welche zusammen eine Laufzeit von knapp einer Stunde ergeben. In einer Zeit, in der viele Bands halbstündige Alben für selbstverständlich halten, vertritt ein ungesignter Jungspund die alten Werte.

PRO:

-"The Druid & The Herbalist" lebt von seiner Atmosphäre und diese eignet sich wirklich sehr gut für längere Autofahrten bei Nacht

-Wirkt urban und deshalb modern, trotz des heute vernachlässigten Genres, in dem sich das Album bewegt

-Zeichnet Fans sehr unbekannter Produktionen ein Lächeln ins Gesicht

-Fast 60 Minuten kostenlose Unterhaltung (Aber eine kleine Zahlung motiviert Musiker am Ball zu bleiben: HIER ordern)

KONTRA:

-Auch wenn sie nicht nerven, es gibt definitiv Stellen, die einander ähneln

-Aufnahmequalität stört nicht, ist aber nur passabel umgesetzt - der moderne Hörer muss damit umgehen können

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (01.03.2021)

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