THE DEAD DAISIES - Holy Ground

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VÖ: 22.01.2021
Bandinfo: THE DEAD DAISIES
Genre: Hard Rock
Label: The Dead Daisies PTY ltd. - SPV
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Lineup  |  Trackliste

Die DEAD DAISIES sind auch 2021 trotz diverser Wechsel und immer älter werdender Bandmitglieder überaus umtriebig. Einiges ist neu seit dem letzten Mal. So wurde zum Beispiel der Sänger ersetzt. Für meinen Geschmack passte John Corabis Stimme zum harten Rock der Gänseblümchen hervorragend. Nun hat man sich jemand geholt, der seit Jahrzehnten für Rock der alten Schule steht und eine bluesig angehauchte Stimme hat, die ich an sich gerne mag, aber nie mit den DEAD DAISIES in Verbindung gebracht hätte. Vielleicht war es für ihn selbst eine Überraschung bzw. wollte er auf seine alten Tage noch mal was Hartes machen: kein geringerer als Glenn Hughes hat nun das Mikro in der Hand und spielt natürlich auch Bass. Ich muss sagen, ich habe Glenn erst selten so stimmgewaltig und hart rockend erlebt, wie hier auf „Holy Ground“. Und er gibt trotz seines Alters keinen Millimeter nach. Da können sich so manche Jungen einiges von ihm abschneiden. Wow.

Neben dem fehlenden Mr. Corabi gibt es seit ein paar Tagen einen weiteren Abgang aus dem aktuellen Band-Team:
Deen hat Mitte Jänner mitgeteilt, dass er die DEAD DAISIES verlässt, um sich mehr um seine Familie zu kümmern und weil ein Rückenproblem behandelt werden muss. Schade, wenn sich eine Band – kaum, dass sie ein neues Album aufgenommen hat – in ihre Einzelteile zerlegt. Aber wie man die DAISIES kennt, werden sie wohl rasch wen aus dem Hut zaubern. Ihre Branchenkenntnisse sind ja riesig.

Genug des Rundherum vom Bandleben – hin zur Musik. Was erwartet uns auf „Holy Ground“ – dem heiligen Boden der Rockmusik?
Es sind elf sehr klassische, hart gesottene Rocksongs geworden, die einen erdigen, ursprünglichen Charakter haben und von Glenns Bass vorangetrieben werden. Seine Vocals sind zwischen Rock und Whiskey-Blues angesiedelt, mit einer für ihn überwiegend neuen Härte. Er harmoniert aber recht gut mit den Backing-Vocals der Band und dem Songwriting der Kollegen zusammen, mischt voll auf ihrer Linie mit und hat keinen Auslasser. Insgesamt also eine ziemliche Überraschung, dass er es nach so vielen Jahren auf diese Art und Weise noch kann.

Die Songs sind typisch für die alten Bans aufgebaut, mit aussagekräftigen Texten, durchdachten Gesangswechseln, guten Harmonien sowie einer Gleichberechtigung der Instrumente, die sich zB auch in den längeren Instrumentalstrecken in der Mitte der Nummern zeigt.  Natürlich ist aufgrund des Backgrounds der einzelnen Mitglieder, der sich in die 70er und 80er zieht, klar, dass sie einen zeitlosen und vielfältigen Sound abliefern, der die breite Palette von psychedelic Rock über Blues-Rock, erdigem Rock, Hard Rock bis hin zu groovigen, und dezent lasziven Rock abdeckt.

Anhörtipps:

  • Der Opener und Namensgeber „Holy Ground“: das ist eine energiegeladene Rocknummer, die Biss und Drive hat und den Erfahrungslevel und klassischen Rock-Background der Band zeigt. Die Härte ist etwas moderner, aber es finden sich natürlich die Anlehnungen an die Bands der 70er, von denen die Jungs ja auch kommen.
  • „Like No Other“ ist mit groovigem Unterton und wummernden Bässen und Gitarrenläufen. Es hat einen sehr trendigen Vibe und überzeugt mit Mehrschichtigkeit. Man hört, dass hier sehr gute Musiker am Werk sind, von denen jeder der Nummer seine Signatur aufdrückt.
  • Cooler, fett wummernder Bass zur getragenen Nummer „My Fate“, die gleichzeitig zur langsamen Grundstimmung knackige und fetzige Gitarren hat – das geht runter wie Öl
  • Das lässige, rockige, groovige, in die Beine gehende „Chosen und Justified“, das sich rasch zu einem Ohrwurm entwickelt.

 

 

Es sind einige ziemlich harte Stücke dabei, irgendwie unüblich für Glenn Hughes. Zum Beispiel grooven die harten Gitarren bei „Saving Grace“ ordentlich, genauso wie der recht harte Rhythmus von Bass und Schlagzeug. Das bekannte „30 Days In A Hole“ haben sie auch gecovert – sehr rhythmisch und melodisch, mit ordentlicher Chor-Unterstützung der Bandkollegen

Fazit: diese Band lebt den Rock’n’Roll seit Jahrzehnten, das hört man von der ersten bis zur letzten Note. Die Musik ist zeitlos und hat gleichzeitig modernen Touch. Der Wechsel zu Rock-Urgestein Glenn Hughes am Mikro und Bass mag einige stören, aber dafür andere heranziehen, die Fans von ihm sind. Der Charakter der Band ist überwiegend geblieben, geht aber mit Glenn in eine leicht andere Richtung, als ihr John Corabi verpasst hat, der doch aus einem anderen Jahrzehnt stammt.

Unterm Strich ein gut gemachtes Album und ein lautstarkes, hartes Lebenszeichen mehrerer alter Herren, die damit keineswegs zum alten Eisen gehören und auch nie verbraucht oder verstaubt klingen.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (29.01.2021)

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